Chinesische Kampfkunst

Shaolin Tai Chi verleiht Kraft und Ruhe

Behutsame Bewegungen, Konzentration aufs eigene Tun: Lehrmeister Ulf Meiswinkel vermittelt die Essenz des Tai Chi. Foto: Michael Corts
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Behutsame Bewegungen, Konzentration aufs eigene Tun: Lehrmeister Ulf Meiswinkel vermittelt die Essenz des Tai Chi.

Ulf Meiswinkel lehrt chinesische Kampfkunst und hat eine dem entsprechende Ausbildung absolviert.

Von Michael Corts

Burscheid. Die Körper bewegen sich sanft durch den Raum. Mit fließenden, mal angewinkelten und nahezu ruhenden Haltungen, mal scheinbar schraubenden Bewegungen der Hände, der Arme und Beine folgen acht Personen den leisen und bedachten Anweisungen ihres Trainers. Synchron wie im Gemeinschaftstanz formt die scheinbar gegen unsichtbare Gegner kämpfende Gruppe um sich herum einen ästhetischen Raum und erzeugt in der eher nüchternen Sporthalle eine nahezu meditative Atmosphäre: Hier wird Shaolin Tai Chi geübt, eine alte chinesische Kampfkunst, die sich aus dem Kung Fu entwickelt hat.

In der hier praktizierten Form dient sie dabei weniger der Selbstverteidigung, sondern der Bewegungstherapie und der geistigen Stärkung. Ulf Meiswinkel , der Tai-Chi-Lehrer, ist den asiatischen Sportarten schon seit seinem achten Lebensjahr verbunden.

Das hat mir wieder Standfestigkeit im Leben gegeben.

Tai-Chi-Schülerin Brigitte Schaefer hat der Sport viel gegeben

Am Anfang stand Judo und sein Wunsch, nicht schwach zu sein. Sein damaliger Lehrer zeigte ihm die körperliche Technik dazu, aber auch den Weg zur Achtsamkeit gegenüber dem Gegner und der Welt. Mit „Tai-o-toschi“ , einem von seinem Lehrmeister für ihn variierten Judowurf, „seinem“ Wurf, spürte Meiswinkel schon früh, „etwas bei sich zu haben, was einem Sicherheit gibt“.

Es folgten Ausbildungen in Jiu Jitsu, Taekwondo und Kung Fu. Meiswinkel errang Meistertitel bis zum schwarzen Gürtel. Eine schwere gesundheitliche Krise zwang den beruflich in der Autoindustrie als Manager tätigen Meiswinkel zum Innehalten. Der Weg zur Genesung führte ihn zu einem die Traditionelle chinesische Medizin praktizierenden Arzt. „Es war kein Zufall, dass genau dann auch meine Krankenkasse Tai Chi als Betriebssport anbot“, ist sich Meiswinkel sicher und beschreibt, wie die Bewegungs- und Atemtechniken ihm halfen, alles loszulassen und Geist und Körper in Harmonie zu bringen. Die Entscheidung, selber Tai Chi lehren zu wollen, reift.

Die besondere Art seines chinesischen Lehrmeisters, der ihm für den Mut zum Handeln und nicht für die Leistung applaudierte, formte auch Ulf Meiswinkels Sichtweise. Er lernte durch Beobachten und Zuschauen; er absolvierte einen Wettbewerb für europäische Shaolin-Mönche in London mit der Goldmedaille und wurde selber zum Lehrmeister.

Den gesundheitlichen Aspekt des Tai Chi mit seinen Auswirkungen auf Körper und Seele wissen auch seine Schülerinnen und Schüler zu schätzen. Wie zum Beispiel Harald Ignatius, der mittels der verinnerlichten Ruhe der Bewegungsabläufe und der befreienden Atemübungen lernte, besser mit seinem Asthma zurechtzukommen. „Ich habe mehr Selbstkontrolle bekommen und brauche jetzt weniger Medikamente“, sagt er.

Brigitte Schaefer musste den Verlust des Partners aushalten und verlor an Stabilität im Leben. Sie sagt: „Ich fühle in den Übungen meinen Körper und kann mich selber wieder wahrnehmen. Das hat mir wieder Standfestigkeit im Leben gegeben.“ Die aus Spanien stammende Maria Berez Bazan profitiert vom Tai Chi durch körperliche Fitness und dem Gewinn an Energie und Ruhe.

Sie bemerkt, dass Tai Chi zu jedem Lebenszeitpunkt durchgeführt werden kann. „In China habe ich gesehen, dass alte Damen in Gruppen im Park stehen und ihre Übungen machen.“

Wer Shaolin Tai Chi mal für sich versuchen möchte, kann dies in der Gruppe von Ulf Meiswinkel mittwochabends in der Turnhalle der Martin-Buber-Schule in Witzhelden tun. Kontakt und Info über die Turngemeinde Hilgen (TGH).

www.tgh04.de

Hintergrund

Stärke: „Die innere Stärke, die der Übende bei Tai Chi erlangt, beruht auf der Ansicht, dass alles Biegsame und Weiche auf Dauer allem Harten überlegen ist, so wie das Wasser dem Stein überlegen ist“, sagt Ulf Meiswinkel, Tai-Chi-Meister.

Formen: Die Bewegungsformen des Tai Chi werden in China als Volkssport und Volksertüchtigung praktiziert. Der eigentliche Kampfkunst-Aspekt tritt vor diesem Hintergrund immer häufiger zurück und verschwindet bisweilen ganz.

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