Nach Hochwasser

Politiker hören Analyse der Hochwasserschäden

Schäden durch Regen und Hochwasser (wie hier zu sehen in Großhamberg) analysierte der Wupperverband am Dienstagabend. Archivfoto: nal
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Schäden durch Regen und Hochwasser (wie hier zu sehen in Großhamberg) analysierte der Wupperverband am Dienstagabend. Archivfoto: nal

Wupperverband war zu Gast im Umweltausschuss

Von Anja Wollschlaeger

Burscheid. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli sind Wassermassen durch Burscheider Bäche geströmt, wie sie zuvor noch nie eine Wetteraufzeichnung vermerkt hat. Marlene Liebeskind vom Wupperverband trug am Dienstag im Umweltausschuss zu den Folgen der Überflutungen in Burscheid vor. Die promovierte Wasserwirtschaftlerin, die beim Wupperverband den Bereich Gewässerentwicklung leitet, begann mit einer Einordnung und zeigte noch einmal die Starkregenkarte des Wetterdienstes aus jenen Tagen.

Burscheid war aus zwei Gründen noch eher glimpflich davon gekommen. Zum einen erreichten die Regenmengen hier nicht ganz die Rekordwerte, wie etwa in Wipperfürth, wo mit 167 Litern Regen der Regenmesser den höchsten je in Deutschland gemessenen Stand hatte. Zum anderen liegen die Siedlungen in Burscheid, wie der Name schon sagt, eher auf der Höhe. „Wir wissen lange nicht alles“, leitete Liebeskind ihren Vortrag zu den Schäden in Burscheid ein. Dann nahm sie konkret Bezug auf die bekannten großen Schadensstellen.

Auch einige Mühlen haben Schaden genommen

Der Bornheimer Bach spülte in Großhamberg einen Teil der K2 und eine Garageneinfahrt davon. Wie der BV berichtete, hatten dort Karin und Karl-Heinz Heine mitansehen müssen, wie das Wasser 1,80 m hoch auf ihrem Grundstück stand. Die Burscheider SPD hatte schon im Juli zu einem Ortstermin geladen und vorgeschlagen, einen Staudamm zu errichten. Doch den Vorschlag nahm SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Becker nun im Ausschuss zurück.

Marlene Liebeskind war darauf eingegangen und hatte erläutert, dass der Staudamm nur einen der drei Zuflüsse des Bornheimer Bachs bremsen könnte und daher nicht viel Entlastung bedeute. Der Vorschlag, den Wupperverband und Kreis nun verfolgen, ist ein anderer.

Da die K2 an der Stelle erneuert werden soll, wird die Gelegenheit genutzt, ein zweites Rohr für den Bach darunter zu verlegen, denn eine Ursache der extremen Schäden dort sei die Verrohrung des Baches an der alten Mühle. Wie der BV berichtete, hat sie einiges damit zu tun, dass Großhamberg mit solcher Wucht getroffen wurde. Denn für den Mühlenbetrieb wurde der Bornheimer Bach unters Straßenpflaster der K2 und in Rohre gezwängt.

Auch einige Mühlen in Burscheid haben Schaden genommen, etwa die Brucher- und die Grünscheider Mühle. An der Dürscheider Mühle ist der Wiembach verrohrt, und die Einfahrt wurde zerstört. Möglicherweise, so Liebeskind, kann hier ein Regenrückhaltebecken helfen.

An der Gerstenmühle hat der Wupperverband schon 2019 mit einem Umbau des Ufers für Hochwasserschutz gesorgt. Das habe sich bewährt, so Liebeskind. Das Wasser hat unterhalb von Blasberg im Konesiepen eine alte Müllkippe aufgedeckt. Nach der Analyse des Wupperverbandes hat sich in der alten Quellmulde durch den Regen so viel Wasser gesammelt, dass alte Teppiche, Dosen und Schuhe sich mit einer Schlammlawine ins Tal dahinter ergossen haben.

Naturnahes Bauen wird wichtiger

An mehreren Stellen in der Tagesordnung kam das Thema naturnahes Bauen vor. So stellte Manfred Lindenau für die Burscheider Ortsgruppe der Naturschutzorganisation Bund Fragen zur naturnahen Gestaltung durch Bauleitpläne. Diese seien, so seine Analyse, sehr unterschiedlich.

In den jüngsten Baugebieten, etwa Benninghausen Nord, sei kaum noch Wert auf Grün gelegt worden, während am Schlagbaum oder im Bremsenfeld eine naturnahe Gestaltung vorgesehen war. Er regte an, in der Bauleitplanung ökologische Interessen wieder stärker in den Blick zu nehmen.

Für die Verwaltung antwortete Heike Wunderlich und erläuterte, dass geltende Bauleitpläne nun nicht wieder aufgerollt werden sollen, jedoch in Zukunft der Versiegelungsgrad stärker ins Auge gefasst werden soll.

Zustimmung unter Enthaltung vieler CDU-Mitglieder fand der Antrag der Grünen zur Versiegelung von Gartengrundstücken durch Schottergärten. Die Verwaltung soll unter anderem Flyer „Grün statt grau“ verteilen. Gegen ein „Schotterverbot“ sprach sich auch Margret Eimermacher als Vertreterin des Seniorenbeirates aus. Sie sagte: „Ältere Menschen haben oft nicht das Geld für regelmäßige Gartenpflege und lassen ihren Garten dann lieber als Steingarten anlegen.“

Kommentar von Anja Wollschlaeger

burscheid@rga.de

Ist es klug, dort einen Keller zu bauen, wo schon einmal ein Bach über die Ufer gegangen ist? Sollte eine Straße vielleicht in Zukunft so gebaut sein, dass sie auch bei extremen Starkregen nicht zum Flussbett wird? Müssen junge Familien auf teurem Bauland einen Garten einrichten? Diese Themen wurden am Dienstag im Umweltausschuss angesprochen. Zuständig aber ist das Gremium für solche Fragen oftmals nicht. Dennoch muss der Klimaschutz und der Schutz vor den Folgen des Klimawandels auch in den städtischen Gremien noch viel stärker mitbedacht werden. Vielleicht sogar im Seniorenbeirat – denn Ordnungsliebe hilft den Enkeln nicht, wenn die nächste Flut kommt.

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