Betreuung für Grundschüler

Offener Ganztag rechnet mit „500 plus“

Seit der Gründung des Fördervereins Betreuungsangebote in Burscheid im Jahr 1996 ist Ulrike Hanke seine Vorsitzende. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Seit der Gründung des Fördervereins Betreuungsangebote in Burscheid im Jahr 1996 ist Ulrike Hanke seine Vorsitzende. Archivfoto: Nadja Lehmann

Ab 2026 gibt es für Grundschüler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Stadt soll auf Wunsch der CDU ein Konzept entwickeln.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Kinder, die ab dem Schuljahr 2026/27 eingeschult werden, bekommen einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Darauf hatte sich die Große Koalition im vergangenen Jahr noch in letzter Minute geeinigt. Nun griffen die Burscheider Kommunalpolitiker das Thema auf: Die CDU-Fraktion hatte zum Schulausschuss einen Antrag gestellt, in dem sie anregte, die Verwaltung möge bis Ende 2023 ein dementsprechendes Konzept vorlegen. Inhalt: Werden neue Räume gebraucht, neue Mitarbeiter, zusätzliche pädagogische Angebote? „Die CDU-Fraktion begrüßt die gesetzliche Neuregelung ausdrücklich. Die Betreuung außerhalb der Schulzeit ermöglicht nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Von einem verlässlichen ganztägigen Betreuungssystem profitieren auch die Grundschulkinder: Sie werden in ihrer sozialen, emotionalen und körperlichen Entwicklung unterstützt“, heißt es im Antrag der Christdemokraten.

Bei Null muss Burscheid dabei nicht anfangen, sondern kann im Gegenteil auf 26-jährige Erfahrung zurückgreifen: Seit 1996 gibt es den Förderverein Betreuungsangebote in Burscheid (BiB) und genau so lange ist seine Vorsitzende Ulrike Hanke im Amt – damit befasst, den drei Burscheider Grundschulen im Anschluss an den Unterricht eine sichere Betreuung anzubieten.

Wir gehen davon aus, dass dann 75 Prozent der Kinder unser Angebot wahrnehmen werden.

Ulrike Hanke, BiB

„Aktuell betreuen wir 320 Kinder“, sagt Ulrike Hanke. Eine Zahl, bei der es nicht bleiben wird. Schon im nächsten Schuljahr steigt sie auf 373 Kinder. Und mit dem Rechtsanspruch wird sie weiter Fahrt aufnehmen. Allerdings in sukzessiver Form. Zunächst werde der Rechtsanspruch sich ja lediglich auf die Erstklässler beziehen, sagt Hanke: „Wir gehen davon aus, dass dann 75 Prozent der Kinder unser Angebot wahrnehmen werden.“ Wenn sich diese Annahme bewahrheite, werde sich der Förderverein in der „Endausbaustufe um 500 plus . . .“ kümmern, skizziert Hanke.

Schon zum nächsten Schuljahr werden 50 Prozent der Kinder aller Burscheider Grundschulen hinweg den Offenen Ganztag besuchen. Hanke nennt als Beispiel die Gemeinschaftsgrundschule Dierath, die kleinste der drei Burscheider Grundschulen: „Von 211 Schülern sind 125 in der OGS.“ Der Anspruch sei stets gewesen, alle Kinder, die angemeldet gewesen seien, aufzunehmen.

Neue Räumlichkeiten? Müssen nicht unbedingt sein

Veranlassung, bis 2026 neue Räume zu bauen, sieht Ulrike Hanke nicht. „Wir werden eine andere Form der Verteilung finden müssen; Räumlichkeiten dürfen nicht leer stehen“, sagt sie. Ein Prinzip, das man in Dierath schon befolge: „Sonst würde es heute dort schon nicht reichen.“ Die Zeiten, in denen Ulrike Hanke mit einer Spielkiste in der Hand und unterstützt von drei weiteren Müttern auftauchte, sind schließlich lange vorbei.

Alarm schlägt sie indes an anderer Stelle: „Wir werden ein Fachkräfteproblem bekommen“, sagt sie. Denn schon heute sei der Markt für fachpädagogisches Personal leer gefegt. „Es ist nicht unbedingt der bestbezahlte Job. Hinzu kommt, dass man die Ausbildung selbst finanzieren muss“, erklärt sie. 2020 sei der „Erzieher im Praktikum“ eingeführt worden, der in einer Einrichtung arbeite (und damit etwas verdiene) sowie parallel die Schulbank drücke.

Quereinsteiger wiederum, so macht Hanke deutlich, seien eine Sache für sich: Im Schulausschuss erzählte sie von ihren Erfahrungen mit einer Heilpädagogin. „Sie konnte zeitgleich nur zwei Kinder betreuen. Das passte nicht.“ Zum Schluss sei die Mitarbeiterin nur noch in der Küche eingesetzt gewesen. Aber auch mit der Weiterbildung sei das so eine Sache. „Die Zusatzqualifizierung für Quereinsteiger umfasst zwei Tage in der Woche, abends und samstags. Eineinhalb Jahre lang. Wenn man Familie hat, ist das schwierig.“ Auf die eigenen Fachkräfte aber ist Hanke angewiesen. Externe Kräfte zieht sie nur in geringem Umfang hinzu, setzt lieber auf das eigene Personal. „Aus pädagogischer Sicht ist es für Kinder in dem Alter sinnvoll, feste Bezugspersonen zu haben“, betont sie, lässt aber auch durchscheinen, dass die Erfahrungen mit externen Angeboten nicht immer positiv gewesen seien.

OGS ist weit mehr als Betreuung nach dem Unterricht

Die OGS ist jetzt schon weit mehr als die Betreuung nach dem Unterricht. „Wir integrieren sie immer mehr in den Unterricht“, berichtete im Ausschuss CDU-Ratsfrau Barbara Düchting, die an der Montanusschule unterrichtet. „Wir müssen viel beachten, wenn die Kinder sie in Anspruch nehmen.“

Das unterstrich im Gespräch mit dem Bergischen Volksboten auch Montanusschulleiterin Claudia Zimmermann. „Wir müssen das zusammen angehen. Wir haben in der 1. und 2. Klasse Lernzeiten eingeführt, um so schon eine bessere Verzahnung zur OGS zu erreichen.“ 115 Kinder besuchen an der Höhestraße die OGS, 130 werden es im nächsten Schuljahr sein. „Da liegt viel Arbeit vor uns“, sagt Zimmermann mit Blick auf den Rechtsanspruch. Ihr sei es wichtig, dabei auch die Eltern gut mit im Boot zu haben.

Und auch die Stadtverwaltung begreift die Erarbeitung eines Konzepts nicht als Soloauftritt. „Wir können uns nicht im Rathaus an den Tisch setzen und entscheiden: So wird’s gemacht“, hob Verwaltungschef Dirk Runge im Ausschuss hervor. „Das geht nur gemeinsam.“

Ob Ulrike Hanke 2026 noch dabei sein wird, ist offen. „Man hat mich ja schon als die Mutter des Offenen Ganztags bezeichnet“, sagt sie augenzwinkernd. Nun komme ihr Enkel in die Schule: „Ich will nicht die Ur-Oma sein.“ Engagement aus der jungen Elternschaft sei mithin ausdrücklich erwünscht: „Wir wirken mit unseren 45 hauptamtlich Beschäftigten zwar wie ein mittelständisches Unternehmen“, weiß Hanke. „Aber wir sind nach wie vor eine Elterninitiative mit fünf Vorstandsmitgliedern.“

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