Politik soll die Rahmenbedingungen schaffen

Milchkuhbetriebe haben Zukunftsängste

Detlef Dahlhaus und sein Sohn Henning Dahlhaus mit der Kuh Mausi. Archivfoto: Doro Siewert
+
Detlef Dahlhaus (l.) und sein Sohn Henning Dahlhaus mit der Kuh Mausi.

Burscheider Detlef Dahlhaus befürchtet, dass viele Landwirte aufgeben, wenn der Handel bald nur noch Milch der Stufe 3 und 4 verkaufen möchte.

Von Susanne Koch

Burscheid. Das Wohl seiner Milchkühe ist dem Landwirt Detlef Dahlhaus wichtig. So leben seine 60 Kühe im Sommer auf der Weide und im Stall sind sie nicht angebunden und können umherlaufen. „Wir haben die Haltungsstufe 2, streifen aber schon die 3“, sagt er. „Wenn Aldi jetzt ab 2030 nur noch Milch der tierwohlgerechteren Haltungsstufen 3 und 4 ins Regal stellen will, dann sieht das für viele Bauernhöfe, besonders auch im süddeutschen Raum nicht gut aus.“

Derzeit könne er aber noch nicht mehr dazu sagen, als das, was er in den Zeitungen und in der Fachpresse gelesen hat. „Wir wissen noch nicht, wie die Molkereien das beurteilen und damit umgehen wollen. „Aldi greift damit in etwas ein, dass eigentlich an anderer Stelle entschieden werden müsste“, betont der Landwirt. „Es ist doch eigentlich Sache der Politik, die Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Und die müsste den ganzen Prozess gemeinsam mit den Landwirten und Molkereien verhandeln und voranbringen. „Wenn jetzt der Handel von sich aus Druck macht, zuerst Aldi, aber auch andere Supermärkte kündigen Ähnliches an, dann ist das keine gute Entwicklung.“

Detlef Dahlhaus ist sich sicher, dass nur die Milch bezahlt wird, die dann tatsächlich bei Aldi in den Regalen steht. „Das reicht für uns finanziell nicht aus.“ Besonders, wenn er und seine Kolleginnen und Kollegen auf diese Weise gezwungen würden, die Ställe umzubauen. „Das rechnet sich für uns nicht wirklich.“

Sein Betrieb ist schon seit Generationen in Familienhand. Mit ihm zusammen arbeitet auch sein Sohn Henning als leidenschaftlicher Landwirt. „Wir sind ein Milchkuhbetrieb“, sagt der Landwirt. „Wir melken täglich alle Kühe und haben einen Vertrag mit der Molkerei, die uns die Milch abnimmt.“ Einen Hofladen habe er nicht, er biete auch keinen Käse oder andere Molkerei-Produkte an. „Die Entwicklungen, auch jetzt durch die Corona-Pandemie, drücken langfristig auf den Milchpreis. Dabei hatten wir gehofft, dass er für die Erzeuger nun mal nach oben geht.“

Das sind die Pläne von Aldi für den Milchverkauf

Aldi Süd und Aldi Nord haben ihre Pläne bereits auf ihren Internetseiten veröffentlicht. Nach eigenen Angaben wollen die Unternehmens bis spätestens 2030 in Deutschland nur noch Trinkmilch aus den tierwohlgerechteren Haltungsformen 3 und 4 anbieten. Die Aldi-Nord-Managerin Tanja Hacker hielt fest: „Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt: Die Nachfrage nach Tierwohl-Produkten wächst stetig.“ Bereits ab 2024 beziehen die Unternehmen Trinkmilch nur noch aus heimischer Landwirtschaft. Bis 2024 wird Aldi vollständig auf die Haltungsform 1 bei Milch verzichten.

Aldi gibt mit seinem Haltungswechsel und den damit verbundenen Meilensteinen ein Signal in den Markt: „Wir verstehen uns ausdrücklich als Partner in der Wertschöpfungskette und bieten Landwirtinnen und Landwirten mit einem realistischen Stufenplan über Jahre hinaus Planungssicherheit und verlässliche Absatzperspektiven für Tierwohlware aus Deutschland“, sagt Erik Döbele, Managing Director National Buying von Aldi Süd. „Gleichzeitig möchten wir weiter an Politik, Handel und Industrie appellieren, gemeinsam mit uns an einem der bedeutsamsten Transformationsprojekte – der Zukunftssicherung der deutschen Landwirtschaft – mitzuarbeiten. Denn nur gemeinsam können wir den Wandel schaffen.“ Auch Edeka und Netto-Marken-Discount stellen den Verkauf ihrer Milchprodukte um. Ab Frühjahr verzichten sie bereits auf die Haltungsstufe 1. Und wollen peu à peu auch auf die Stufen 3 und 4 umstellen.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sagte in der Parlamentsdebatte der vergangenen Woche, dass er hochwertige und bezahlbare Lebensmittel, ausreichende Einkommen für die Landwirte und eine artgerechte Tierhaltung zusammenbringen will. Ernährungspolitik sei für ihn auch soziale Politik: „Wir wollen es nicht akzeptieren, wenn Menschen mit geringem Einkommen ein deutlich gesteigertes Risiko haben, chronisch zu erkranken.“ Die Landwirte sorgten dafür, dass wir täglich unser Essen auf den Tisch haben. „Wenn es den Tieren besser geht, müssen die Landwirte das im Portemonnaie spüren.“

Landwirte

Henning Dahlhaus arbeitet mit im Familien-Milchviehbetrieb. Er sagte jüngst auf einer Traktor-Demo in Köln: „Wir wollen ein Zeichen gegen die aktuelle Politik und die Auflagen, die uns auferlegt werden, setzen. Die Leute in der Gesellschaft und am Straßenrand geben uns schon Zuspruch, das finden wir toll und richtig. Jetzt müssen wir nur noch den Zuspruch aus der Politik erhalten. Unsere Botschaft ist nicht, dass wir gegen das Klima oder das Tierwohl sind. Wir sind dafür aber müssen auch die finanziellen Mittel haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kinderspaß zwischen Kühen und Hühnern
Kinderspaß zwischen Kühen und Hühnern
Kinderspaß zwischen Kühen und Hühnern
Neubau für Betreutes Wohnen „Am alten Bahnhof“ ist fast fertig
Neubau für Betreutes Wohnen „Am alten Bahnhof“ ist fast fertig
Neubau für Betreutes Wohnen „Am alten Bahnhof“ ist fast fertig
Kirsten Kühn folgt auf Klaus Becker
Kirsten Kühn folgt auf Klaus Becker
Orchesterverein lässt den Dom erklingen
Orchesterverein lässt den Dom erklingen
Orchesterverein lässt den Dom erklingen

Kommentare