Etwas Normalität

„Burscheid Live“setzt auf sicheres Feiern

„Burscheid Live“ bot den „Nostalgischen Freizeitpark“ auf dem Marktplatz an. Da gab es auch eine historische Schiffsschaukel, Foto: (2): Doro Siewert
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„Burscheid Live“ bot den „Nostalgischen Freizeitpark“ auf dem Marktplatz an. Da gab es auch eine historische Schiffsschaukel.

„Nostalgischer Freizeitpark“ brachte etwas Normalität zurück.

Von Jennifer Preuss

Das Leben geht weiter. Uwe Graetke hat keinen Zweifel daran. Er steht auf dem Burscheider Marktplatz und schaut zufrieden auf das Geschehen um ihn herum. Kinder lachen und sind fröhlich. Es riecht nach Frittierfett und Zuckerwatte.

Die Fahrgeschäfte waren von der Schaustellerfamilie Schaffrath aus Düren.

Der Pressluftflieger brummt, als die bunten Raketen in die Luft steigen. Josef Schaffrath dreht die Kurbel seines nostalgischen Karussells aus dem 19. Jahrhundert. Die Holzpferde laufen im Kreis herum.

„Warum sollte das Leben nicht weitergehen?“, fragt Uwe Graetke. Es ist auch die Erleichterung, die aus dem Mann hinter dem Visier spricht. Nein, er ist mit seiner Einstellung nicht alleine. Andere Burscheider sehnen sich genauso nach etwas mehr Normalität in einer durch die Pandemie durcheinander geratenen Welt. „Ich war nervös. Ich wusste nicht, ob wirklich Eltern mit ihren Kindern zu uns kommen.“

Über Facebook gab es viele böse Kommentare

Im vergangenen Jahr war der Nostalgische Freizeitpark in der Innenstadt ein riesiger Erfolg. Da war klar: 2020 muss es eine Fortsetzung geben! Und genau die steht unter keinem guten Stern. Eigentlich sollte der Nostalgische Freizeitpark im Juni stattfinden. Uwe Graetke als Vorsitzender des veranstaltenden Vereins „Burscheid Live“ entschied sich mit seinen Mitstreitern dafür, das Event nicht gänzlich abzusagen, sondern zu verschieben. Die Reaktionen waren nicht immer positiv. „Wir haben über Facebook viele böse Kommentare und viel Gegenwind bekommen“, sagt Graetke kopfschüttelnd. Diese Nachrichten haben ihn, der für das Umweltfest in den vergangenen Jahren immer in den höchsten Tönen gelobt wurde, erst sehr verunsichert. Es sei unverantwortlich, einen Jahrmarkt zu veranstalten, lautet eine Nachricht. „Man kann ja mal ein Jahr ohne auskommen“, schreibt ein anderer Kritiker.

Natürlich überlegt der 25 Mann und Frau starke Verein da neu, ob man das Projekt wirklich unter Corona-Bedingungen durchziehen wolle. Hier wird Uwe Graetke ernst. „Das Wenige, das wir machen dürfen, machen wir auch. Ich bin froh, dass sich nicht alle übers Internet in Panik versetzen lassen.“ Natürlich hält sich Burscheid Live an die aktuellen Bestimmungen zu Hygiene und Infektionsschutz. Der Burscheider Marktplatz ist umzäunt, um die Besucherströme kontrollieren zu können. Es gibt nur einen Eingang, an dem die Besucher sich anstellen müssen. Viele Worte braucht es hier nicht. Es gibt Prozedere, die seit März ins Blut übergegangen sind. So strecken selbst die Kleinsten die Hände aus, als der Ordner die Sprühflasche mit Desinfektionsmittel zückt.

Hier liegen zudem Zettel bereit: Jeder muss seine Kontaktdaten samt Aufenthaltszeiten eintragen. Die Mehrheit macht das ganz selbstverständlich. Nur eine Frau fällt am Samstag auf. „Sie wollte ihre Kontaktdaten nicht aufschreiben und ging einfach auf das Gelände. Wir haben sie weggeschickt“, erzählt Uwe Graetke. In solchen Fällen sind dem Verein die Hände gebunden. An die mit dem Kreisgesundheitsamt und der Stadtverwaltung abgestimmten Regeln muss er sich halten. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Und die Verwaltung ist wachsam. Bis zum späten Samstagnachmittag ist der vom Ordnungsamt engagierte Security-Dienst bereits zum dritten Mal auf dem Gelände. „Es ist gut so, dass wir kontrolliert werden. Dann sind wir auf der sicheren Seite“, so Graetke.

Rechnen würde sich eine Veranstaltung unter Corona-Auflagen nicht. Der personelle, finanzielle und organisatorische Mehraufwand in Kombination mit der eingeschränkten Besucherzahl von maximal 75 Gästen gleichzeitig sorgt für ein dickes Minus. „Aber wenn wir dieses Jahr nicht dafür sorgen, dass es weitergeht, wird es nächstes Jahr für Veranstalter noch schwieriger“, ist Uwe Graetke überzeugt.

In der Zwischenzeit benetzt Josef Schaffrath beherzt die Sitzflächen seines Karussells mit Desinfektionsmittel. Nach jeder Fahrt müssen alle Kontaktflächen gereinigt werden. „Skepsis gab es bei uns keine. Wir wollten schon im März nach Burscheid kommen“, sagt der Schausteller aus Düren, der eine harte Zeit hinter sich hat. Der Lockdown und das Verbot von größeren Veranstaltungen hat in ihm Existenzängste geweckt. Vor allem die Ungewissheit macht der Schaustellerfamilie Schaffrath nach wie vor zu schaffen. „Wir freuen uns, dass wir in Burscheid sein dürfen. Sonst haben wir bis Ende des Jahres keine Termine mehr. Alle Weihnachtsmärkte, auf denen wir ausstellen wollten, wurden abgesagt.“

Kultur-Altstadt

Schon nächstes Wochenende, 26./27. September, findet auf dem Burscheider Marktplatz das nächste Event des Vereins Burscheid Live statt. Bei der „Kultur-Altstadt“ gibt es jeweils von 14 bis 19 Uhr ein Bühnenprogramm mit Musik und Tanz. Unter anderem treten Sängerin Stefanie Black, bekannt aus „Deutschland sucht den Superstar“, und Burscheider Tanzgruppen auf. Natürlich gibt es auch hier ein Hygienekonzept. Anmeldung und Infos:

info@burscheid-live.de

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