Jazzmusik

Klarinette und Trompete umgarnen sich am Kulturbadehaus

Engelbert Wrobel (3.v.l.) setzte mit seinen musikalischen Mitstreitern den Glanz- und Schlusspunkt des Open Air am Kulturbadehaus. Foto: Doro Siewert
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Engelbert Wrobel (3.v.l.) setzte mit seinen musikalischen Mitstreitern den Glanz- und Schlusspunkt des Open Air am Kulturbadehaus.

Erfolgreiches Heimspiel am Kulturbadehaus: Engelbert Wrobel & Friends spielten Jazz vom Feinsten

Von Peter Klohs

Burscheid. Für Jazzmusiker Engelbert Wrobel ist es ein Heimspiel. Er lebt in Burscheid, spielt regelmäßig in der Stadt und kommt auch immer gerne in das Kulturbadehaus. So geschehen am Sonntagabend. 120 Musikliebhaber wollten sich den Klarinettisten und Saxofonisten nicht entgehen lassen. Wrobel hatte drei seiner musikalischen Freunde eingeladen, mit ihm zusammen den traditionellen Jazz aufleben zu lassen.

Thimo Niesterok ist ein 1996 geborener Trompeter und Kornettist, der bereits mit Joscho Stephan spielte und so seine Vielseitigkeit bewies. Tijn Trommelen, Gitarrist und Sänger aus den Niederlanden, überzeugte auch durch seine sonore Baritonstimme. Und Bassist Michael Schöneich ist mit allen musikalischen Wassern gewaschen.

Ein homogenes Quartett betrat um 17 Uhr die Bühne – zum pünktlich einsetzenden Regen. Schirme wurden verteilt und aufgespannt, die Musiker begannen trotz der Wetterkapriolen mit einem schwungvollen „At the Jazzband Ball“. Die Frage, ob ein schlagzeugloses Quartett swingen kann, erledigte sich innerhalb von zehn Sekunden.

Wrobel und seine Mitmusiker brauchen dazu nicht viel: hier ein swingendes Motiv des Gitarristen, dort ein genialer Walking-Basslauf – und viel Gefühl für diese Spielart des Jazz. Tijn Trommelen überraschte mit einem Solo, das ausschließlich aus Akkorden bestand, und Niesterok bezog in sein Solo einen Dämpfer ein, der zu einem schönen Wah-Wah-Effekt beitrug. Wrobels Klarinette und Niestroks Trompete umgarnten sich auf sehr hohem Niveau.

Der „Gut Bucket Blues“, obwohl in einem sehr moderaten Tempo vorgetragen, swingte ebenso wie der Opener. Wrobel war zum Tenorsaxofon übergegangen und spielte auch dies, zumal in seinen erzählerisch reifen Soli, erstklassig. Und als hätte der Wettergott der Musik zugehört und sein Einverständnis erklärt, hörte es auf zu regnen. Und so blieb es bis zum Ende des Konzertes nach zwei Stunden.

Bei den Balladen war das Quartett absolut auf der Höhe

Trommelen begann „The best things in life are free“ als Ballade zu singen, nach zwei überraschenden Tempoverschärfungen entpuppte sich das von Ray Henderson komponierte Lied als echter Rhythmusreißer. Ein kurzer Blick ins Publikum bestätigte das: Im Takt wippende Füße allenthalben.

Die Stärke von Musikern beweist sich oft darin, wie sie Balladen gestalten. Im Fall von „I’m confessin’ that I love you“ war das Quartett absolut auf der Höhe: In einem nicht zu trägen Tempo erklang die Baritonstimme Trommelens, erzählerische Soli folgten, bei denen insbesondere das von Michael Schöneich auffiel, die Band hatte hörbar Zeit – und Lust. Zum reichhaltigen Applaus gesellten sich nun erste anerkennende Pfiffe.

„Sie kennen doch Earl Hines“, war Engelbert Wrobel überzeugt und meinte den 1903 geborenen amerikanischen Jazzpianisten. „Das ist der Bruder von Karl-Heinz.“ Und spielte mit seinen Mitmusikern eine begeisternde Version von Hines’ Komposition „Rosetta“ – inklusive eines hochsensiblen und dynamischen Duos von Trompete und Tenorsaxofon, dessen Klasse erst recht hörbar wurde, als Gitarre und Bass eine kurze Pause einlegten und die beiden Bläser sich selbst überließen.

Wrobel zeigte sich als souveräner Bandleader, gab Niesterok Raum

Wrobel bewies seine Qualitäten als Bandleader dadurch, dass er bei „Rockin’ chair“ die Bühne verließ und sie Trompeter Thimo Niesterok überließ. Das so verbliebene Trio gestaltete die schöne Komposition von Hoagie Carmichael exquisit: Niesteroks Ansatz war hinreißend, die begleitende Gitarrenarbeit herzerwärmend, der Bass legte den Teppich darunter. Selten hat man traditionelle Jazzmusiker gehört, die in gleicher Weise die Balladen und die Uptempo-Nummern gestalten können. Ein hochmusikalischer Sommerabend mit sehr geschmackvoller Musik, an der nichts übertrieben, alles jedoch überragend gespielt war, ging nach mehr als zwei Stunden zu Ende.

Hintergrund

Engelbert Wrobel wurde 1959 in Dormagen geboren und trat im Alter von zehn Jahren zum ersten Mal öffentlich auf: als Büttenredner im Karneval. Später spielte er mit Rod Mason und dessen Hot Five, mit Charly Antolini und Greetje Kauffeld. Thimo Niesterok studierte bei Andy Haberer (WDR Big Band), lebt in Köln und spielte mit Emil Mangelsdorff. Tijn Trommelen ist deutlich von John Pizzarelli beeinflusst. Michael Schöneich, Urgestein der traditionellen Jazzszene, hat mit den führenden Musikern der Szene gespielt.

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