Projekt Rampe

Ist die Aussichtsplattform an der Balkantrasse eine Fehlinvestition?

Die Rampe ist auf der linken Seite schon im Bau. Hier soll die Aussichtsplattform entstehen. Archivfoto: Stadt Burscheid
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Die Rampe ist auf der linken Seite schon im Bau. Hier soll die Aussichtsplattform entstehen.

Bund der Steuerzahler greift Planungen in Burscheid an.

Von Susanne Koch

Burscheid. Mit einer Aussichtsplattform will die Stadt Burscheid künftig Radfahrer der Balkantrasse auf die Innenstadt aufmerksam machen. „Durch die Rampe im Zusammenspiel mit der neuen Plattform soll die Burscheider Innenstadt auch optisch reizvoll inszeniert werden, damit Radfahrer, Wanderer, Reisende für eine Rast oder einen Aufenthalt in die Innenstadt gelockt werden und somit zur Belebung beitragen“, schreibt die Stadt Burscheid in einer Vorlage. Der Bau der Rampe, die von der Balkantrasse auf die Hauptstraße, beziehungsweise die Aussichtsplattform führt, wurde bereits im November begonnen.

Jetzt kritisiert der Bund der Steuerzahler dieses Projekt. „Für diese Vision greift Burscheid tief ins Portemonnaie der Steuerzahler“, sagt Andrea Defeld vom Bund der Steuerzahler. „Aussichtsplattform und Rampe kosten zusammen aktuell etwa 803 000 Euro. Im Jahre 2016 lagen die Schätzungen noch bei 534 000 Euro. Das Land beteiligt sich zu 70 Prozent an den förderfähigen Kosten.“

Wir meinen, dass die teure Touristenfalle nicht notwendig ist.

Andrea Defeld, Bund der Steuerzahler

Für die Summe wird eine 100 Quadratmeter große Aussichtsplattform an die Brücke der Hauptstraße angebaut, die die Radler normalerweise unterfahren. Das führt zu einer platzartigen Aufweitung der Hauptstraße und soll von der Balkantrasse aus Aufmerksamkeit erregen. „Wir meinen, dass die teure Radtouristenfalle nicht notwendig ist“, sagt Andrea Defeld vom Bund der Steuerzahler. „Wer aktuell von der Balkantrasse in die Burscheider City abzweigen möchte, kann entweder über die Montanusstraße oder über die Dammstraße fahren.“ Beide Varianten seien von der Balkantrasse ausgeschildert und führen mit einem zeitlichen Mehraufwand von wenigen Minuten durch Wohnstraßen in die Burscheider Altstadt.
So soll die Rampe einmal aussehen

„Und das sogar mit geringeren Steigungen als die geplante Rampe“, sagt Andrea Defeld. Auch für ein kühles Getränk oder eine warme Mahlzeit ist gesorgt. Direkt an der Trasse, nahe der Burscheider Innenstadt, liegt ein Biergarten. Aus Richtung Wermelskirchen kommend verlockt er die Radfahrer zur Rast, bevor sie Rampe und Aussichtsplattform überhaupt wahrnehmen können. Doch die alternativen Wege in die Innenstadt und das gastronomische Angebot am Wegesrand reichen der Stadt Burscheid nicht. Die Stadt schreibt: „Nur eine direkte Anbindung des Panorama-Radwegs an den Kern der Innenstadt kann zur nachhaltigen Attraktivitätssteigerung beitragen.“

Die Acht-Prozent-Steigung der Rampe war bereits im Vorfeld vom ADFC Wermelskirchen-Burscheid kritisiert worden. „Acht Prozent sind zu viel“, betont Sabine Krämer-Kox vom ADFC. „Das haben wir bereits auch in den Burscheider Gremien gesagt.“

Der Bund der Steuerzahler fragt auch, wie die Aussichtsplattform genutzt werden soll. Geplant war dort eine Außengastronomie als Anziehungspunkt für Radfahrer und Wanderer. „Doch für die meisten Gastronomen in Burscheid-City dürfte es schwierig werden, die Aussichtsplattform zu bewirtschaften, denn Cafés und Restaurants liegen zu weit weg“, betont Andrea Defeld. „Nach eigenen Angaben sucht die Stadt noch nach potenziellen Nutzern.“

An der Plattform fließe der Pkw-Verkehr vorbei

Kritik an der Aussichtsplattform kommt auch von Burscheider Bürgerinnen und Bürgern. „Sie wundern sich über die Plattform, die mit einem Blick über die Trasse weder eine besondere Aussicht noch hohe Verweildauer bietet“, sagt Andrea Defeld. „An der geplanten Plattform fließe darüber hinaus der Pkw-Verkehr auf der Hauptstraße vorbei.“ Touristen und Radfahrer suchten auf dem Radweg Ruhe und Erholung – und zwar ungestört von Verkehrslärm und Abgasen. „Die vorgesehenen Mittel könnten wesentlich sinnvoller für die Schaffung von weniger abgehobener Radinfrastruktur für den täglichen Gebrauch genutzt werden“, sagt Andrea Defeld.

Die Antwort der Stadt Burscheid auf die Kritik des Bundes der Steuerzahler steht noch aus, die Fragen konnten am Montag nicht beantwortet werden. Wir werden die Antworten in einem gesonderten Artikel veröffentlichen.

Bund der Steuerzahler

  • Ziele
  • – Der Bund der Steuerzahler kämpft gegen die Verschwendung von Steuergeldern.
    – Der Bund der Steuerzahler verteidigt die Rechte der Steuerzahler.
    – Der Bund der Steuerzahler fordert die Bestrafung von Steuergeldverschwendung.
    – Der Bund der Steuerzahler bietet Ratgeber mit zahlreichen Steuertipps.

Infos: Aktuelle Informationen rund um die Themen Steuern, Geldanlage und Sozialversicherung sind online erhältlich unter: www.steuerzahler.de

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