Bebauungspläne werden überarbeitet

Umgestaltung Haus der Kunst: Stadtrat klärt Formalien

Aus dem Haus der Kunst soll ein multifunktionales Ensemble werden. Dazu gab es Änderungen am Bebauungsplan. Archivfoto: Nadja Lehmann
+
Aus dem Haus der Kunst soll ein multifunktionales Ensemble werden. Dazu gab es Änderungen am Bebauungsplan. Archivfoto: Nadja Lehmann
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Politiker arbeiteten Hinweise von Netcologne, der Naturschutzbehörde und Kampfmittelbeseitigungsdienst ab.

Burscheid. Zunächst blickte Bürgermeister Stefan Caplan etwas irritiert in die Runde, die am Donnerstag in der Aula der Johannes-Löh-Gesamtschule Platz genommen hatte. Ob denn auch wirklich alle da seien, fragte Caplan kritisch nach: „Die Sitzreihen wirken lückenhaft.“ Mit einem raschen Blick in seine Unterlagen, in denen die entschuldigten Ratsmitglieder aufgelistet waren, war dann aber auch für den Bürgermeister die Welt wieder in Ordnung: Spätsommerbedingt hatte sich der ein oder die andere noch auf die Reise gemacht. Danach begab sich der Stadtrat unverzüglich an die Arbeit.

Da ging es zunächst um den Bebauungsplan für das künftige Haus der Kulturen. „Das ist nur ein Arbeitstitel“, betonte Caplan nochmals. Das heutige Haus der Kunst soll bekanntermaßen zu einem moderneren, multifunktionalen Ensemble umgestaltet werden, mit dem Burscheid in der Kulturszene – verbunden in einem gemeinsamen Kulturmanagement mit Wermelskirchen – punkten will. Bevor es so weit ist, müssen jedoch in der vereinfachten Änderung des Bebauungsplans formelle Hürden genommen werden. Berücksichtigt werden beispielsweise Anregungen vom Kreis, von Netcologne, vom Wasserversorgungsverband Wupper, vom Kampfmittelbeseitigungsdienst, von der Bodendenkmalpflege. Diese hatten nach der Offenlage des Bebauungsplans Bedenken, Hinweise und Anregungen formuliert. Manches davon nahmen der Stadtentwicklungsausschuss als Fachgremium und der Stadtrat als letzte Instanz nur zur Kenntnis; über anderes wiederum musste abgestimmt werden.

Wie über den Hinweis von Netzbetreiber Netcologne, der auf seine Leitungen beziehungsweise Anlagen in der südöstlichen Ecke des Planungsgebiets aufmerksam machte. Vor Baubeginn muss, so beschloss der Stadtrat einstimmig, Netcologne diesbezüglich kontaktiert werden.

Anmerkungen kamen auch von TWB und der Naturschutzbehörde

Die zweite Abstimmung galt der Anmerkung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Luftbilder aus den Jahren 1939 bis 1945 würden Hinweise auf einen konkreten Verdacht auf Kampfmittel liefern, heißt es in der Stellungnahme der Bezirksregierung, die empfahl, die Militäreinrichtung beziehungsweise die Laufgräben aus dem 2. Weltkrieg zu überprüfen. Diese Laufgräben befinden sich laut einem Übersichtsplan unter dem Haus der Kunst. Einstimmig beschloss der Stadtrat daraufhin, bei erheblichen mechanischen Belastungen, wie Rammarbeiten, Pfahlgründungen und Verbauarbeiten eine Sicherheitsdetektion vornehmen zu lassen (also beispielsweise Sondierbohrungen).

Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege erwartet zwar nicht, historische Schätze auf dem Baugelände zu finden, aber: „Untersuchungen zum Ist-Zustand wurden in dieser Fläche noch nicht durchgeführt. Von daher ist diesbezüglich nur eine Prognose möglich“, schränkt die Außenstelle Overath der LVR-Bodendenkmalpflege ein. Der Stadtrat gab einstimmig grünes Licht dafür, dass die Behörde, sollte etwas archäologisch Bedeutsames gefunden werden, sofort informiert wird. Weitere, allerdings nicht abstimmungsrelevante Hinweise kamen von den Technischen Werken Burscheid (TWB) und von der Unteren Naturschutzbehörde. Letztere verwies auf die Baumallee des benachbarten Luchtenberg-Richartz-Parks, mit dem dringenden Appell, diese zu erhalten. Die Untere Naturschutzbehörde kritisierte, dass die Entwurfsplanung zwei neue Zugangswege aus dem Park ins neue Haus der Kunst vorsähe, und warnte vor der Errichtung einer Stufenanlage. „Für beide Zugangswege muss ein Baum entfernt werden. Die Stufenanlage lässt weitere Eingriffe in den Wurzelbereich erwarten“, hält die Untere Naturschutzbehörde fest.

Die Bäume seien bereits als besonders wertvoll geführt und im Bebauungsplan als Bestandsbäume festgesetzt, so hält es die Stadt in der Beschlussvorlage fest. Ihrem Erhalt werde Rechnung getragen, der Architekt werde informiert. Zudem sei die Erneuerung des Luchtenberg-Richartz-Parks politisch noch nicht beschlossen und sei nicht Teil des Umbaus des Haus der Kunst, heißt es weiter von der Stadt: Die Bedenken bezüglich Zugangswege und Stufenanlage gebe man ebenfalls ans Architekturbüro weiter.

Auch die Technischen Werke Burscheid waren mit einem Einwand zur Stelle. Zwar habe man bei den Bauarbeiten an der Montanusstraße die Anschlussleitung des Haus der Kunst gefunden und an den neuen Kanal angebunden, aber: „Im Zuge der Prüfung unserer Unterlagen ist aufgefallen, dass uns keine umfassenden Planunterlagen über die Entwässerung des Haus der Kunst vorliegen. Insbesondere die Entwässerung der Hof- und Dachflächen ist unklar.“ Die TWB empfehlen deshalb, die gesamte Entwässerungsanlage im Rahmen des Umbaus von einem Fachunternehmer prüfen und gegebenenfalls von einem Fachbüro neu planen zu lassen. Die TWB könnten dabei gern, so heißt es weiter, beratend tätig sein, aufgrund ihrer personellen Situation aber keine Prüf- und Planungsleistungen übernehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gut Landscheid: Restaurant ist zu
Gut Landscheid: Restaurant ist zu
Gut Landscheid: Restaurant ist zu
Nostalgischer Jahrmarkt soll vor allem die Jüngeren erfreuen
Nostalgischer Jahrmarkt soll vor allem die Jüngeren erfreuen
Nostalgischer Jahrmarkt soll vor allem die Jüngeren erfreuen
„Liebevoll“ geht es seit zehn Jahren zu
„Liebevoll“ geht es seit zehn Jahren zu
„Liebevoll“ geht es seit zehn Jahren zu
Großhamberg: Rad- und Gehweg wird beleuchtet
Großhamberg: Rad- und Gehweg wird beleuchtet
Großhamberg: Rad- und Gehweg wird beleuchtet

Kommentare