Ideen gegen eine zweite Hochwasserkatastrophe

Großhamberger zeigen, was alles kaputt ist

Großhamberg ist schwer getroffen. Wer hätte je geglaubt, welche Kraft ein kleiner Bach entwickeln kann? Fotos: Nadja Lehmann
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Großhamberg ist schwer getroffen. Wer hätte je geglaubt, welche Kraft ein kleiner Bach entwickeln kann?
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Bei einem Ortstermin werden auch Ideen präsentiert, wie solche Flutschäden in Zukunft vermieden werden könnten.

Burscheid. Wenn Karin Heine auf ihrem Smartphone die Videos laufen lässt, ist alles ganz nah. Das Gurgeln des Wassers. Sein Rauschen, sein unablässiges Strömen. Durch den Garten, über den Garagenvorplatz, an der Bank vorbei, deren Beine nicht mehr zu sehen sind. Mittwoch in Großhamberg. Der Mittwoch – als aus friedlichen Bächlein Wassermassen wurden, die kein Halten kannten. „Um 3 Uhr nachts konnte ich nicht mehr“, sagt Ehemann Karl-Heinz. Vom Morgen an war er auf den Beinen gewesen. Ebenso wie die Feuerwehr. „Die war die ganze Zeit hier. Ein toller Einsatz“, lobt Nachbarin Inge Deutzmann.

Ortstermin in Großhamberg. Die Bewohner wollen zeigen, was kaputt gegangen ist. Und sie wollen zeigen, was in Zukunft helfen könnte, derlei zu verhindern. Mit dabei ist SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Becker. Er hatte mit den Jusos die Gefahrenlage in Großhamberg bereits vor Jahren in den Blick genommen und eine Idee entwickelt: Ein Damm könnte es richten. „Damals ist das in den Gremien versickert“, sagt Becker.

Heute sieht es an einigen Stellen in Großhamberg schon fast wieder normal aus. An anderen Stellen dagegen so, als hätte eine erbarmungslose Faust zugeschlagen. Wie am letzten Haus am Ortsausgang Richtung Leverkusen. Da, wo der Garagenvorplatz war, klafft ein Loch. Unter der Garage öffnet sich der Abgrund. Dort sind zerstörte Leitungen zu sehen. „Ich warte auf die Telekom“, sagt die Bewohnerin, und die biegt gerade ums Eck. Nur noch über die von der Feuerwehr aufgebaute Brücke ist der Zugang zum Haus möglich. Wasser hat alles unterspült.

Alte Mühle stellte beim Hochwasser in Großhamberg ein großes Problem dar

Weiter geht es, zur nächsten Schadensbegutachtung, vorbei an der alten Mühle. Sie hat einiges damit zu tun, dass Großhamberg mit solcher Wucht getroffen wurde. Denn für den Mühlenbetrieb wurde der Bornheimer Bach unters Straßenpflaster der K2 und in Rohre gezwängt. „Sie waren ursprünglich aber nur für den Mühlenbetrieb gedacht“, sagt Karl-Heinz Heine. Ein Problem, das die Feuerwehr in den dramatischen Unwetterstunden sofort erkannte: Direkt an der Verrohrung baute sie eine von drei Pumpstationen auf, versuchte, Entlastung zu schaffen. Bis es nicht mehr ging. „Vom Mönchhof hat uns Herr Stamm Sandsäcke gebracht“, erzählt Inge Deutzmann.

Sie wohnt seit 1965 in Großhamberg, die Heines seit mehr als 30 Jahren. Hochwasser kennen sie alle: „Aber so etwas haben wir noch nicht erlebt.“

Und deshalb gibt es zwei Lösungsansätze. Der kurzfristige liegt Großhamberg gegenüber. Fischteiche hat es hier mal gegeben, das Gebiet steht unter Naturschutz. Der hoch gelegene Weg führt empor in Richtung Rötzinghofen. Unter ihm, an den einstigen Fischteichen, tut sich eine riesige Mulde auf. Sie könnte zum Auffangbecken für den Bornheimer Bach werden, den ein auf Wegniveau gelegener Staudamm bändigen soll.

Dort könnte der Damm hin: Klaus Becker (SPD, rechts) und Karl-Heinz Heine an den alten Fischteichen.

„Der Bach hat hier alle Möglichkeiten“, findet Klaus Becker. Ohne dass die Natur verschandelt wird, da sind sich der SPD-Politiker und Karl-Heinz Heine einig. Durch Rohre im begrünten Damm könnte die Fließgeschwindigkeit des Bachs verringert werden. Heine deutet auf die gegenüberliegenden Häuser: „Sollte sich dadurch dort eine Gefahrenlage ergeben, könnte der Damm auch weiter den Weg hinauf rücken.“ Platz ist genug. Schließlich sollen alle Hamberger sicher sein, das ist Heine wichtig. „Das Genehmigungsverfahren muss noch dieses Jahr angepackt werden“, gibt Becker die Marschroute vor.

Zum Schluss zeigt Karl-Heinz Heine den friedlich an seinem Grundstück vorbeiziehenden Bornheimer Bach. „So wie jetzt hätten wir hier nicht stehen können. Das Wasser war hier oben“, sagt Heine und zieht die Hand aufs Stockmaß von 1,80 Metern. Die Ufer sind zerfetzt und aufgebrochen. Sie erzählen davon, wie der Bornheimer Bach in seinem Bett getobt hat. Und man versteht, warum Karin Heine sagt: „Ich bin mit den Nerven runter.“

Hintergrund

Großhamberg und Gut Landscheid: Das waren die Knackpunkte in den Tälern, die die Burscheider Feuerwehr schon früh benennen konnte und denen ihre besondere Aufmerksamkeit galt.

Die langfristige Lösung liegt unter der K 2, der Bornheimer Bach: „Ihn sollte man wieder öffnen, das hat auch einen ökologischen Aspekt“, sagt Karl-Heinz Heine. Die K 2 müsste ein Stück nach links rücken, um dem Bach Platz zu machen.

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