Kindergartenalltag während Corona

Erzieherinnen wünschen Kindern Unbeschwertheit

Freundschaft, Nähe, Unbeschwertheit: Das sind die Wünsche, die Burscheider Erzieherinnen für „ihre“ Kita-Kinder haben. Archivfoto: Friso Gentsch/dpa
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Freundschaft, Nähe, Unbeschwertheit: Das sind die Wünsche, die Burscheider Erzieherinnen für „ihre“ Kita-Kinder haben. Archivfoto: Friso Gentsch/dpa

Pandemie im dritten Jahr: Manches Kita-Kind kennt es gar nicht anders.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Was wünscht eine Erzieherin den Kindern, die sie tagtäglich betreut, für das noch junge 2022? In diesen außergewöhnlichen Zeiten, die so stark von einem Virus dominiert werden? „Dass wir kein Corona mehr haben“, sagt Ulrike Kreffter ganz trocken, und Kollegin Jana Matthes ergänzt lächelnd: „Dass sie gesund bleiben und ein schönes Elternhaus haben.“ Dann wird Kreffter, Leiterin des Evangelischen Familienzentrum Kleine Strolche, ernst: „Unbeschwertheit wünsche ich den Kindern. Sie sollen fröhlich sein und unbekümmert, sollen sich keine Gedanken machen müssen. Dafür haben sie die Erwachsenen.“

Der Begriff „Unbeschwertheit“ fällt auch bei Nicole Mönch, Leiterin des Elterninitivkindergarten Rasselbande, und bei Inge Wirths, die das Johanniter-Familienzentrum Schützeneich leitet. „In meinem Brief an die Eltern habe ich uns allen für 2022 ein Stück Normalität gewünscht, ein normales Jahr“, erzählt Inge Wirths.

Aber was heißt im dritten Jahr der Pandemie schon „normal“? „Die Kinder, die seit 2020 bei uns sind, kennen den Kindergartenalltag ja gar nicht anders, sondern so, wie er jetzt ist“, schildert Wirths. Und dabei sei es doch alles ganz anders gewesen, früher, ohne Corona: „Wir waren immer sehr aktiv“, sagt Wirths. „Wir sind oft weggefahren, waren sehr viel unterwegs.“ Dank eines „sehr guten“ Fördervereins, wie sie hervorhebt, sei viel möglich gewesen, wie Besuche des Freilichtmuseums Lindlar.

Die große Sehnsucht nach neuer, alter Normalität

Diese neue, alte Normalität möchte Wirths gerne wieder mit den Kindern erleben. „Und ohne Bedenken planen können“, sagt sie ein wenig sehnsüchtig: „Zur Zeit haben wir ganz automatisch immer noch Plan B im Hinterkopf.“ Denn den 78 Kindern will sie trotz allem etwas bieten, und so einiges geht dank des großen Außengeländes nahe dem Evangelischen Altenzentrum auch: „Wie beim Sankt-Martinsumzug. Da standen die Eltern im Park des Altenzentrums und konnten sich gut verteilen.“

Flexibilität ist gefordert – mit der die Kinder meist sehr gut zurechtkommen. „Kinder gehen mit Krisen pragmatischer um, während wir Erwachsenen uns viel mehr damit martern, was alles sein und eintreffen könnte“, sagt Ulrike Kreffter. Trotz Corona seien die Kinder nicht „arm dran“ – auch wenn Trauriges geschehe. „Wir haben im vergangenen Jahr unsere Küchenkraft durch Corona verloren“, erzählt Kreffter. Ein großer Einschnitt. „Uns war es wichtig, einen gemeinsamen Weg zu finden, damit umzugehen. Wir haben darüber gesprochen, auch gebetet. Die Kinder haben es gut angenommen“, sagt Kreffter, die für Offenheit auch in traurigen und schweren Dingen plädiert. „Nichts ist schlimmer, als wenn Kinder nicht wissen, was los ist.“

Das sieht Nicole Mönch ähnlich. „Die Kinder spüren, wenn ihr Umfeld etwas belastet.“ Auch in der Rasselbande an der Pastor-Löh-Straße hat sich so manches verändert. „Normalerweise verabschieden wir unsere Maxi-Kinder mit einer großen Feier, auf der sie durch die große Rutsche in die Arme ihrer Eltern und ins Leben hinaus segeln“, erzählt Mönch. Corona machte das unmöglich. „Große Erfahrungsbereiche fehlen“, so fasst es Mönch zusammen. Selbst „Kita-Köter“ Kalle fehle der unmittelbare Kontakt: „Er hat es immer so geliebt, mit seinem Stofftier im Maul morgens alle ankommenden Eltern zu begrüßen.“

Das Gemeinschaftsgefühl zurückzugewinnen, das Unbefangene – das wünschen sich die Kita-Leiterinnen aber nicht nur für die Kinder, sondern auch für ihre Teams. „Natürlich nimmt man ein weinendes Kind in den Arm und tröstet es“, sagt Mönch. Aber für den Bruchteil einer Sekunde blitze schon mal der Gedanke auf: Abstand? Virus? „Es wäre schön, nicht mehr so belastet zu sein“, bekennt Nicole Mönch. Die Kita-Jahre zu besonderen für die Kinder zu machen, das wollen sie alle. Corona hin oder her. „Die Gesundheit liegt nicht in unseren Händen“, sagt Inge Wirths. Aber dass die Schützeneich-Kinder von 2020 doch noch merkten, „was wir sonst alles so machen“, ist ihre Herzensangelegenheit. „Ich bin optimistisch, dass im Sommer wieder mehr möglich ist.“

„Ausflüge haben wir immer gemacht und werden wir auch 2022 wieder machen“, bleibt Kreffter kämpferisch. Sie schöpft Kraft aus ihrem Team: „Ich hoffe, dass es da keine großen Veränderungen gibt und wir uns weiterhin gegenseitig ergänzen können.“

Zu wenig Erzieher

Personal: Bald werden rund 230 000 Erzieher fehlen bundesweit, warnt der Städtetag. „Der Personalschlüssel hat sich nicht verändert, und es werden mehr Einrichtungen gebaut“, sagt Ulrike Kreffter (Kleine Strolche). Sie lobt die neue duale Ausbildung, die Kindergarten und Schule kombiniere und ein erstes Gehalt einschließe: „Früher gab es das erste Geld im 1. Anerkennungsjahr nach jahrelangem Schulbesuch.“ Der Beruf sei noch nicht in der Gesellschaft angekommen: „Und das liegt auch an den Erziehern selbst.“ Der Beruf habe sich verändert, die Zahl der „Nebenkriegsschauplätze“ sei größer geworden – wie die geforderte Dokumentation. Kreffter warnt vor Schnellschüssen wie einst mit den Schlecker-Frauen: „Der Beruf beinhaltet mehr als mit Kindern zu spielen. Das kann nicht jeder und jede.“

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