Coronavirus

Eine vierte Welle wäre für Gastronomen eine Katastrophe

Agirios „Aki“ Papazoglou. Archivfoto: Doro Siewert
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Agirios „Aki“ Papazoglou. Archivfoto: Doro Siewert
  • VonNadja Lehmann
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Eine harte Zeit liege hinter ihm, sagt Wirt Agirios Papazoglou – Heute möchte er im Korfu auch die Innenräume öffnen

Burscheid. Wenn alles gut geht, wird Agirios Papazoglou am heutigen Mittwoch in seinem Restaurant an der Höhestraße stehen und die Gäste ins Korfu bitten. Richtig gelesen: „ins“ Korfu. In den Innenraum, der so lange verwaist war. Dann werden wieder Gespräche zu hören sein, werden Menschen aufeinandertreffen, werden sich über ihr Wiedersehen und ein leckeres griechisches Essen freuen. Mit Test – nur für drinnen – und nach wie vor mit Abstand, Maske und Hygieneregeln. „Wir kehren zu einer gewissen Normalität zurück“, sagt Agirios Papazoglou.

Die Burscheider kommen gern zu ihm. Auch die Kommunalpolitiker. Bürgermeister Stefan Caplan wartete bei ihm nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr die Auszählung ab und feierte dort anschließend mit der CDU. Wirt Papazoglou, von den Burscheidern liebevoll „Aki“ genannt, gehört mit in diese Reihen: Er sitzt für die CDU im Stadtrat.

40 Gäste können vor dem Korfu Platz nehmen

Bereits in der vergangenen Woche konnte er seine geräumige Außenterrasse öffnen. Tische und Stühle wurden auf den dortigen 130 Quadratmetern auseinandergerückt, um mindestens 1,50 Meter Abstand gewährleisten zu können. „40 Gäste haben draußen Platz“, sagt Agirios Papazoglou. Und die Stimmung? „Sehr gut. Die Menschen freuen sich. Und wir uns auch.“

Wir sind gespannt. Und ein bisschen aufgeregt.

Agirios Papazoglou vom Korfu

Wenn nun auch die Innenräume noch dazukommen, ist es fast wie vor der Pandemie. Aber eben nur fast. Denn der Gastronom geht die Öffnung mit Umsicht und Vorsicht an. Legt Wert auf die Einhaltung der Regeln. „Nichts wäre schlimmer als eine vierte Welle. Das wäre die größte Katastrophe“, sagt der 65-Jährige eindringlich. „Wir dürfen nicht leichtsinnig werden.“

So ist ganz selbstverständlich, dass gleich im Eingangsbereich Desinfektionsspender stehen. Dass Tische und die Speisekarte regelmäßig desinfiziert werden. Wobei in Letztere gar nicht mehr unbedingt alle Gäste ihre Nase stecken müssen: „Viele sind Stammkunden“, sagt der Wirt. Auch durch den viel genutzten Abholservice wissen viele schon, was sie wollen. „Und Tagesaktuelles steht auf der Tafel.“ Das alles habe in den ersten Tagen seit der Öffnung gut geklappt. Und nun wird diese Öffnung noch weiter ausgeweitet – dem stabilen Inzidenzwert im Rheinisch-Bergischen sei Dank. „Wir sind gespannt. Und ein bisschen aufgeregt“, verrät Papazoglou.

Gastronomen haben finanzielle Einbuße zu beklagen

Ein Neubeginn, der bitternötig ist. Daraus macht der gebürtige Grieche kein Hehl. „Es war eine lange harte Zeit“, sagt er über die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns, die auch das Korfu getroffen haben. „Obwohl wir ein Familienbetrieb sind. Finanziell hat das bei uns Spuren hinterlassen.“ Denn der Bund habe nur die Betriebskosten erstattet, nicht aber private Ausgaben und keine Kranken- und keine Rentenversicherung. Das sei nicht so viel gewesen, eher ein Tropfen auf den heißen Stein. „Das zehrt an allen Rücklagen. Und an der Psyche“, bekennt der 65-Jährige. Darüber hat er sich auch mit Kollegen ausgetauscht. Auf Kreisebene oder bei Begegnungen beim Großeinkauf. „Die Gastronomen in den Großstädten hat es übel getroffen. Nicht alle werden zurückkehren“, prophezeit Papazoglou.

Das Restaurant Korfu an der Höhestraße ist beliebte Anlaufstelle vieler Burscheider. Jetzt folgt Stufe 2 der Öffnung.

Er hat sein Personal gehalten, hat niemanden entlassen. Bis auf die Minijobber. „Wir müssen neue suchen“, sagt Papazoglou. Und erlebt das, was schon landauf, landab berichtet wird: Die Mitarbeiter aus Gastronomie und Hotellerie haben sich in neue Jobs geflüchtet. Sind weg. „Das wird schwer“, ahnt Agirios Papazoglou. „Wir brauchen dringend neue Leute.“ Ein Engpass, der zur Folge hatte, dass er am vergangenen Wochenende allein in seinem Restaurant gestanden habe.

Mit ein bisschen Sehnsucht – und Erstaunen – blickt er bereits seit geraumer Weile ins einst so chaotische Griechenland – und ins einst so effiziente Deutschland. Letzteres erkennt der Kommunalpolitiker manchmal nicht wieder. Seine Mutter habe im Februar ein Impfangebot in Griechenland erhalten, erzählt er. Selbiges hätte er zu diesem Zeitpunkt in Deutschland nicht für sie vereinbaren können.

In Griechenland gibt es den digitalen Impfausweis schon

„In Griechenland wird jetzt jeder ab dem 18. Lebensjahr geimpft. Jeder Erwachsene bekommt einen Termin“, berichtet Papazoglou. Und auch beim digitalen Impfausweis sei Griechenland schon weiter: Er wird bereits ausgestellt. „Ich hoffe, das passiert auch bei uns bald. Das würde vieles erleichtern.“

Er hoffe, dass sich die Menschen zügig impften. Bloß keine vierte Welle. „Ich bin 65 Jahre alt. Ich arbeite gern und bin immer noch supermotiviert. Aber ob wir das überstehen würden, weiß ich nicht.“

Regeln

Pflicht: Die Maskenpflicht gilt nach wie vor. Das Personal trage die ganze Zeit eine Maske, sagt Agirios Papazoglou. Die Gäste benötigen ihre Maske beim Betreten des Restaurants, beim Gang in die Waschräume, beim Verlassen des Tischs und des Restaurants.

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