Konzert im Haus der Kunst

Ein magischer Moment zum Schluss des Konzerts

Das Konzert der Musicalischen Academie Burscheid im Haus der Kunst unter der Leitung von Nicolai Dembowski, am Klavier: Boris Radulovic. Foto: Doro Siewert
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Das Konzert der Musicalischen Academie Burscheid im Haus der Kunst unter der Leitung von Nicolai Dembowski, am Klavier: Boris Radulovic.

Musicalische Academie Burscheid spielte Fauré und Beethoven.

Von Peter Klohs

Burscheid. Sonntagnachmittag im Burscheider Haus der Künste. Es sind noch 15 Minuten bis 17 Uhr, die ersten Musiker der Musicalischen Academie richten sich auf der Bühne ein und stimmen ihre Instrumente, es klingt, als probten sie eine Komposition von John Cage.

Links vorne beherrscht eine große Konzertharfe die Bühne, übermannshoch. Der generalüberholte Flügel steht zentral, direkt vor dem Platz des Dirigenten. Auf der rechten Bühnenseite warten zwei liegende Kontrabässe auf kundige Hände.

Mehr als 130 Musikliebhaber sind gekommen, um eines der in diesen Zeiten selten gewordenen Konzerte der Academie zu hören. Die 2G-plus-Regel wurde am Eingang sehr genau kontrolliert; das Publikum achtet von sich aus auf Abstand zu den Sitznachbarn. Dirigent Nicolai Dembowski wird mit starkem Beifall begrüßt. Der junge Musiker ist mit hohen Erwartungen in Burscheid willkommen geheißen worden. Er wird diesen gerecht. Und ist an einem magischen Moment zum Ende dieses Konzertes beteiligt.

Virtuose Intermezzi des Pianisten begeistern das Publikum

Aber zunächst steht Gabriel Fauré auf dem Programm, die Prélude aus dessen Bühnenmusik zu „Pelléas und Mélisande“, ein Quasi-Adagio, bei dem die Spielenden der kleineren Streichinstrumente, Violinen und Violen, stehend musizieren, eine elegische Weise, leicht verschattet, ein expressives Werk, das in keiner Sekunde aufgesetzt wirkt. Dembowski dirigiert ohne Hilfsmittel, seine Hände genügen ihm und dem Orchester.

Für den anstehenden Beethoven wird die Konzertharfe nicht benötigt und daher von starken Armen von der Bühne getragen. Boris Radulovic betritt dieselbe an der Seite des Dirigenten, um das 4. Klavierkonzert Beethovens (G-Dur, op. 58) zu spielen.

Das 35-minütige Werk beginnt mir zarten Klängen des Solisten, die das Orchester aufnimmt. Das Kopfthema wird vorgestellt, die Töne entwickeln sich. Immer wieder wird der Fluss der Musik von virtuosen Intermezzi des Pianisten unterbrochen. Die mehr als vier Minuten andauernde Kadenz ist, wie der Pianist im Gespräch nach dem Konzert verrät, die erste von zwei Möglichkeiten, die der Komponist dem Solisten eingeräumt hat. Sie ist weniger virtuos gehalten und eher lyrisch geprägt, eine Herausforderung, die Radulovic überzeugend angeht.

Die Streicher beginnen den 2. Satz (Andate con moto), dem Solisten obliegt es, das Thema vorzustellen. Die Gegensätze zwischen melancholischen Pianoklängen und den teils harschen Einwürfen des Orchesters führt diesen Satz ins Mystische, ins Geheimnisvolle, ins Unheimliche. Der dritte Satz ist leicht und beschwingt. Durch die großartige Solistenarbeit wird das Orchester angesteckt und musiziert mit viel Enthusiasmus. Nicolai Dembowski lässt sich nicht ablenken und dirigiert nach wie vor wohltuend unaufgeregt die große Musik. Dankbarer und langanhaltender Beifall belohnt den Solisten sowie das Orchester und dessen Leiter.

Beifall war sicher bis nach Odenthal zu hören

Zur ersten Zugabe beweist Nicolai Dembowski, was für ein guter Instrumentalist er ist, denn er nimmt neben Boris Radulovic am Piano Platz, um mit diesem vierhändig zwei Sätze aus Maurice Ravels Suite „Ma mère loye“ (Mutter Gans) zu spielen. Kurz: umwerfend. Das empfindet auch das Publikum so, das durch vehementen Beifall darauf aufmerksam macht, dass es noch nicht genug hat. Also noch einmal Klavier vierhändig. Diesmal ein Bach-Choral, gewidmet einem jüngst verstorbenen Mitglied der Academie. Ein ruhiges, undramatisches Stück, angemessen dunkel.

Und dann der magische Moment: Die Pianisten beenden das Stück, erheben die Finger von den Tasten und bleiben, starr fast, am Instrument sitzen. Und die Gäste im großen Saal sind empathisch genug, die Geste zu verstehen: Man gedenkt einem Verstorbenen. Mehr als 130 Menschen sitzen und schweigen, lange Sekunden, in denen eine fallende Nadel wie ein Gewitter gewirkt hätte, kein Atmen ist zu hören, es ist still wie in einem Grab. Und nach 40 Sekunden stehen die beiden Musiker auf, und den daraufhin folgenden Beifall hat man sicher bis Odenthal gehört.

Hintergrund

Die Musicalische Academie von 1812 zu Burscheid ist das älteste Laienorchester Deutschlands. Die Academie wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft in NRW, dem Landesmusikrat, der Paul-Luchtenberg-Stiftung sowie der Buscheid-Stiftung der Kreissparkasse Köln gefördert.

Die Generalüberholung des 1941 gebauten Steinway-Flügels hat insgesamt rund 34 000 Euro gekostet, ein Betrag, an dem sich neben diversen Burscheider Firmen und Privatspenden auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) beteiligt hat.

Die „Musicalische Academie von 1812 zu Burscheid“ zählt etwa 40 Mitglieder aller Altersklassen und Berufe.

Das nächste Konzert der Musicalischen Academie ist für den 12. Juni geplant.

musicalische-academie.de

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