Gemeinsamer Vorschlag

Dirk Runge soll Bürgermeister werden

Dirk Runge, gebürtiger Solinger, Familienvater, seit 1992 bei der Stadtverwaltung Burscheid: Er tritt als parteiunabhängiger Bürgermeisterkandidat an. Foto: Nadja Lehmann
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Dirk Runge, gebürtiger Solinger, Familienvater, seit 1992 bei der Stadtverwaltung Burscheid: Er tritt als parteiunabhängiger Bürgermeisterkandidat an.
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Burscheids Parteien und Wählervereinigungen schlagen den 52-Jährigen gemeinsam für die Bürgermeisterwahl am 20. März vor.

Burscheid. Ein Wahlkampf herkömmlicher Couleur? In dem die Säbel gewetzt, der Gegner attackiert, das eigene Können herausgestrichen werden? Das war den sechs Parteien und Wählervereinigungen, die zum Wohle Burscheids im Stadtrat sitzen, unvorstellbar.

Zu tief saß und sitzt der Schock nach dem plötzlichen Tod von Bürgermeister Stefan Caplan. „Eine Zäsur“, sagt Michael Baggeler, Fraktionsvorsitzender des Bündnis für Burscheid (BfB). „Für die Stadt, ihre Menschen, für die Kommunalpolitiker.“

Und deswegen entscheiden sich Burscheids Parteien zu einem überaus bemerkenswerten Schritt: Sie verzichten auf die Aufstellung verschiedener Bürgermeisterkandidaten und damit auf Parteien-Profilierung und Wahlkampf-Polarisierung. Stattdessen nominieren sie parteienübergreifend einen einzigen, parteipolitisch unabhängigen Bürgermeisterkandidaten: Dirk Runge.

Ein Zeichen der Kontinuität. Denn Runge war in seiner Funktion als Leiter des Fachbereichs II ohnehin Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und ist nach Caplans Tod aktuell Chef der Stadtverwaltung.

„Uns ist es wichtig, die Ziele, die Stefan Caplan für die Stadt hatte, fortzusetzen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Hartmut Schepanski. Ein Kandidat, eine Kandidatin, der oder die sich das erst hätte erarbeiten müssen, „kam nicht infrage“. Das bestätigt Michael Baggeler: „Dirk Runge ist seit 1992 in der Burscheider Stadtverwaltung. Er ist in alle Prozesse eingebunden; er kennt die Leute.“ Er spricht von einem besonderen Moment, den diese Nominierung markiere: „Ich bin seit 37 Jahren in der Kommunalpolitik, aber etwas wie diesen gemeinsamen personellen Vorschlag habe ich auch noch nicht erlebt.“

Er habe es als nicht geboten empfunden, nach Stefan Caplans Tod an den Wahlkampf 2020 anzuknüpfen. Damals hatte das BfB die parteilose Ulrike Hanke als Bürgermeisterkandidatin nominiert. „Wir haben natürlich darüber gesprochen, ob wir erneut Ulrike Hanke aufstellen. Aber dafür ist jetzt nicht die richtige Zeit.“

SPD: Laufende Prozesse mit Insider fortsetzen

Das sieht SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Becker ähnlich. Die SPD war 2020 mit Ralph Liebig ins Rennen gegangen. Auch die Sozialdemokraten verzichten auf eine Neuauflage. „Die laufenden Prozesse wie das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) können am besten von einem Insider fortgesetzt werden“, findet Becker. Das Leitmotiv, das er dabei für Burscheid vorgibt, lautet „Qualität und Kontinuität“. „Dirk Runge ist kein Übergangskandidat. Wir wollen vertrauensvoll und zielorientiert mit ihm zusammenarbeiten.“

Das unterstreichen auch FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Wirths und der stellvertretende UWG-Fraktionschef, Peter Oberhäuser.

Von großen Fußstapfen, die Stefan Caplan hinterlässt, spricht Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Wurmbach, und dieses Bild greift Dirk Runge auf. „Ja, die Fußstapfen sind groß. Aber mein Team und ich können sie füllen“, sagt der 52-Jährige und bekennt, „tief gerührt und ein wenig stolz“ zu sein. Als Ziele, auf die er sich stützen will, nennt er die Umsetzung des IEHK sowie eine solide Finanzpolitik. „Sie war Stefan Caplan immer wichtig.“ Auch Klimawandel und Digitalisierung nennt Runge.

Er habe die Entscheidung, als Bürgermeisterkandidat anzutreten, sehr rasch treffen müssen. „Vor vier Wochen sah die Lebensplanung noch anders aus.“ Aber die Familie habe grünes Licht gegeben: „Und Burscheid liegt mir am Herzen.“ Er werde und wolle Caplan nicht kopieren: „Ich werde meinen eigenen Stil pflegen“, sagt der gebürtige Solinger – und nennt dann doch ein Beispiel, wo Stefan Caplan ihm Vorbild bleibt: „Ich habe 20 Jahre mit ihm zusammengearbeitet. Er war überall extrem gut vorbereitet, kannte die Dinge im Detail.“

„Wir waren geschockt“, sagt Sabine Wurmbach über Caplans Tod. „Wir mussten aber handeln, waren uns der Verantwortung bewusst. Uns war klar: Wir müssen zusammenstehen.“ Da nickt auch Klaus Becker, der ebenso wie Wurmbach nicht verhehlt, dass es mit dem „durchsetzungsstarken“ Caplan manches (intellektuell auch lustvolle) Gefecht gegeben habe: „Das ist ein super Team, das hier sitzt“, sagt Becker und guckt in die Runde seiner Ratskollegen. „Es ist eine Mannschaft, auf die Stefan Caplan sich immer verlassen konnte. Eine Mannschaft, die aber auch kritisch nachgefragt hat. Das bleibt auch so.“

Kommentar

Von Nadja Lehmann

nadja.lehmann@ rga.de

Burscheid, das so gerne einmütig und einstimmig seine Entscheidungen in Rat und Ausschuss trifft, hat wieder zu gemeinsamem Handeln gefunden und einen ungewöhnlichen, überaus souveränen Schritt getan: Statt auf Wahlkampf, Profilneurose und Parteiengezänk, setzen seine Kommunalpolitiker auf die Kraft gemeinsamen Tuns und nominieren einen gemeinsamen Kandidaten. Dirk Runge ist seit 1992 bei der Burscheider Stadtverwaltung, ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Der gebürtige Solinger, der in der Klingenstadt aufwuchs, kennt Burscheid. Und er kennt das Rathaus. Erkennbar wird in der Nominierung aber auch die tiefe Erschütterung, die Stefan Caplans so überraschender und unerwarteter Tod ausgelöst hat. Burscheids Kommunalpolitiker haben zusammen mit Dirk Runge darauf eine starke und kluge Antwort gegeben. Man darf vermuten, sie hätte Caplan gefallen.

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