Turnerbund Groß Oesinghausen 1884

Die Turnhalle ist das Herzstück des Vereins

Blick in die moderne und frisch sanierte Damentoilette. Treppenhaus und Fensterfront in der Halle stehen noch auf der To-do-Liste.
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Unten in der Halle tobt die „Schnullerbande“, vom obersten Stock der Turnhalle am Weidenweg können TBÖ-Geschäftsführer Rainer Pentzek und Sportwartin Elfi Störmann zusehen.

1884 gegründet: Turnerbund kann auf seine Mitglieder zählen – Kaum Austritte in der Pandemie.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Breit und behäbig liegt die Turnhalle unterhalb des Weidenwegs. Sie scheint sich ihres Wertes bewusst: Ganz selbstverständlich ist sie der Mittelpunkt des „Dorfs“, die Anlaufstelle der Ösinghausener – und das Herzstück des Turnerbunds Groß Oesinghausen 1884 (TBÖ).

„Mein Schwiegervater Willi Störmann hat die Halle mit gebaut“, sagt Elfi Störmann. Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger war das, und die Sportwartin, Jahrgang 1946, gehört seit sechs Jahrzehnten ebenfalls dazu – und ist ein wandelndes Lexikon in Sachen TBÖ und Ösinghausener/Burscheider Geschichte. Doch die TBÖ-Geschichte fängt eigentlich noch viel früher an. Noch ganz ohne Halle. „In der Kneipe im Dorf“, sagt Störmann und deutet aus dem Vereinssaal hinaus. Im August 1884 fand dort eine erste Besprechung statt, „behufs Gründung eines Turnvereins zu Gr.-Oesinghausen“, wie es der Bergische Volksbote damals schrieb. Geturnt wurde zunächst nahe der Gaststätte. Elfi Störmann kann sich noch gut an die grüne Baracke erinnern, in der nach dem Krieg die Flüchtlinge untergebracht waren. „Dann haben wir die Halle gebaut.“ „Alles in Eigenregie“, ergänzt Geschäftsführer Rainer Pentzek.

Oben vom Saal, in dessen Vitrinen Pokale und Medaillen von sportlichen Erfolgen künden und Vereinsmitglieder (in pandemiefreien Zeiten) gemütlich beieinander sitzen können, hat man einen guten Blick auf die Halle: Rund 15 Meter breit und 30 Meter tief. Gerade sind die Mütter mit ihren Jüngsten als „Schnullerbande“ aktiv. Ein Papa ist auch dabei. Kursleiterin Karin Grünewald hat einen Parcours aufgebaut. Es wird viel gelacht, Dabeisein ist alles.

Das gilt auch für die Halle selbst. Denn natürlich ist sie in die Jahre gekommen. Dem sieht der TBÖ aber keineswegs tatenlos zu. Im Gegenteil. 2018 gab es einen neuen Hallenboden; es folgte der Umbau von Herren- und Damenumkleide. Das Förderprogramm „Moderne Sportstätten“ verhalf zu modernen WCs bei den Herren (2020) und bei den Damen (2021). Und es soll weitergehen, beim Treppenhaus nämlich, das noch den Charme der Sechziger atmet. Rainer Pentzek guckt die grünen Wände rauf und runter: „Da wollen wir bei der Sportpauschale etwas beantragen.“ Das schon 1960 entstandene wandfüllende Bild von Schloss Burg aber soll unbedingt bleiben.

307 Mitglieder zählt der TBÖ, und die sind ihrem Verein auch während Corona treu geblieben. Austritte gab es kaum, Rückzug aber sehr wohl. „Das wird unsere Aufgabe sein, die Leute wieder zu uns zu holen“, sagt Rainer Pentzek. Bange ist ihm davor ebenso wenig wie Elfi Störmann. Denn dann ist Ösinghausen eben das „Dorf“, in dem jeder jeden kennt und in dem kurze Wege und Nähe wichtig sind. Es ist eine Nähe, die der TBÖ in viele Richtungen pflegt. Wie zu den Kindertagesstätten „Kleine Strolche“ oder der Johanniter-Kita Auf der Schützeneich, die zum Turnen kommen, wie zum Verein „Hilgen lebt“, der im Vereinssaal tagen darf, wie zu den Burscheider und Hilgener Sportvereinen. Im Umkehrschluss haben die Ösinghausener Zeiten in der Hilgener Max-Siebold-Halle. „Bei der BTG sind das alle meine Cousinen“, verrät Elfi Störmann lächelnd. Keine Konkurrenz, sondern Ergänzung. Und alle Cousinen haben natürlich beim TBÖ angefangen.

Er sei „erst“ vor 30 Jahren zugezogen, erzählt der Geschäftsführer, der früher Volleyball als Leistungssport betrieb und seit 2017 TBÖ-Geschäftsführer ist. Heute gehört er den Hobby-Volleyballern und der Tanzgruppe an; Störmann unterrichtet neben dem Dienst als Sportwartin Yoga im Verein. Beide sind zudem aktiv im Quartierstreff, der sich ebenso wie der TBÖ für den Ortsteil einsetzt – wie bei den Glasfaser-Verhandlungen mit Novanetz. „Da sieht es gut aus“, berichtet Pentzek. Leerrohre seien überall verlegt, teilweise sei die Glasfaser schon durchgeblasen: „Nur die Anschlüsse ins Haus fehlen noch.“ Auch für den TBÖ erhofft sich Pentzek vom schnellen Internet einen Schub, indem entsprechende Angebote für die digitalaffine Jugend möglich werden. „Wir können uns aber nicht beklagen. Die Jugend war lange weg und ist jetzt wieder sehr interessiert.“

Nicht zu vergessen sind die legendären Feste der Ösinghausener: ihr Dorffest im Wechsel mit Benninghausen sowie ihre Karnevalsparty. Corona schob allem einem Riegel vor. Aber Störmann und Pentzek schmieden schon Pläne: Wenn alles gut geht, wird der TBÖ zum Frühlingsfest bitten. Eine Premiere.

Turnerbund

Angefangen hat alles mit dem klassischen Turnen. Eine Domäne von Familie Störmann: Tochter Silke war Leistungsturnerin, Ehemann Rolf Rheinischer Meister auf dem Trampolin, erzählt Elfi Störmann. Ein Schwergewicht innerhalb des Vereins ist die Tischtennisabteilung, ein weiteres Standbein die Volleyball-Abteilung. Dort gibt es auch ein Angebot für die Jugendlichen ab Zwölf. Kampfsport zählt ebenfalls zum TBÖ-Programm. Seniorensport, Yoga, Power Work-out, zwei jährliche Wandertouren und vieles mehr werden von den 15 Übungsleitern ange-boten.

www.tboe1884.de

Blick in die moderne und frisch sanierte Damentoilette. Treppenhaus und Fensterfront in der Halle stehen noch auf der To-do-Liste.

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