Flutkatastrophe

Der Schrecken sitzt noch tief in den Gliedern

Angelika Hambüchen zeigt auf ihrem Grundstück in Rötzinghofen auf den Siefen. Dort liegen die Bäume kreuz und quer, der Hang ist abgerutscht. Foto: Anja Wollschlaeger
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Angelika Hambüchen zeigt auf ihrem Grundstück in Rötzinghofen auf den Siefen. Dort liegen die Bäume kreuz und quer, der Hang ist abgerutscht.

Für die Flutschäden fühle sich niemand zuständig, klagt Angelika Hambüchen.

Von Anja Wollschlaeger

Burscheid. Der Schrecken vom 15. Juli sitzt Angelika Hambüchen noch tief in den Gliedern. Es war der Morgen nach dem Starkregen. Am Vorabend war sie selbst als Fluthelferin in Leverkusen aktiv und half dabei, einen vollgelaufenen Keller zu trocknen. Danach kam sie in der Dunkelheit nach Hause und rechnete mit nichts Bösem, als ihre automatische Jalousie sich bei Tagesanbruch öffnete. Hambüchen blickte aus dem Fenster in den Garten.

Das Grundstück in Rötzinghofen liegt am Rande eines Siefens. Einige Bäume stehen an den Abhängen. Weiter oben sind Weiden und ein Reitplatz. Der Siefen ist mit einigen schlanken Baumstämmen bewachsen. Dichte Brombeerhecken stehen an den Hängen. Der Garten liegt kaum tiefer als das Souterrain des Wohnhauses. Ein paar Meter Rasen, ein kleines Gartenhaus und ein kleiner Fischteich mit vielleicht zwei Metern Durchmesser – ein typisches Idyll. So zeigen es Fotos.

Doch seit Juli ist nur noch die Hälfte davon zu sehen. Das Gartenhaus liegt einige Meter tiefer im Siefen, die Goldfische sind vielleicht mit dem Leben davon gekommen und schwimmen im Bornheimer Bach. Das Erdreich, das den Hang stützte, ist nicht mehr zu sehen. Das Wasser hat es wohl fortgeschwemmt. Noch heute neigt sich der Rasen deutlich in Richtung Abbruchkante. Etliche Bäume im Siefen liegen entwurzelt und über kreuz.

Bei jedem Regen habe ich schlaflose Nächte und Angst um das Haus.

Angelika Hambüchen

Hambüchen rief die Feuerwehr. War vielleicht der ganze Hang ins Rutschen gekommen? Hambüchen erzählt: „Die Feuerwehr war da und auch das Technische Hilfswerk.“ Doch schon bald hörte sie jemand über Funk sagen: „Das ist nichts mehr für die Feuerwehr“. Zum gleichen Zeitpunkt zeigt ein Handyvideo, wie in der Nähe der Abbruchkante noch ein breiter, brauner Sturzbach fließt.

Inzwischen hat ein Statiker im Auftrag der Elementarschadenversicherung geklärt, ob das Wohnhaus noch standfest ist – glücklicherweise scheint das der Fall zu sein. Doch außer dem Wert des Gartenhauses hat die Elementarschadenversicherung kaum etwas ersetzt, so Hambüchen. Der Nachbar, dem der Siefen gehört, lässt nichts von sich hören und die Technischen Werke, die für die Regenwasserbeseitigung in dem Teil von Rötzinghofen oberhalb des Grundstücks zuständig sind, haben den Fall noch nicht aufgeklärt.

Nun wandte sich die Burscheiderin an den Bergischen Volksboten. Hambüchen vermutet, dass der Siefen mit der Versickerung des Regenwassers aus der Siedlung überfordert war. Nur so könne es zu dem Sturzbach gekommen sein. Für die TWB erklärt der kaufmännische Vorstand, Christian Meuthen, dass die Sache noch geklärt wird. Die Regenentwässerung erläutert der Technische Vorstand, Sebastian Nocon, auf Nachfrage. Dabei sagt er vorweg: „Unsere Anlagen sind nur für ein 100-jähriges Regenereignis ausgelegt. Am 14. Juli sind deutlich größere Regenwassermengen angefallen. Es war wesentlich mehr Regen, als das Netz aufnehmen kann.“

Was die Hausbesitzerin nun ärgert, ist, dass sich niemand für den Schaden zuständig sieht und auch nicht klar ist, wie es genau dazu gekommen ist. Sie sagt: „Bei jedem Regen habe ich schlaflose Nächte und Angst um das Haus.“

Dabei würde sie sich wünschen, dass die TWB genau aufklären, wie es zu dem Schaden gekommen ist, damit ihr Hanggrundstück beim nächsten starken Regen nicht erneut beschädigt wird. Zur Überprüfung der Angelegenheit hat sich Hambüchen nun an die Untere Wasserbehörde beim Rheinisch-Bergischen Kreis gewandt.

Hintergrund

In Rötzinghofen werden Schmutz und Regenwasser getrennt gesammelt. Das Regenwasser aus den höher gelegenen Teilen des Egger Weges und einem Teil von Alt-Rötzinghofen wird in einem Stauraumkanal gesammelt. Hinter dem Stauraumkanal sorgt eine Drosselanlage dafür, dass nicht zu viel Wasser auf einmal in den Siefen abgegeben wird. Die Versickerung über den Siefen ist wasserrechtlich genehmigt, erklären die Technischen Werke Burscheid.

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