Unmut über Kreisverwaltung

Burscheid bangt um Pflegeberatung

Ins Hotel Zur Heide hatte die Seniorenunion eingeladen: Bürgermeister Dirk Runge (stehend) gab Auskunft über den aktuellen Stand bei der Pflegeberatung. Der Vorsitzende der Seniorenunion, Heinz Wilgenbusch (am Tisch links), hörte zu.
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Ins Hotel Zur Heide hatte die Seniorenunion eingeladen: Bürgermeister Dirk Runge (stehend) gab Auskunft über den aktuellen Stand bei der Pflegeberatung. Der Vorsitzende der Seniorenunion, Heinz Wilgenbusch (am Tisch links), hörte zu.

Veranstaltungsreihe „Stadtgespräch“ der Seniorenunion mit Bürgermeister Dirk Runge.

Von Peter Klohs

Burscheid. Die Aufgabe der kommunalen Senioren- und Pflegeberatung ist es, für und mit den anfragenden Senioren und deren Angehörigen Maßnahmen der Alltagsbewältigung und zum Erhalt von Lebensqualität zu erarbeiten, um so den Verbleib der Senioren im eigenen Zuhause sicherzustellen. Diese Aufgabe wurde in der Stadtverwaltung Burscheid bisher von Ute Scharf und Cosima Mai zur großen Zufriedenheit der Betroffenen geleistet. Aber ob dieses erfolgreiche Prinzip auch in der Zukunft Bestand hat, ist fraglich. Beim Stadtgespräch der Burscheider Senioren-Union am Mittwochnachmittag unterrichtete Bürgermeister Dirk Runge die älteren Mitglieder der CDU über den aktuellen Sachstand.

„Wir haben eine vertragliche Bindung mit dem Kreis“, sagte Runge. „Eigentlich und ursprünglich hat der Kreis Bergisch Gladbach die Aufgabe, die Pflegeberatung sicherzustellen. Im Jahr 2009 hat der Kreis diese Aufgabe auf die Kommunen übertragen. Nun aber hat der Kreis angekündigt, dass diese Aufgabe wieder an ihn übergehen soll. Andere Kommunen wie Odenthal und Leichlingen haben dem bereits zugestimmt. Wir in Burscheid haben dies bisher nicht getan. Wenn wir auf dieses Kreisansinnen nicht innerhalb einer gewissen Frist reagieren, dann ist damit zu rechnen, dass uns der Kreis zum 30. Juni 2023 kündigen wird. Das hat man bereits jetzt angekündigt. Wir verhandeln jetzt mit dem Kreis über die Zukunft der Pflegeberatung in Burscheid. So ist der Stand der Dinge.“

Der Vorsitzende der Seniorenunion, Heinz Wilgenbusch, vertrat die Auffassung, sich unmissverständlich für den Erhalt der Pflegeberatung in Burscheid einzusetzen. Bürgermeister Runge machte diesem Ansinnen nicht viel Hoffnung. „Es ist so“, berichtete er, „dass juristisch besehen der Kreis am längeren Hebel sitzt. Die Chance, zu diesem Thema auf politischer Ebene etwas zu erreichen, ist sehr gering.“

Wenn der Kreis in Bergisch Gladbach die Aufgabe der Pflegeberatung übernähme, sähe die Arbeit der bisherigen Beraterinnen Scharf und Mai etwas anders aus. „Im drohenden Pflegefall müssten Betroffene dann den Kreis kontaktieren, während die Wohnberatung weiterhin in Burscheid erfolgen würde“, schilderte Ute Scharf einen Teil des Problems.

Im weiteren Verlauf des Abends warf sie einen ungeschönten Blick auf die Verhältnisse in Burscheid. „Der Pflegenotstand ist in der Stadt angekommen“, berichtete sie. „Alle entsprechenden Dienste sind an der Kapazitätsgrenze angekommen und nehmen keine neuen Patienten auf. Ein Pflegedienst aus Wermelskirchen, der auch in Burscheid tätig war, hat allen Burscheider Patienten gekündigt. Die Altenheime in unserer Stadt sind voll. Wir müssen manche Menschen an Wuppertal oder Köln vermitteln. Die Wartelisten ziehen sich über eineinhalb Jahre. Und die werden immer länger.“ Ursache sei der Fachkräftemangel. „Eine Pflegeberatung ist viel Arbeit, und auch die Personaldecke des Kreises ist dünn – und wurde in den vergangenen Jahren nicht vergrößert“, so Scharf.

Von den rund 15 Besuchern der Veranstaltung wurde Unmut geäußert. „Wir alle, über jegliche Parteigrenzen hinweg, sind uns einig, die Pflegeberatung in Burscheid zu belassen. Und dann kommt der Kreis daher und sagt: Jetzt machen wir alles anders“, hieß es.

Am Ende ging man mit vorsichtigem Optimismus auseinander. „Wenn der Kreis die Pflegeberatung übernimmt und genügend Arbeitskapazität für Burscheid bereitstellen kann, ist doch alles gut“, befand Heinz Wilgenbusch abschließend.

Termine

Die nächste Veranstaltung der Seniorenunion wird am 28. September stattfinden. Zum Thema „Grundsteuer“ wird die Seniorenunion aus Leichlingen zu Gast sein. Die Jahreshauptversammlung ist für den 26. Oktober terminiert.

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