Historisches Foto

Am Kino traf sich einst die Jugend der Stadt

Das Lumina-Kino an der Hauptstraße besuchten die Burscheider gern. Foto: Sammlung Werner/Barbara Sarx-Jautelat
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Das Lumina-Kino an der Hauptstraße besuchten die Burscheider gern.

Historisches Foto zeigte das Lumina, in dem die Burscheider Heimat- und Wildwestfilme sahen.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Ganz bescheiden zwischen zwei imposanten verschieferten Häusern presste es sich einst in die Lücke: das Lumina-Kino an der Hauptstraße. Burscheids kultureller Hotspot, in dem sich die Bewohner von 1958 an in den Wilden Westen träumten oder mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in Gedanken durch den Schwarzwald oder die Heide streiften. Es sind Erinnerungen, die auch in unseren Lesern wieder lebendig wurden, nachdem sie in der vergangenen Woche das „Historische Foto“ gesehen hatten, das uns die frühere Fotografin des Bergischen Volksboten, Barbara Sarx-Jautelat, zur Verfügung gestellt hat.

Der Kinobesuch als kleines Abenteuer, verbunden mit viel Lachen: So beschreibt Ilse Wolf-Bäsner, die damals mit Geburtsnamen noch Steinhaus hieß, ihre Erinnerungen ans Lumina – und damit auch automatisch an ihre Geschwister: „Ich war 16, 17 Jahre alt, auf jeden Fall noch nicht 18 und kam nicht ohne Erlaubnis ins Kino“, erzählt die gebürtige Burscheiderin. Ihre bereits volljährige Schwester Herta habe sie dann „mit hinein gemogelt“. Denn Stars wie Ruth Leuwerik oder Rudolf Prack wollten beide gern sehen: „Die alten Heimatfilme, das war schon was.“

Es waren die Zeiten, als die Kinos noch richtig voll waren, erinnert sich Ilse Wolf-Bäsner. Der Vater indes machte sich doch ein wenig Sorgen um seine Mädchen und schickte ihren Bruder Hans hinterher. „Gegenüber war ein Café, wo mein Bruder dann stand, um uns abzuholen“, erzählt Ilse Wolf-Bäsner über den neun Jahre Älteren. Die beiden Schwestern aber tricksten den großen Bruder aus: „An der Seite war ein zweiter Ausgang, da sind wir dann einfach entwischt.“ Mit ein paar „Jüngelchen“, setzt sie lachend hinzu. Doch der Bruder, der so gutmütig gewesen und mit fünf Schwestern aufgewachsen sei, rächte sich eines Tages dann doch: Als er mal mit im Kino saß („3. Reihe links!“) und sich seine kleine Schwester Ilse von ihm einen Kamm leihen wollte, um sich hübsch zu machen, da habe er ganz laut gesagt: „Einen Kamm habe ich nicht, aber einen Bleistift, da kann ich Kamm mit schreiben!“ „Wir haben viel gelacht“, sagt Ilse Wolf-Bäsner. Heute ist sie 80 Jahre alt und lebt seit zwölf Jahren in Wermelskirchen.

Die Spätvorstellung kostete eine Mark

Gotthard Kittelmann zog es damals weniger zu den Heimatfilmen, als vielmehr Richtung Wildwest. „Die Spätvorstellung kostete in den ersten vier Reihen eine Mark“, weiß er noch genau. 15 oder 16 sei er damals gewesen. Im und am Kino habe sich damals die Jugend getroffen. Und er selbst, damals an der Höhestraße zuhause, sei ebenfalls dorthin gekommen, um Freunde und Bekannte zu sehen: „Zu Fuß natürlich. War ja nicht so weit.“ Sehr schade sei es gewesen, sagt er, als das Kino schloss: „Alles leer, alles zu.“

Schräg gegenüber, in der Hauptstraße 64, ist Axel Riemscheid aufgewachsen. „Mein Großvater hat das Haus 1907 gekauft, und meine Familie hat es lange bewohnt“, erzählt er. Das Lumina hatte er von dort aus jederzeit im Blick. „Meine Eltern haben ein Lebensmittelgeschäft betrieben und waren mit den Kino-Inhabern, der Familie Mebus, gut befreundet“, sagt Axel Riemscheid. Und wie Gotthard Kittelmann schätzte auch er das Kino als Ort der Geselligkeit, an dem man Freunde traf: „Es war der Treffpunkt der jungen Leute. Ich bin immer gern dorthin gegangen.“ Dem Vater indes habe das nicht immer gefallen: „Ist er denn schon wieder dort?“, habe der Vater nicht nur einmal geschimpft. Und habe dank der Freundschaft zur Familie Mebus einen besonderen Weg gewusst, den Sohn an den heimischen Tisch zu bringen: „Mitten im Film ging das Licht an, und es kam eine Durchsage: »Der Schüler Riemscheid soll sofort nach Hause kommen!«. Das habe ich dann auch mit hochroten Ohren getan“, sagt Axel Riemscheid lachend. 14 oder 15 sei er damals gewesen: „Mir war sofort klar, dass mein Vater dahintersteckt. Ich bin schuldbewusst nach Hause und habe eine schöne Gardinenpredigt bekommen.“

Doch der „Schüler Riemscheid“ ließ sich nicht entmutigen. „Ich bin weiter so ins Kino geschlichen, dass mein Vater es nicht merkte.“ Und ein kleines Zubrot verdiente er sich auch: „Im Durchgang nach hinten befand sich ein Schuppen, wo man während des Kinobesuchs Fahrräder unterstellen konnte. Da habe ich mich mit meinem Freund Hopalong abends einfach hingesetzt und habe die Fahrräder bewacht. Hinterher haben mir die Leute zehn Pfennig gegeben.“ 50, 60 Pfennig seien für Hopalong (alias Klaus Schmitz) und ihn da schon herausgesprungen.

Das Kino in Burscheid lief gut, bis das Fernsehen kam

Besonders gern erinnert sich Axel Riemscheid an die Vorhalle vor dem Kino. „Da gab es große Schaufenster, wo hinter Glas große Filmplakate hingen. Von den aktuellen Filmen oder von Vorankündigungen. Das war unglaublich beeindruckend. So großformatige Bilder gab es sonst nicht.“

Genau weiß er auch noch dank des nahen Lage seines Elternhauses, wie es dort noch ohne das Lumina ausgesehen hat – der Gang zwischen den Häusern, nach dem man auf einem Platz landete. „Foyer und Kasse befanden sich zwischen den Häusern; das eigentliche Kino lag links dahinter auf dem früheren Platz“, sagt er.

Ungefähr 20 Reihen habe es umfasst und sei anfangs gut gelaufen. Bis das Fernsehen kam. „Zuerst ging man in die Gaststätte, um Fernsehen zu sehen“, sagt er. „Natürlich schwarz-weiß. Und später blieb man zuhause und guckte dort.“

Ins Kino habe sie noch nicht gedurft, weil sie zu klein gewesen sei, weiß Petra Hoffmann. „Aber bin dort immer mit dem Rad vorbeigefahren, wenn ich zum Einkaufen zum Konsum geschickt wurde. Ich fand es toll, dass wir ein Kino haben.“

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