Fahrschule in der Pandemie

Alle wollen endlich ihren Führerschein machen

In seiner Fahrschule setzt Hennes Hahn während der Pandemie voll auf den Online-Theorieunterricht. Foto: Doro Siewert
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In seiner Fahrschule setzt Hennes Hahn während der Pandemie voll auf den Online-Theorieunterricht.

Corona und neue Klassen sorgen für eine hohe Nachfrage und lange Wartezeiten in den Fahrschulen

Von Stephan Eppinger

Burscheid. Viel zu tun gibt es derzeit für Hennes Hahn, dem Chef der gleichnamigen Burscheider Fahrschule: „Die Leute suchen händeringend nach Fahrstunden, um ihren Führerschein endlich machen zu können. Manche Kollegen sind überlastet – und so mancher Fahrschüler, fragt hier an, ob er bei uns noch Fahrstunden bekommen kann“, berichtet er.

Die Arbeit für die Fahrlehrer hat sich durch die Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Hygieneauflagen geändert. „Bei den Fahrstunden ist die Maske Pflicht und das Auto muss regelmäßig gelüftet werden. Vor allem, wenn man am Anfang der Ausbildung noch viel erklären muss, ist die Maske schon ziemlich anstrengend.“

Die Theorie zum Fahren lernen Schüler via Zoom und mit einer App

Die Theoriestunden laufen derzeit online per Zoom ab. „Das kommt bei den Fahrschülern sehr gut an, die sonst nur volle Säle kennen. So mancher junge Mensch, der vor der Gruppe zurückhaltend ist, hat online den Mut, auch mal selbst nachzufragen“, sagt Hahn, der für das digitale Angebot in die Technik, wie bei den zusätzlichen Computermonitoren investieren musste. „Meine Fahrschule ist zu einem kleinen Studio geworden. Allerdings müssen wir nach der Pandemie wieder Präsenzunterricht anbieten, das ist per Gesetz so vorgeschrieben.“

Gelernt wird auch digital per App vom Smartphone oder Tablet. Selbst die theoretische Prüfung wird vor Ort am PC absolviert. „Das Problem ist nur, einen Prüfungstermin zu bekommen. Da gibt es schon mal sechs bis acht Wochen Wartezeit und dann geht es auf die Reise, da die Prüfung in ganz NRW stattfinden kann. Da braucht es Eltern oder Freund mit einem Auto.“ Auch bei der Praxisprüfung müssen Wartezeiten von bis zu vier Wochen eingerechnet werden. „Das Problem ist hier vor allem, dass die Dauer der Prüfung verlängert worden ist. Da braucht es jetzt mehr Fahrprüfer – und die fehlen. Jeder, der prüfen will, muss ein entsprechendes Studium absolviert haben und bevor er arbeiten kann, steht zunächst eine anderthalbjährige Ausbildung an. Da werden die Prüfkapazitäten beim Tüv schnell knapp“, sagt Hahn.

Neue Führerscheinklassen sind in Burscheider Fahrschule gefragt

Zu den Herausforderungen gehören auch die neuen Führerscheinklassen, wie der B196. Wer mindestens 25 Jahre alt ist und den Autoführerschein seit mindestens fünf Jahren besitzt, kann nach einer theoretischen und praktischen Ausbildung in der Fahrschule Motorräder der Klasse A1 mit bis zu 125 Kubikzentimeter Hubraum und einer Motorleistung von bis zu elf KW fahren. Eine Prüfung ist nicht notwendig. Es muss nur ein Antrag bei der Fahrerlaubnisbehörde gestellt werden. „Diese Schulung ist bei uns sehr gut nachgefragt. 2020 hatten wir knapp 40 Anmeldungen dafür. Allerdings sind diese Motorräder jetzt so nachgefragt, dass die Hersteller bei der Produktion und Lieferung nicht hinterherkommen. Auch beim Gebrauchtmarkt sind die Preise massiv nach oben gestiegen“, berichtet der Fahrlehrer.

Ähnlich verhält es sich beim Führerschein B197. Dabei wird der Fahrschüler auf einem Automatikauto ausgebildet. Offiziell darf der Fahrschüler dann später auch nur mit solchen Fahrzeugen unterwegs sein. „Das entfällt, wenn man zehn Fahrstunden auf einem Schaltfahrzeug absolviert und der Fahrlehrer im Anschluss eine kleine Prüfung abnimmt.“ Groß nachgefragt ist diese Ausbildung bislang noch nicht. „Viele haben hier im Bergischen Land nicht das Geld, um sich ein teures Automatikauto anzuschaffen. Wir haben bislang zwei Fahrschüler für den Automatikführerschein ausgebildet“, sagt Hahn.

Planung der Prüfungen sind für die Fahrlehrer schwierig

Bei seinem Kollegen Alexander Sommerfeld gibt es ebenfalls viel zu tun: „Ich habe die Fahrschule im Oktober übernommen und musste mich immer wieder auf die neuen Auflagen einstellen. Trotzdem geht es dem Betrieb gut, die Nachfrage ist extrem hoch. Aber vor allem die Planung der Prüfungen ist schwierig. Es gab sogar ein Angebot für eine Prüfung in München, das aber abgelehnt worden ist. Bei der Praxis ist es entspannter, da haben wir aktuell eine Vorlaufzeit von etwa drei Wochen“, sagt Sommerfeld.

Eine Herausforderung sei es, den Kontakt zu den Fahrschülern über den langen Vorlauf zur Theorieprüfung zu halten und diese immer wieder zum Lernen zu motivieren. „Dazu nutzen wir unsere Homepage und auch die sozialen Medien. Trotzdem ist die Durchfallquote etwas gestiegen.“ Der Theorieunterricht läuft bei Sommerfeld weiter vor Ort in kleinen festen Gruppen mit Anmeldung. „Die Anforderung an den Onlineunterricht sind nur schwer umzusetzen. Daher bleiben wir beim Präsenzunterricht.“

Bei den neuen Führerscheinklassen verzeichnet Sommerfeld gerade beim B196 eine große Nachfrage. „Das sind vor allem ältere Fahrschüler, die wir mit erfahrenen Motorrad-Fahrlehrern in zwei bis drei Tagen so ausbilden, dass sie sicher unterwegs sind. Die Nachfrage wird jetzt im Sommer noch weiter ansteigen.“ Auch beim Automatikführerschein gebe es eine steigende Nachfrage. „Allerdings setzt die Mehrheit der Fahrschüler weiter auf einen Schaltwagen. Wer aber die Automatik einmal ausprobiert hat, zeigt sich davon sehr angetan.“

Führerscheinklassen

Klasse AM: Mopeds bis 50 Kubik Hubraum, A1: Motorräder bis 125 Kubik Hubraum, A2: Motorrad bis zu einer Motorleistung von 35 kW, A: alle Motorräder, B: Autos, C: Lastwagen (es gibt verschiedene Unterklassen je nach Größte und Gewicht des Fahrzeugs), D: Busse (auch hier gibt es Unterklassen), T/L: Zugmaschinen und Traktoren.

www.bmvi.de

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