Pandemie

Bürgerbus kommt trotz Corona gut über die Runden

Seit 2020 ist der Bürgerbusverein mit einem neuen Automobil unterwegs. Foto: Bürgerbusverein Burscheid
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Seit 2020 ist der Bürgerbusverein mit einem neuen Automobil unterwegs.

Verein hat sich auf die Pandemie eingestellt – Viele Fahrer und Fahrgäste gehören zur Risikogruppe.

Von Claudia Radzwill

Burscheid. Nur kurz hat der Bürgerbus in der Corona-Zeit eine Pause eingelegt. Im März 2020 war dies der Fall – als von einem Tag auf den anderen der Lockdown im ganzen Land ausgerufen wurde. Unter Hygienemaßnahmen ging es weiter. Eine Plexiglasscheibe trennt bis heute den Fahrer von den Fahrgästen, eine Maske ist Vorschrift, es wird desinfiziert. Für Geld oder Fahrkarte gibt einen kleinen Schlitz zum Durchreichen. Das minimiert für beide Seiten das Ansteckungsrisiko.

Den Bürgerbus nutzen viele – meist ältere – Stammgäste. 2014 war die Spitze der Beförderungen erreicht worden. „14 000 Fahrgäste haben wir gezählt“, berichtet der Vorsitzende Hans-Joachim Scheurlen. 2019 seien es 9000 gewesen. Das sei auch der Tatsache geschuldet, dass immer mehr Senioren im Alter noch selbst Auto fahren.

Aber um die Auslastung geht es den Ehrenamtlern und Ehrenamtlerinnen auch gar nicht. „Wir sind einst angetreten, um denjenigen Mobilität zu ermöglichen, die sie nicht haben. Da stehen nicht die Zahlen im Vordergrund“, sagt Scheurlen. Jetzt, in der Pandemie, haben sich Fahrgastzahlen dann noch einmal halbiert. Das Klientel des Bürgerbusses gehört oft der Risikogruppe für eine schwere Erkrankung mit Covid-19 an.

„Da gibt es einige, die es vermeiden, mitzufahren oder die den Bus seltener nutzen.“ Was verständlich sei. Dazu komme, dass der Bürgerbus derzeit nach einen Notfahrplan fahre und per se weniger Touren anbietet. So ist der Bus am Nachmittag bis auf weiteres nicht mehr unterwegs.

„Wir konzentrieren uns darauf, die wichtigsten Verbindungen aufrechtzuerhalten. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Menschen weiterhin zum Einkaufen oder zum Arzt kommen,“ sagt Scheurlen. Im Mai 2020 ging es mit ein „bisschen Fahrplan“ weiter, seit Juli 2020 gilt nun der Notfahrplan. Mit ein Grund für diese Entscheidung war, dass einige der ehrenamtlichen Fahrer und Fahrerinnen für den Einsatz ausfallen – da auch diese Risikopatienten sind.

„Bürgerbus fahren fühlt sich fast wie eine Fahrgemeinschaft an.“

Hans-Joachim Scheurlen

Momentan fährt der Bürgerbus an sechs Vormittagen in der Woche – von montags bis samstags – die „Griesbergroute“ durchs Stadtgebiet. Morgens um 8.50 Uhr startet die erste Fahrt, um 12.20 Uhr gibt es die letzte.

Noch eine Änderung: Nicht alle Haltestellen werden derzeit automatisch angefahren. „Doch an jeder Haltestelle gibt es eine Infotafel, auf der auch eine Telefonnummer drauf steht. Bei Bedarf kann sich jeder rechtzeitig telefonisch melden, dann fahren wir auch dort vorbei,“ sagt Scheurlen.

Der Verein ist im Jahr 2020 finanziell gut über die Runden gekommen. Es gab zwar weniger Einnahmen, aber: Wo sonst pro Jahr rund 30 000 Kilometer aufs Tacho kommen, waren es jetzt „nur“ 12 000 Kilometer. „Das wiederum bedeutet weniger Sprit und weniger Verschleiß am Bus, sprich auch weniger Ausgaben. Wir konnten sogar einen kleinen Überschuss erwirtschaften“, sagt Scheurlen. Das reichte für die laufenden Kosten.

Ende 2019 wurde der Bürgerbus gegen ein neueres Modell ausgetauscht. Anfang 2020 ging es mit diesem auf die Straße. Der jetzige Bus hat eine sogenannte „Niederflurtechnik“. Die erleichtert das Ein- und Aussteigen mit dem Rollator - und es ist möglich, einen Rollstuhl pro Fahrt zu befördern.

Nach wie vor schätzen die Fahrgäste den kleinen Plausch mit dem Fahrer. „Da die meisten Stammkunden sind, kennt man sich“, erzählt Hans-Joachim Scheurlen. Auch wenn es in Corona-Zeiten mit Maske und Plexiglasscheibe schwieriger sei, sich zu verstehen, gehöre der Austausch oder ein kleines Gespräch dazu. „Bürgerbus fahren fühlt sich fast wie eine Fahrgemeinschaft an“, beschreibt er das Miteinander. Nach der Pandemie soll es dann wieder auch die Nachmittagsfahrten geben. Allerdings: „Wir wollen vorher den alten Fahrplan komplett überholen,“ erklärt der Vorsitzende. Alle zusammen wollen sie überlegen, wie das Angebot optimiert werden kann.

Bürgerbusverein

Gegründet: Der Bürgerbusverein wurde im Jahr 2004 gegründet. Seit 2005 ist er unterwegs. 2012 wurde der erste Bus ersetzt. Seit 2019 ist jetzt das neuste Modell im Einsatz. Über die „Griesbergroute“ fährt der Bürgerbus als Linie 249 durchs Stadtgebiet. In „normalen“ Zeiten engagieren sich rund 30 Fahrer und Fahrerinnen im Verein.

Internet: Weitere Informationen gibt es unter:

https://linie249.de

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