Austausch und Hilfe vor Ort

Büdchen bleibt in der Krise überaus aktiv

Sascha von Schwedler und Nicole Wittmann können weiterhin mit den Menschen ins Gespräch kommen – hauptsächlich durchs Fenster. Archivfoto: nal
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Sascha von Schwedler und Nicole Wittmann können weiterhin mit den Menschen ins Gespräch kommen – hauptsächlich durchs Fenster.

Anlaufstelle für Menschen im Quartierzentrum Nord hat neue Partner gewonnen.

Von Katharina Birkenbeul

Burscheid. Nachmittags gegen 15 Uhr. Ein Mädchen kommt in ein Haus in der Luisenstraße. „Ich war beim Zahnarzt“, berichtet sie freudig Sascha von Schwedler, der das „Büdchen“ betreibt. „Sobald das Licht an ist, kommt immer irgendeines der Kinder vorbei und berichtet vom Tag, der Schule oder anderen Dingen. Hier ist ein Kreuzungspunkt“, erklärt von Schwedler daraufhin. Trotz der Umstände rund um das Coronavirus möchten von Schwedler und seine Kollegin Nicole Wittmann weiter den Menschen im Quartierzentrum Nord helfen und mit ihnen ins Gespräch kommen. „Wir sind weiterhin hochfrequentiert und arbeiten hyperaktiv.“

Die beiden Köpfe des Büdchens beraten derzeit häufig an ihrem großen Fenster – die Gespräche seien zu dieser Jahreszeit aber kürzer, weil es kalt ist. Wenn Intimität gewünscht ist und echter Beratungsbedarf besteht, passen mit Abstand und Maske auch ein bis zwei Personen in den Raum. „Es sind die alltäglichen Probleme. Die Leute brauchen Umzugskartons, haben Probleme mit dem Jobcenter oder können kleinere Dienstleistungen wie das Transportieren eines Schranks oder das Einkaufen nicht selbst leisten“, zählt Sascha von Schwedler die unterschiedlichen Arten der Beratung und Hilfe des Büdchens auf. Um allen Anfragen gerecht zu werden, müsse man aber ein bisschen basteln, weil nicht mehr die Vielzahl der Beratungen stattfinden können wie vor der Corona-Krise.

Eine Ergänzung zum bisher bestehenden Angebot kommt durch das Jobcenter zustande. „Seit Oktober bietet das Jobcenter in unserem Raum jeden Dienstagvormittag eine zweistündige Sprechstunde an“, erklärt von Schwedler das System. Diese Idee entstand, weil das Jobcenter derzeit geschlossen bleiben muss und das vermutlich für einen längeren Zeitraum. Und telefonisch seien manche Angelegenheiten einfach schwierig zu händeln. Mit einem weiteren Partner arbeiten zu können, freut den Leiter des Büdchens daher. „Wir sind dadurch erneut Modellprojekt im Kreis geworden.“ Es habe besonders den ursprünglichen Gedanken, kooperative Partner in die Arbeit im Quartier mit einzuschließen, stark hervorgehoben. Demnächst soll auch die Schuldnerberatung hinzukommen. „Das ist wichtig für die Leute. Der Weg zum Rathaus ist manchmal für einige zu weit. Da müssen wir als Vermittler und Vertrauensperson da sein“, betont von Schwedler. Wenn Partner im Büdchen sind, sei es perfekt.

„Wir sind erneut Modellprojekt im Kreis geworden.“

Sascha von Schwedler über den Gewinn des Jobcenters als Partner des Büdchens

Auch für Kinder hat sich das Team etwas ausgedacht: ein Online-Herbstquiz mit 20 Fragen und Aufgaben rund um Burscheid. Damit wollte das Team erreichen, dass die Kinder in einer Zeit ohne normale Freizeitaktivitäten und mit Kontaktbeschränkungen rauskommen und sich bewegen. Dabei lockten auch Gewinne für Burscheider Händler und Gastronomen. Zudem wollen von Schwedler und Wittmann die Kinder mit einem „Büdchen-Tütchen“, einem klassischen Tütchen mit allerlei Süßigkeiten wie früher beim Kiosk, in die Weihnachtsferien verabschieden. Denn Lagerfeuer und Stockbrot sind leider nicht machbar.

Für die Menschen im Quartierzentrum Nord „ist das Büdchen eine enorm wichtige Anlaufstelle“, betont er. Daher hofft das Team auf eine Fortfinanzierung über den 1. Januar hinaus. Die stehe nämlich noch nicht. „Aber der Antrag liegt bereits vor und wir sind uns sicher, dass er vom Land genehmigt wird“, ist von Schwedler sich sicher. Ansonsten hätte auch die Stadt bereits finanzielle Hilfe zugesichert.

Hintergrund

Das „Büdchen“ gibt es seit einem Jahr und drei Monaten. Es soll ein Raum des Austausches und der Hilfe vor Ort sein und bildet eine Schnittstelle zu Institutionen und Einrichtungen wie beispielsweise dem Jugendamt, dem Jobcenter und den Schulen sowie weiteren allgemeinen Beratungsstellen. „Wir haben hier eine tolle Situation für die Menschen errichtet. Wir haben selbst leuchtende Augen und sind dankbar, selbst einfach da sein zu können“, so Sascha von Schwedler.

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