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Masterplan der Feuerwehr: Brandschutz nur mit mehr Personal

Gerade erst zeichnete Landrat Santelmann die Burscheider Feuerwehr wegen ihres Einsatzes in der Flutkatastrophe aus.
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Gerade erst zeichnete Landrat Santelmann die Burscheider Feuerwehr wegen ihres Einsatzes in der Flutkatastrophe aus.
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Masterplan für die Feuerwehr wird fortgeschrieben.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Nur unter der Maßgabe, dass der neue Einsatzwagen tatsächlich angeschafft werde, würden sie zustimmen: Das unterstrichen auf der Ratssitzung Klaus Becker (SPD) und Joachim Wirths (FDP). Ihrer Zustimmung stand nichts im Weg: Das dementsprechende Leistungsverzeichnis war bereits durch den Hauptausschuss beschlossen worden.

Was leistet die Feuerwehr, was braucht sie, was hat sie, woran mangelt es noch? Das sind die Fragen und Antworten, die im Brandschutzbedarfsplan zu finden sind und dessen zweiter Fortschreibung die Kommunalpolitiker und Kommunalpolitikerinnen nun grünes Licht gaben. Die Federführung hat dabei Forplan Forschungs- und Planungsgesellschaft für Rettungswesen, Brand- und Katastrophenschutz: Das Bonner Büro hat seinen Entwurf bereits im Januar vorgelegt.

Hinter dem Brandschutzbedarfsplan verbirgt sich ein detailreiches Datenwerk. 2015 wurde er das erste Mal fortgeschrieben und hielt Standort und Lage der Gerätehäuser, Art und Anzahl der vorhandenen Fahrzeuge und Geräte, die Zahl der in einer vorgegebenen Zeit am Einsatzort eingetroffenen Feuerwehrleute sowie das Schutzziel fest. Hinter Letzterem verbirgt sich das Sicherheitsniveau, das Bürgerinnen und Bürgern gewährt wird.

Als Grundlage dienen Daten von 2015 bis 2020

Diese Strukturen, Ziele und Daten werden nun erneut untersucht und ausgewertet. Herangezogen werden dazu die Daten von 2015 bis 2020. Das Ziel: ein umfassender Überblick über das, was die Freiwillige Feuerwehr Burscheid zu leisten vermag. „Die Fortschreibung hat zudem das Ziel, umfassende und begründete Informationen an die Entscheidungsträger von Verwaltung und Politik hinsichtlich des Risikopotenzials der Stadt, der Festlegung der Qualität der Gefahrenabwehr (Schutzzieldefinition) sowie der Organisation und Ausstattung der Feuerwehr zu geben“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Zunächst überprüfte das Bonner Ingenieurbüro den Ist-Zustand der Burscheider Floriansjünger. Schwerpunkte dabei waren der Zustand der jeweiligen Gerätehäuser, der Personalverfügbarkeit, der technischen Ausrüstung und des Fahrzeugbestands. Vier Löschzüge gibt es: Burscheid, Hilgen, Dierath und Paffenlöh.

Deren Gerätehäuser sind unterschiedlich in Schuss: Dierath gilt als Schwachpunkt („erhebliche Mängel“) und soll einen Neubau bekommen. Die technische Ausstattung der Feuerwehr wird als „Befriedigend“ betrachtet, kritisch aber die Personalverfügbarkeit gewertet.

Nicht immer seien werktags zwischen 6 und 18 Uhr genügend Leute an Bord. „Die absoluten Einsatzzahlen der Freiwilligen Feuerwehr liegen insgesamt auf einem mittleren Niveau. Es ist insgesamt von einer durchschnittlichen Menge an Brandeinsätzen sowie einer überdurchschnittlichen Anzahl technischer Hilfeleistungseinsätze auszugehen“, bilanziert das Ingenieurbüro.

Ziel: Innerhalb einer bestimmten Zeit vor Ort zu sein

Innerhalb einer bestimmten Zeit am Einsatzort zu sein: Das ist eine der wichtigen Definitionen, die der Brandschutzbedarfsplan vorgibt. Jede Kommune definiert diese Ziele, die sich nach Größe von Wehr und Stadt unterscheiden. 2015 gab der Bedarfsplan als Schutzziel vor, dass innerhalb von acht Minuten neun Funktionen vor Ort sein müssen.

Zu 80 Prozent muss das funktionieren, anderenfalls „kann im Regelfall nicht von einer ausreichend leistungsfähigen Feuerwehr und demzufolge nicht von einer Gewährleistung des Feuerschutzes ausgegangen werden“, heißt es in der Beschlussvorlage. Forplan empfiehlt, weiterhin am Ziel „80 Prozent“ festzuhalten: „80 Prozent werden im Sinne des Gesetzes für den ehrenamtlichen Bereich als leistungsfähig angesehen.“ Wichtig sei es jedoch, die Tagesverfügbarkeit der Einsatzkräfte zu erhöhen: Geboten sei deshalb eine größere Personalausstattung. Zum Zeitpunkt der Untersuchung durch Forplan zählte die Burscheider Wehr 137 Aktive.

Die Standorte Burscheid, Hilgen, Dierath und Paffenlöh machen Sinn: Das attestiert das Ingenieurbüro den vier Gerätehäusern. „Zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgabe und des Schutzziels werden von der Stadt Burscheid die vier bestehenden Feuerwehrhäuser als räumlich bedarfsgerecht verteilte Standorte festgelegt“, heißt es unter dem Stichwort „Sollstruktur“ in der Beschlussvorlage.

Heißt aber auch: Man muss sich kümmern, um Zustand und Wartung. Das gilt für die Häuser, gilt aber auch für den Fuhrpark, der „in einem fortlaufenden Prozess kontinuierlich an den Stand der Technik“ angepasst wird.

Ausdrückliches Lob erfahren die Jugendfeuerwehr und das hohe Ausbildungsniveau. „Insgesamt 63 Prozent der derzeit aktiven Einsatzkräfte haben die Jugendfeuerwehr durchlaufen. In diesem Zusammenhang ist die Jugendarbeit als sehr positiv hervorzuheben“, heißt es im Entwurf von Forplan. Dieses Engagement müsse auch in Zukunft weitergeführt werden, um Personalengpässen vorzubeugen.

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