Blick zurück: Zur Entstehung des Burscheider Büdchens

Der Start: Nicole Wittmann und Sascha von Schwedler vor dem Burscheider Büdchen. Archivfoto: Doro Siewert
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Der Start: Nicole Wittmann und Sascha von Schwedler vor dem Burscheider Büdchen. Archivfoto: Doro Siewert

Im Ausschuss berichtete Verwaltungsmitarbeiterin Antje Eickenberg zum Sozialplanungsprozess

Von Nadja Lehmann

In einer Kleinstadt wie Burscheid ist die Welt noch in Ordnung. Bis man genauer hinter die Kulissen guckt. Das tat zum einen der Kreis, der Daten für seinen Sozialbericht zusammentrug. Zum anderen tat es eine Fachplanungskonferenz mit Teilnehmern aus Jugendamt, Jobcenter und Sozialamt, die sich im September 2017 in Burscheid trafen. 2018 legte der Kreis dann erstmals diesen Sozialbericht vor. Und das hatte Folgen – über die im Sozialausschuss Rathausmitarbeiterin Antje Eickenberg berichtete. Es entstand daraus nämlich das Burscheider Büdchen.

Zur Entstehungsgeschichte: Für den Sozialbericht wurden Daten erhoben. Eingegrenzt wurden dabei die sozialen Gegebenheiten anhand von Altersstrukturen oder Betreuungsquoten von Kindern. In der Auswertung hatten sich so von insgesamt 87 sogenannten Wohnplätzen neun herauskristallisiert, in denen die Werte vom Kreisdurchschnitt abweichen. Darunter auch Burscheid. „Sie haben sicher alle schon davon gehört. Es ist das Zentrum Nord, das die Luisenstraße oder Im Durfeld umfasst“, schilderte Antje Eickenberg. Dort gebe eine spezielle Problemlage wie unter anderem einen hohen Ausländeranteil. Plus ein erhöhter Förderbedarf bei den Jüngeren. „Dort gibt es Grunddefizite“, so Eickenberg in ihrem Vortrag.

In dem Bereich mit etwas mehr als 6000 Einwohnern lebt fast ein Drittel der Bevölkerung der Stadt. Ungefähr ein Drittel ist jünger als 30 Jahre alt. Das Problem: Ein im Verhältnis zum Kreisschnitt hoher Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung ist auf Grundsicherung für Arbeitssuchende angewiesen. Und aus Beratungsgesprächen mit dem Jobcenter geht hervor, dass bei den 15- bis 30-Jährigen unter ihnen Auffälligkeiten bei Alltagskompetenzen und Beschäftigungsfähigkeiten bestehen.

„Bereits bei der Einschulung stellen wir Entwicklungsdefizite fest“, erklärte Eickenberg. Auch Fälle von Kindeswohlgefährdung seien für das Zentrum Nord registriert worden. Eine Gemengelage, die das Sozialgefüge des Viertels prägt: „Man spricht auch von de vererbten Arbeitslosigkeit.“ Der Sozialplanungsprozess habe deutlich gemacht, dass Handlungsbedarf bestehe, hob Eickenberg hervor. Das Ziel: die Erziehungskompetenz der Eltern sowie die Erwerbsfähigkeit der Jüngeren zu steigern. „Es gab auch bereits Angebote. Aber die waren zu hochschwellig“, so Eickenberg.

Kleiner, unkomplizierter, nahbarer: das Burscheider Büdchen

Etwas anderes musste her: kleiner, unkomplizierter, nahbarer. Die Antwort hieß: Burscheider Büdchen. 2019 feierte es an der Luisenstraße Eröffnung (in der Tat in einem ehemaligen Büdchen untergebracht, wovon das große Schiebefenster zur Straße hin noch zeugt). Träger ist die Katholische Jugendagentur (KJA); die Stadt bleibt als Eigentümerin im Hintergrund.

Ein Zentrum der aufsuchenden Jugendsozialarbeit sollte das Büdchen werden – und wurde rasch sehr viel mehr, wie jeder feststellen kann, der dort ein paar Minuten verweilt: Es ist zur Anlaufstelle des Stadtviertels und aller seiner Bewohner geworden, ob jung oder schon älter. Ansprechpartnerin ist Nicole Wittmann, bis vor kurzem im Duo mit Sascha von Schwedler. Dieser hat sich nun aber beruflich neu orientiert. Die KJA sucht bereits eine Nachfolge (wir berichteten). „Die Förderung des Burscheider Büdchens ist bis Ende 2022 gesichert. Wir hoffen auf eine Anschlussförderung“, so Antje Eickenberg.

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