Lesung

Bittersüße Geschichte um Berliner Pralinenmanufaktur

Bestsellerautorin Anne Stern las in Burscheid aus ihrem aktuellen Roman „Drei Tage im August“.
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Bestsellerautorin Anne Stern las in Burscheid aus ihrem aktuellen Roman „Drei Tage im August“.

Gäste hören Bestsellerautorin Anne Stern zu, naschen Nougat und Marzipan und tauchen in die 30er Jahre ab.

Von Tanja Alandt

Burscheid. Etwa 25 Frauen kamen am Donnerstagabend in die Buchhandlung Ute Hentschel, um der Lesung von Anne Stern aus ihrem neuesten Buch „Drei Tage im August“ zu lauschen und Pralinen zu kosten. Die Bestsellerautorin aus Berlin freute sich, ihr Buch „so weit westlich“ vorstellen zu können. Mit ihren vorgelesenen Seiten versetzte sie die Zuhörerinnen mitten ins Berlin des Jahres 1936 und zog sie in die Geschichte um die tatsächlich seit 1880 existierende Chocolaterie Sawade und ihre Protagonistin Elfie, die „ein schweres Päckchen zu tragen hat“.

Buchhändlerin und laut Selbstauskunft „Schokoladenmonster“ Ute Hentschel machte bereits vorab bei der Begrüßung Geschmack auf das Buch und reichte zur Einstimmung verschiedene Köstlichkeiten in Nougat und Marzipan der immer noch in Berlin produzierenden Pralinenmanufaktur. Die erste Paketsendung reichte jedoch nicht. Denn beim Lesen von Sterns Roman wollte Hentschel nur ein bisschen „probieren“. Und dann waren sie plötzlich alle. „Es hat total Spaß gemacht, das Buch zu lesen und die Pralinen dazu zu essen. Die sind einfach zu köstlich“, schwärmte sie. So erging es auch den Zuhörerinnen, die gerne nach den von Hentschel gereichten Pralinen griffen und sie sichtlich genossen. Anne Stern berichtete, dass sich die Chocolaterie quasi bei ihr eingeschlichen habe und sie ihrem Gefühl nachgegangen sei, diese zu besuchen und mehr über sie zu erfahren. Ihr Gefühl behielt recht.

Die dortige Pressesprecherin konnte ihr drei Artefakte aus der weitgehend im Dunkeln liegenden Geschichte von Sawade zeigen: Eine mit Seidenpapier überspannte Pralinenschachtel sowie ein Bestell- und Adressbuch. Anhand dieses Bestellbuchs sah Stern, wie oft Pralinen auf die Zimmer des legendären Hotel Adlon geliefert wurden – dies sogar noch bis kurz vor Kriegsende 1944. Aus dem Adressbuch schuf sie eine Figur – unter einem anderen Namen und Geburtsdaten als jene der Person, die tatsächlich lebte.

Stern hat zuvor als Deutsch- und Geschichtslehrerin gearbeitet

Zwischen geschichteten Nougatpralinen, Trüffeln und Pralinenkugeln ließ die Autorin, die vorher Deutsch- und Geschichtslehrerin war, die aufmerksamen Naschkatzen durch ihren imaginären Guckkasten auf die Straße Unter den Linden, das alte Hotel Adlon und die Chocolaterie mitanschauen. Die dreifache Mutter beschrieb, dass sie beim Schreiben das Gefühl hatte, in solch einen Guckkasten zu blicken, wie man ihn früher in der Schule gebastelt und ausstaffiert hatte. Noch nachdenklich und in die Geschichte um die Protagonistin in den „dunklen Zeiten“ versunken, konnten die Zuhörerinnen Fragen stellen und ihre Bücher signieren lassen. Nächstes Jahr wird es ein weiteres Buch von ihr geben.

Gutes Feedback gab es unter anderem von Zuhörerin Marion Nick. Sie fand die Autorin sehr sympathisch und es sehr reizvoll, dass Ute Hentschel die Lesung mit Schokolade untermalte. Sie kaufte sich einen Band aus Sterns erfolgreicher Reihe „Fräulein Gold“: Dort ermittelt eine junge Hebamme im Berliner der Zwanziger. Zwar wird die nächste Lesung ohne Schokolade stattfinden, Hentschel möchte jedoch mit alkoholfreiem Sekt die Korken knallen lassen. Am 21. Oktober findet zunächst der Novitätenabend 2022 statt, bei dem die schönsten Bücher des Jahres und Lieblingsbücher des Teams vorgestellt werden.

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