Bewegung und Kalzium stärken die Knochen

Chefarzt Dr. Volker Spartmann ist in der St. Lukas Klinik Experte für Geriatrie. Archivfoto: Christian Beier
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Chefarzt Dr. Volker Spartmann ist in der St. Lukas Klinik Experte für Geriatrie. Archivfoto: Christian Beier

Dr. Volker Spartmann, Geriatrie-Chefarzt der St. Lukas Klinik in Solingen, informiert zum Welt-Osteoporosetag

Von Anja Kriskofski

Was ist Osteoporose?

Dr. Volker Spartmann: Unser gesunder Körper arbeitet nach dem Motto „Aus Alt mach Neu“. Während unseres gesamten Lebens wird altes Knochengewebe abgebaut und durch neues ersetzt. Bei Osteoporose ist dieser Erneuerungsprozess gestört. Das hat mit dem Zusammenspiel der Hormone zu tun. Die Geschlechtshormone Östrogen der Frauen und Testosteron bei Männern sind gemeinsam mit Vitamin D dafür verantwortlich, dass Kalzium in den Knochen eingelagert werden kann. Durch die Stoffwechselerkrankung Osteoporose kommen Knochenabbau und -aufbau aus dem Gleichgewicht. Die Folge: Der Knochen verliert an Stabilität, und es kann leichter zu Brüchen kommen.

„Bis zu acht Prozent der Deutschen sind betroffen.“

Wer ist besonders betroffen?

Dr. Spartmann: Der Abbau beginnt etwa mit dem 40. Lebensjahr. Eine krankhafte Veränderung der Knochenstruktur zeigt sich dann bei Frauen in der Regel nach dem 45., bei Männern nach dem 55. Lebensjahr – wobei Frauen mehr als doppelt so häufig betroffen sind. Man nimmt an, dass die hormonellen Veränderungen nach den Wechseljahren dafür verantwortlich sind und das fehlende Östrogen zu einem verstärkten Knochenabbau führt. Insgesamt geht man davon aus, dass bis zu acht Prozent der Deutschen von Osteoporose betroffen sind.

Wie können Patienten vorbeugen?

Dr. Spartmann: Die Basis für starke Knochen im Alter wird in der Jugend gelegt. Wer sich viel bewegt, die Vitamin-D-Produktion durch UV-Strahlung anregt und ausreichend Kalzium zu sich nimmt, kann früh die Knochen für das Alter stärken. Auch wenn in der Jugend die Grundlagen geschaffen werden: Auch Ältere können noch etwas für gesunde Knochen tun, zum Beispiel durch eine ausreichende Kalziumzufuhr durch Milchprodukte oder kalziumreiches Mineralwasser. Und: Gehen Sie raus! Eine Stunde an der frischen Luft reicht selbst bei bedecktem Wetter aus, damit der Körper ausreichend Vitamin D produzieren kann.

„Es gibt nicht die eine, für alle gültige Behandlung.“

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Dr. Spartmann: Es gibt nicht die eine, für alle gültige Behandlung bei Osteoporose. Durch den Knochenschwund sind Struktur und Stabilität individuell geschädigt, entsprechend individuell ist auch die Therapie. Es sind eine Vielzahl von Elementen, die hier zusammenwirken. Die wichtigsten aus meiner Sicht: Ernährung, Bewegung, Medikamente und Sturz-Prävention. Denn im Alter können nicht nur die Knochen leichter brechen, oft kommt eine Gangunsicherheit dazu, die zu vermehrten Stürzen führen kann.

Wie werden Patienten behandelt, wenn es zum Knochenbruch kommt?

Dr. Spartmann: Ganz wichtig ist das Zusammenspiel von Geriatern, erfahrenen Chirurgen und guten Physiotherapeuten. Oft wird Osteoporose erst durch einen Knochenbruch diagnostiziert. Danach! Klassisch ist es nach einem Sturz ein Oberschenkelhalsbruch, der operativ versorgt werden muss, wenn die Patienten mobil bleiben wollen. Wir nennen das Alterstraumatologie, ein Spezialgebiet innerhalb der Unfallchirurgie. Man kann sich gut vorstellen, dass Platten und Schrauben, die den Bruch fixieren sollen, in der porösen Knochenstruktur schlecht halten. Damit das gelingt und die Knochen gut heilen, braucht man in der Alterstraumatologie erfahrene Chirurgen. Nach der Operation müssen die Patienten früh mobilisiert werden. Früher durften sich Patienten oft wochenlang kaum bewegen, weil man dachte, dass der Bruch dadurch besser heilen kann. Die Folge waren versteifte Gelenke, die dann mühevoll gemeinsam mit den Physiotherapeuten wieder beweglich gemacht werden mussten. Eine furchtbare Zeit für viele Patienten, in der sie oft komplett auf fremde Hilfe angewiesen waren.

Geriatrie

Persönlich: Dr. Volker Spartmann ist Facharzt für Innere Medizin mit den Zusatzqualifikationen Geriatrie, Palliativmedizin und Internistische Intensivmedizin.

Klinik: Schwerpunkt der Geriatrie der St. Lukas Klinik ist neben Diagnose und Therapie die Geriatrische Tagesklinik mit 18 Behandlungsplätzen für teilstationäre Betreuung.

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