Coronavirus

So gehen die Betriebe in Burscheid mit Omikron um

Geschäftsführer Roman Fietz, Archivfoto:Doro Siewert
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Geschäftsführer Roman Fietz, Archivfoto:Doro Siewert

Die meisten Mitarbeitenden sind geimpft oder geboostert: Burscheids Unternehmen haben sich auf hochansteckende Variante eingestellt.

Von Stephan Eppinger

Burscheid. Die Omikron-Welle bringt derzeit immer wieder Rekordzahlen bei den täglichen Neuinfektionen. Das bedeutet auch, dass Erkrankte sich zehn Tage lang isolieren müssen und dass teilweise auch direkte Kontaktpersonen sich in Quarantäne begeben müssen. Gerade für die kritische Infrastruktur kann dies zu einem Problem werden. So mussten in einigen deutschen Großstädten bereits die Fahrpläne der Verkehrsunternehmen wegen der hohen Krankenstände ausgedünnt werden. Betroffen sind aber auch der Einzelhandel und andere Unternehmen. Wir haben uns dazu einmal in Burscheid umgehört.

Federal Mogul: Beim größten Arbeitgeber der Region gilt Homeoffice soweit wie möglich

Zu den größten Arbeitgebern der Region zählt der Autozulieferer Federal Mogul mit seinen Burscheider Werken, der zur Tenneco Gruppe gehört. Dort sind insgesamt rund 1 600 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 1 300 in der Produktion und 300 im Bereich Forschung & Entwicklung (Engineering) sowie Verwaltung. In den Bereichen Engineering und Verwaltung wird bereits seit März 2020, wo es möglich ist, von zu Hause bzw. von außerhalb des Werksgeländes gearbeitet.

„Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter haben für Tenneco höchste Priorität. Bereits seit Beginn der Pandemie wurden am Standort Burscheid umfangreiche Schutzmaßnahmen eingeleitet und eine spezielle Corona Task Force installiert, die täglich tagt, um schnellstmöglich auf entsprechende Situationen reagieren zu können. So haben wir auch die gesetzlichen Verordnungen zur 3G-Regel am Arbeitsplatz reibungslos umsetzen können und setzen diese weiterhin den Anforderungen entsprechend um. Die neue Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich weltweit weiter aus und trägt aufgrund ihrer gegenüber anderen Varianten erhöhten Infektiosität mittlerweile mehrheitlich zum Corona-Infektionsgeschehen bei. Das betrifft auch den Tenneco-Standort Burscheid“, sagt Pressesprecher Stefan Zech auf Anfrage.

„Die mittels geeigneter Tests festgestellten Corona-Infektionen und daraus folgenden behördlichen Quarantänemaßnahmen führen auch bei uns zum Ausfall von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Ausfallrate am Tenneco-Standort Burscheid bewegt sich momentan im Rahmen der auch in anderen Jahren in diesem Zeitraum zu verzeichnenden saisonalen Abwesenheit, zum Beispiel aufgrund von Grippeerkrankungen. Aktuell können wir die durch Omikron-Infektionen bedingten Abwesenheiten durch entsprechende Personaleinsatzplanung und angepasste Abläufe ausgleichen. Falls notwendig, kommen temporär auch externe Arbeitskräfte zum Einsatz. Wir appellieren weiterhin an alle unsere Beschäftigten - soweit noch nicht erfolgt - sich impfen zu lassen bzw. ihren Impfstatus durch eine Booster-Impfung aufzufrischen“, erläutert Zech.

Burscheider Fietz-Gruppe setzt auf Tests

Geschäftsführer Roman Fietz,

Zur Industrie gehört auch die Burscheider Fietz-Gruppe, die ihren Sitz an der Industriestraße hat. Dort produzieren die 245 Mitarbeiter kundenspezifische Lösungen aus thermoplastischen und fluorthermoplastischen Kunststoffen. Beliefert wird schwerpunktmäßig die Automobil- und die Maschinenbauindustrie. „Um die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und einem massiven Personalausfall mit Produktionsstillstand vorzubeugen, sind unsere Mitarbeitenden angehalten worden, sich unabhängig ihres 3G-Status täglich zu Hause per Antigenschnelltest selbst zu testen. Dazu stellen wir den Mitarbeitern die nötigen Antigenschnelltests zur Verfügung. Jeder Mitarbeitende muss den Test bei Arbeitsantritt vorlegen. Wir nehmen bewusst die erhebliche finanzielle Belastung in Kauf, um die Produktion zu sichern. Gemäß der aktuellen Verordnung herrscht im Gebäude am Arbeitsplatz Maskenpflicht. Homeoffice wird, wo es möglich ist, genutzt, und Besprechungen finden per Video-Meeting statt. Wir hoffen damit, die Auswirkungen auf unser Unternehmen in Grenzen zu halten und sind bis jetzt ganz gut damit gefahren“, erklärt Geschäftsführer Roman Fietz.

Auch bei der Bäckerei Kretzer hat man das Infektionsgeschehen im Blick: „Wir setzen alle Maßnahmen, die unsere Mitarbeiter schützen, streng um, das gilt auch für unsere Fahrer und die Arbeit in den Filialen. In der Backstube haben wir zum Glück genügend Fläche, so dass man dort die Abstände einhalten kann. Auch in den Filialen versuchen wir, die Menschen soweit wie möglich auseinander zu ziehen, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Wo die Reise in der aktuellen Welle hingeht, ist aber schwer vorauszusagen. Wir haben eine dezentrale Struktur mit insgesamt zwölf Standorten. Da muss man eine gewisse Flexibilität zeigen, und alle Mitarbeiter müssen an einem Strang ziehen, was bei uns auch hervorragend funktioniert. Man hilft sich da immer auch untereinander. Ich halte es für falsch, jetzt Panik zu verbreiten, ein sensibler und vorsichtiger Umgang mit dem Thema ist weit sinnvoller“, sagt Richard Kretzer.

Bäckereichef Richard Kretzer. 

FFP2-Masken, Einzelbüros und Lüften sind das A und O bei Dibo

Beim Tierfuttermittelhersteller Dibo hat man die Lage im Griff: „Die Situation ist jetzt am Höhepunkt der Welle sicher angespannt; wir hatten bislang aber noch keinen einzigen Corona-Fall. Die absolute Mehrheit unserer Mitarbeiter ist geimpft, und ein Großteil ist auch schon geboostert. In der Produktion ist das Tragen von FFP2-Masken Pflicht. Im Verwaltungsbereich haben wir für jeden Mitarbeiter ein Einzelbüro. Wir wollen es nicht riskieren, dass bei zu vielen Ausfällen Sachen auf der Strecke bleiben. In der Produktion haben wir zudem das Glück, dass in der großen, hohen Halle alles sehr gut durchlüftet ist. Türen und Tore bleiben auch jetzt im Winter offen. Außerdem haben wir keine Leiharbeiter, sondern ein festes Team, das die Lage gut im Griff hat“, berichtet Remi Selbach.

DIBO-Chef Remi Selbach.

Bei der Burscheider Buchhändlerin Ute Hentschel wurde lange mit getrennten Teams gearbeitet: „Das haben wir aber nach dem Lockdown im vergangenen Sommer wieder aufgegeben. Wir arbeiten jetzt wieder ganz normal zusammen. Das getrennte Arbeiten über anderthalb Jahre ist allen hier an die Substanz gegangen. Alle im Team sind geboostert, und die Gefahr von großen Ausfällen ist damit relativ gering. Außerdem müssen geboosterte Kontaktpersonen auch nicht in Quarantäne. Sollte es doch Ausfälle geben, können wir das jetzt in der eher ruhigen Zeit im Februar verkraften, da kann man zur Not auch mal alleine im Laden arbeiten“, erklärt Hentschel.

Buchhändlerin Ute Hentschel.

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