Im Gespräch

Besser als erwartet durch die Krise gekommen

Oben auf dem Dach seiner Firma: Geschäftsführer Maryo Fietz hat seine Firma auf die Pandemie eingestellt. Vieles läuft digital, auf Besuche von Kunden und Lieferanten wird verzichtet. Ein zweiter Lockdown wäre fatal, sagt er. Archivfoto: Doro Siewert
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Oben auf dem Dach seiner Firma: Geschäftsführer Maryo Fietz hat seine Firma auf die Pandemie eingestellt. Vieles läuft digital, auf Besuche von Kunden und Lieferanten wird verzichtet. Ein zweiter Lockdown wäre fatal, sagt er.

Interview mit dem Burscheider Unternehmer Maryo Fietz.

Von Stephan Eppinger

Wie hat sich die Lage in Ihrem Unternehmen verändert?

Maryo Fietz: Wir sind mittendrin in der Pandemie. Aktuell sind 30 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit und am Freitag ist der Betrieb geschlossen. Die Entscheidung der Regierung, dieses Mittel von Anfang an einzuführen, hat uns sehr geholfen. So konnten wir unsere Mitarbeiter halten. Bei der Autoindustrie sehen wir den Silberstreif am Horizont, beim Maschinenbau ist das derzeit noch nicht der Fall. Das Auftragsvolumen hat sich aktuell um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verringert, beim Umsatz sind es 20 Prozent minus. Das wird sich aber bis zum Jahresende verbessern. Eine steigende Tendenz können wir jetzt schon verzeichnen. Am Markt gibt es derzeit einen harten Preiskampf um die wenigen noch vorhandenen Aufträge. Gut ist, dass viele Unternehmen jetzt wieder mehr auf europäischen bzw. deutsche Bezugsquellen setzen. Das hat sich daraus ergeben, dass bei den Lieferketten aus Asien Lücken durch die Krise entstanden sind, die zu Schwierigkeiten geführt haben. Das dürfte sich für uns als deutsche Lieferanten jetzt positiv auswirken.

Wie blicken Sie aktuell auf die steigenden Corona-Infektionszahlen?

Fietz: Mich ärgert das, weil wir dabei sind, eine gute Chance zu verspielen. Die Zahlen waren auf sehr niedrigem Niveau, und jetzt ändert sich das, weil die Menschen sich im Ausland anstecken oder private Partys feiern. Ich hoffe, dass das nicht aus dem Ruder läuft und wir nicht auf einen zweiten Lockdown zusteuern. Das wäre gerade für Restaurants, Hotels und Veranstalter sehr fatal. Wir sind zum Glück keine von Corona geschädigte Branche wie die Reiseunternehmen. Unser Geschäftsmodell ist noch in Ordnung, und wir sind bislang besser als erwartet durch die Krise gekommen.

Wie gehen die Mitarbeiter mit der Situation um?

Fietz: Unsere Mitarbeiter sind froh, dass Entlassungen vermieden werden konnten. Sie haben zwar durch die Kurzarbeit finanzielle Einbußen, dafür haben sie aber ihren Job. Jetzt in der Krise Arbeit zu finden, ist unmöglich. In dieser Situation stellt kein Unternehmen ein. Die Leute halten wegen der Unsicherheit ihr Geld zusammen und verzichten auf Konsum. Viele waren nicht im Urlaub und konnten so Geld sparen.

Wie gehen Sie im Betrieb mit dem Infektionsrisiko um?

Fietz: Wir hatten bislang keinen bekannten Corona-Fall. Jeder, der aus dem Ausland kommt, muss einen negativen Test vorweisen. Sonst muss er bei der Arbeit Maske tragen. Wer aus Risikogebieten kommt, muss, wenn er keinen negativen Test hat, zu Hause bleiben und dafür regulären oder unbezahlten Urlaub nehmen. Die Tests werden von uns bezahlt, und wir geben Hinweise, bei welchen Ärzten man sich testen lassen kann. Wir sind hier sehr konsequent, da wir unsere Mitarbeiter und den Betrieb schützen wollen. Allerdings haben wir auch gesehen, dass in diesem Jahr viele auf Auslandsreisen verzichtet haben und zu Hause geblieben sind.

Wie gehen Sie aktuell mit der Pandemie um?

Fietz: Etwas gelassener, aber ich bleibe überwiegend zu Hause und vermeide große Menschenansammlungen wie in Fußgängerzonen. Beim Einkaufen trage ich selbstverständlich Maske. Im Unternehmen verzichten wir auf Besuche von Kunden und Lieferanten und fahren selbst auch nicht raus. Da leisten Telefon- und Videokonferenz gute Dienste. Aktuell gibt es auch keine Betriebsversammlungen, das läuft über Videos. Wir haben zudem die Mitarbeiter einzelner Abteilungen über unsere Standorte besser verteilt, so dass bei einem Corona-Fall nicht die komplette Abteilung ausfällt. Auch beim Schichtsystem gab es Veränderungen. Hier werden Überlappungen vermieden, und zwischen den Schichten gibt es jetzt immer eine Viertelstunde Pause.

Was macht Ihnen aktuell Hoffnung und was Sorge?

Fietz: Sorgen macht mir eine zweite, nicht mehr beherrschbare Welle und der damit verbundene fatale zweite Lockdown. Das könnte dann für die Wirtschaft wirklich kritisch werden. Hoffnung macht mir, dass es bei den Impfstoffen Fortschritte gibt. Ich hoffe, dass wir so irgendwann so weit sind, mit dem Ganzen abzuschließen.

Hintergrund

Unternehmen: Die Fietz-Gruppe ist ein Firmenverbund aus vier verschiedenen Unternehmen der kunststoffverarbeitenden Industrie mit Standorten in Burscheid und Radevormwald und besteht aus Fietz GmbH, Fietz Automotive GmbH, Fietz Thermoplast GmbH und Fietz Polychromos GmbH. Gegründet wurde das Unternehmen, wie es auf der Homepage heißt, von Manfred Fietz „ganz klassisch in der Garage“. 1977 bezog man erste eigene Räume, 1985 ging es an den heutigen Standort in Burscheid an der Industriestraße. 2001 übernahm mit Maryo Fietz die zweite Generation. Gerade eben erst engagierte sich der Unternehmer bei der frisch aus der Taufe gehobenen Baumpflanzkampagne der Stadt und setzte in Löh zwölf Silberlinden.

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