Migrationsberatung

Berater schöpft aus eigener Lebenserfahrung

Ortstermin im Burscheider Büdchen (v. l.): Antonio Espinosa Segovia, Jose Ramon Alvarez Orzaez und Nicole Wittmann.
+
Ortstermin im Burscheider Büdchen (v. l.): Antonio Espinosa Segovia, Jose Ramon Alvarez Orzaez und Nicole Wittmann.
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Burscheider Büdchen und Bundesverband der Spanier bieten zusammen Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer an.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. „Ich fühle mich wohl hier“, sagt José Ramón Alvarez Orzáez und blickt durch die großen Fenster des Burscheider Büdchens hinaus in die Nachbarschaft. „Ich glaube, das liegt am Viertel hier. Das ist menschlich und nah.“ Ein Eindruck, den Nicole Wittmann, Leiterin des Burscheider Büdchens an der Luisenstraße, nur unterstreichen kann: „Wir kennen die Hunde mit Namen“, sagt sie augenzwinkernd. Immer wieder bleiben an der Straße Passanten stehen und stecken dann die Nase für einen raschen Gruß durch die Eingangstür. Nachbarn eben. Und das Büdchen mittendrin.

Es ist somit der perfekte Dreh- und Angelpunkt für José Ramón Alvarez Orzáez, der jeden zweiten Donnerstag von 10.30 bis 13.30 Uhr vor Ort ist und dort eine Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer anbietet. „Dabei hilft, dass ich selbst südländisch aussehe“, sagt er und streicht sich über den dunklen Haarschopf. Ein Erbe der spanischen Vorfahren.

Denn Träger des Angebots ist der Bundesverband spanischer sozialer und kultureller Vereine mit Sitz in Remscheid. Gerade feierte man an der dortigen Hindenburgstraße das 45-jährige Bestehen. Im Umland bietet der Verein mobile Beratungsstellen an: Neben Burscheid sind das Odenthal, Overath, Bergisch Gladbach und Wermelskirchen. Seit 2019 besteht die Kooperation mit dem Burscheider Büdchen. Und man wendet sich keineswegs nur den spanischen Immigranten zu, sondern allen Zuwanderern und Flüchtlingen von 27 Jahren an aufwärts.

Wie es ist, ein Pendler zwischen den Welten zu sein, das wissen José Ramón Alvarez Orzáez und der Vorsitzende des Spanischen Bundesverbands, Antonio Espinosa Segovia, selbst sehr genau. Letzterer kam in den 70ern mit seinem Vater aus Granada nach Remscheid. „Damals lebten dort rund 8000 Spanier“, erzählt er. Sie hatten eigene Vereine und eine eigene Kirchengemeinde. „Genau so, wie es viele Portugiesen in Burscheid gibt“, sagt er. Inzwischen gibt es in Remscheid gerade noch etwas über 1000 Spanier; dort lebt die dritte Generation, die oftmals einen deutschen Pass hat.

Der 40-jährige José Ramón Alvarez Orzáez ist in Remscheid geboren, hat dort das heutige Emma-Herwegh-Gymnasium besucht und in Köln Sprachwissenschaft mit Schwerpunkt Übersetzen/Dolmetschen studiert. Zwischen Spanisch und Deutsch wechselt er mühelos hin und her: „Ich habe auch ein Jahr in Spanien gelebt und versucht, dort Arbeit zu finden“, erzählt er.

Es sind Erfahrungen, die ihm helfen, sich in die Zuwanderer hineinzufühlen und Vertrauen aufzubauen. „Die Leute wissen, sie sind nicht mehr allein“, sagt Nicole Wittmann. Thema der Beratungen sind alle nur denkbaren Problemlagen. Was braucht man für eine Bewerbung? Wie formuliert man ein Anschreiben? Wie kann man die Abschlüsse aus dem Heimatland nachweisen? Wie eine Wohnung finden? Wo Deutsch lernen? „Sprache ist der erste Schritt zur Integration. Das stärkt die Selbstständigkeit“, sagt Alvarez, dem von klein auf die Rolle des Dolmetschers vertraut ist: für seine Eltern. Er berät Flüchtlinge, aber auch Zuwanderer aus Bulgarien, Russland und Lateinamerika. Und kann selbst zudem mit fließendem Englisch und Französisch aufwarten. Seit 2011 arbeitet er beim Bundesverband der Spanier und ist wieder in seine deutsche Heimatstadt zurückgekehrt. „Als einziger“, sagt er: Der Rest der Familie lebt wieder in Andalusien.

Seine beiden Muttersprachen hat Alvarez immer als kulturellen Reichtum begriffen. Als Chance. Und er freut sich, wenn er auf Ähnlichdenkende trifft. Wie auf den jungen Syrer, der völlig ohne Deutschkenntnisse ins Land kam und der inzwischen den B2-Kurs absolviert und Arbeit gefunden hat. „Kaum einer will hier nur Leistungen beziehen“, sagt José Ramón Alvarez Orzáez über die Menschen, die in seine Beratungsstunden kommen. „Die meisten wollen etwas erreichen, wollen sich einbringen. Dass jemand mit uns einen Termin ausmacht und dann nicht erscheint, ist die Ausnahme.“

Der Spanische Bundesverband hat sich in den Jahrzehnten seines Bestehens ein großes Netzwerk aufgebaut. „Darauf können wir beidseitig zugreifen“, sagt Nicole Wittmann. Und manchmal sind es die kleinen Dinge, die für Berater und Hilfesuchende zählen: „Ich deponiere hier auch Post.“

Kontakt unter Tel. (0 21 91) 42 15 31 oder per E-Mail an: jose.alvarez@iree.org

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Burscheider Vereine stärken die Stadt
Burscheider Vereine stärken die Stadt
Burscheider Vereine stärken die Stadt
Nicht allein die Noten sind entscheidend
Nicht allein die Noten sind entscheidend
Nicht allein die Noten sind entscheidend

Kommentare