Handel

Beim Umsatz kommt es auf die Ware an

Die Einzelhändler an der oberen Hauptstraße haben bereits seit einem Monat geschlossen.
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Die Einzelhändler an der oberen Hauptstraße haben bereits seit einem Monat geschlossen.

Der erste Monat im Lockdown für die Einzelhändler.

Von Katharina Birkenbeul

Burscheid. Anastasia Vasilakopoulou packt fleißig Online-Bestellungen. Und damit ist die Inhaberin des Mode- und Schmuckgeschäftes „liebevoll“ nicht die Einzige. Auch die anderen Einzelhändler auf der Hauptstraße – darunter Buchhändlerin Ute Hentschel und Maryam Khashroum als Inhaberin der Stoffzaubermaus – sind dabei, unzählige Pakete zu versenden oder zu liefern. Und alle scheinen im Lockdown besser klar zu kommen, als vorher befürchtet.

Seit dem 16. Dezember bis mindestens zum 31. Januar müssen Einzelhändler in Deutschland ihre Läden schließen. Das wurde Ende des vergangenen Jahres von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder in einer Konferenz beschlossen. Allerdings ist es in den meisten Bundesländern – und dazu zählt auch NRW – erlaubt, seine Ware zu liefern oder an der Tür kontaktlos abzugeben.

Ute Hentschel hat aber mit Bestellungen alle Hände voll zu tun.

„Das wird von den Kunden super angenommen“, sind sich Vasilakopoulou, Hentschel und Khashroum einig. Die Kunden seien zudem dankbar und freundlich, trotz der stressigen Umstände. „Die Leute fallen einem fast um den Hals, so doll wird es wertgeschätzt. Alles funktioniert so unkompliziert und normal“, so Hentschel.

Doch Dankbarkeit füllt die Kassen nicht: „Wir haben in einer Woche vielleicht den Umsatz wie an einem Tag“, erklärt Vasilakopoulou. Das größte Problem für sie ist aber ein anderes: Den Verkauf der Mode, der jetzt nicht stattfindet, kann sie nicht nachholen. Die neue Mode müsse bereits bis zu einem Jahr im Voraus bestellt werden, da war von Corona noch keine Rede. Im kommenden Jahr muss sie die Winterklamotten dann günstiger an den Mann bringen. „Ich hatte schon so viele schlaflose Nächte, weil ich weiß, dass man Jahre daran zu knabbern hat, bis es sich wieder stabilisiert.“ Um auf die Situation der Einzelhändler hinzuweisen, nimmt die Inhaberin des „liebevoll“ an der deutschlandweiten Aktion „Wir machen auf_merksam“ teil. Khashroum betreibt zwei Online-Shops gleichzeitig, Bestellungen hat sie einige. An den normalen täglichen Umsatz komme sie aber auch nicht.

Buchhandel arbeitet bereits seit acht Jahren mit einem Online-Shop

Anders sieht es bei der Buchhandlung Ute Hentschel aus. „Wir hatten erst Befürchtungen, wie es sein wird, aber auch wenn es schleppender ist als im Frühling, wir können kostendeckend arbeiten“, sagt Ute Hentschel. Die Buchhandlung sei gut aufgestellt. „Wir haben einfach die Infrastruktur dafür schon vorher gehabt“, erklärt die „Wir für Burscheid“-Sprecherin die Unterschiede zu den anderen Einzelhändlern. Auf einen Onlineshop greife Hentschel schon seit acht Jahren zurück und sei heilfroh darüber, nicht jetzt erst damit anfangen zu müssen. Ausgebaut hat die Buchhändlerin ihn aber dennoch: mit einem Newsletter und einem Social-Media-Auftritt.

„Aber anderen geht es nicht so gut“, bedauert sie. Das liege neben dem Aufbau eines Online-Shops auch an der Ware. „Bei einem Buch weiß jeder was er kauft, eine Bluse muss ich eigentlich persönlich anprobieren.“

Besorgt, dass die Kunden den Innenstädten in Zukunft nach dem Lockdown fern bleiben, etwa durch die neuen Online-Angebote, ist Ute Hentschel nicht: „Wer will, hat die Möglichkeit, die Geschäfte in Burscheid zu unterstützen und so zu erhalten. Zudem: In der oberen und mittleren Hauptstraße tut sich viel. Eine sterbende Innenstadt sehe ich nicht.“

Finanzielle Unterstützung

Im Lockdown kommen viele Einzelhändler nicht an ihren normalen Umsatz. Die Bundesregierung unterstützt Solo-Selbstständige, Unternehmen und Einrichtungen, die von der temporären Schließung betroffen sind, mit finanziellen Hilfen. Für November und Dezember stehen außerordentliche Wirtschaftshilfen zur Verfügung. Die verbesserte Überbrückungshilfe III startet im Januar und gilt bis Juni 2021. Allerdings scheint es dabei eine Hürde zu geben: „Ich hab zu Corona-Hilfen für Einzelhändler keinerlei Informationen bekommen und muss mich selbst kundig machen. Das scheint anders als bei den Gastronomen zu sein“, sagt Anastasia Vasilakopoulou als Inhaberin des Mode- und Schmuckgeschäftes „liebevoll“.

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