Bei Vollmond ist es besonders geheimnisvoll

St. Laurentius wirkt im Mondlicht ganz schön mystisch. Der Tabernakel (unten) und das Kreuz Jesu betrachteten die Gäste bei der Führung.  Fotos: mc
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St. Laurentius wirkt im Mondlicht ganz schön mystisch. Der Tabernakel (unten) und das Kreuz Jesu betrachteten die Gäste bei der Führung.  Fotos: mc

Mystagogische Kirchenführung in St. Laurentius

Von Michael Corts

Als sich dieser Tage eine Hand voll Menschen in gehörigem Abstand zueinander vor Burscheids katholischer Kirche trafen, beleuchtete der Vollmond fast wie inszeniert das Backsteingebäude von St. Laurentius. Der monatlich für helle und für manche Menschen schlaflose Nächte sorgende Satellit war aber nicht Anlass für die Einladung von Hannelore Kaiser und Heike Vetsch. Die beiden ehrenamtlich in der Gemeinde tätigen Damen hatten einen besonderen Gottesdienst vorbereitet. Mit einer mystagogischen Führung erwartete die Teilnehmer ein abendlicher Einblick in Raum und Liturgie einer katholischen Kirche.

Der Religiosität der Kirche auf die Spur kommen

Die schwere Eingangstüre öffnete sich, und an der Grenze von draußen und drinnen empfing die Besucher ein ungewöhnlich dunkel und anheimelnd wirkendes Gotteshaus. Nach dem Überschreiten der Schwelle des Eingangsportals ließ sich die kleine Gruppe rund um das den Vorraum dominierende Weihwasserbecken nieder. Heike Vetsch lud ein, mit ruhiger Musik anzukommen und erklärte dann die Mystagogie als Hinführung in die Geheimnisse des Göttlichen. In dem in diesem Sinne geprägten Kirchenbesuch, so Vetsch, „möchte man zusammen den Handlungsorten der Kirche in ihrer inneren religiösen Bedeutung auf die Spur kommen“.

Die gespannt lauschenden Gäste unterschiedlicher Konfessionen erfuhren von Hannelore Kaiser, dass das früher mal als Taufbecken genutzte Becken aus Muschelkalk mit den im Rand eingelassenen Emaillearbeiten mit den Zeichen der Dreifaltigkeit an die Taufe erinnern soll. Hannelore Kaiser wies darauf hin, dass bedingt durch Corona das üblicherweise mit geweihtem Wasser gefüllte Gefäß nun leer sei, aber jeder Gläubige sich an dieser Stelle auch ohne Wasser gesegnet fühlen darf.

Der weitere Gang durch St. Laurentius in Richtung des Altars, von jedem Gast einzeln und nahezu meditativ durchschritten, beeindruckte mit wirklich mystischer Atmosphäre. Flackerndes Kerzenlicht harmonierte mit dem gelblichen Licht der durch die großen farbenfrohen Fenster scheinenden Straßenbeleuchtung. Auf einzelnen Plätzen angekommen, markiert durch kleine Kerzen, befanden sich die nächtlichen Gäste nun vor dem zentralen Ort jeder christlichen Kirche, dem Altar.

Hier, wo auch die Achsen von Haupt- und Querschiff sich baulich vereinigen, haben Heilige Messe und die im katholischen Glauben übliche Wandlung von Brot und Wein im Rahmen der Eucharistiefeier ihren Mittelpunkt. Im Altarblock von St. Laurentius befindet sich in einer vergitterten Nische ein Reliquiar des namensgebenden Pfarrpatrons der Gemeinde. Heike Vetsch wies auf fünf in der Altarplatte eingravierte Kreuze hin – Symbole für die Wunden Jesu am Kreuz und lud die Anwesenden zum gemeinsamen „Vater unser“ ein.

Zur linken Seite des Altars befindet sich der Tabernakel. Das nun für die Besucher mit einem Licht in den Mittelpunkt gerückte Bronzekunstwerk nach einem Entwurf des Wuppertaler Künstlers Willi Dirx ist der Aufbewahrungsort der geweihten Hostien. Die Vorderseite des lateinisch „Zelt“ oder „Haus“ bedeutenden Schreins zeigt eine biblische Darstellung der Emmausjünger. Die stille Betrachtung des in Nähe des Tabernakels leuchtenden Ewigen Lichtes, hier an einem gerne gewählten Gebetsplatz, ließ die kleine Gruppe inne halten und einem von Flöten und Geigen begleiteten israelischen Gesang lauschen. Heike Vetsch richtete einen Scheinwerfer neu aus. Im hellen Licht erstrahlte die goldbraune metallische Abbildung der Pfingstpredigt des Apostels Petrus. Die Darstellung befindet sich auf dem Ambo, einem Pult für die Lesungen in der Heiligen Messe. Heike Vetsch nahm die Besucher mit zu einer Lesung aus dem Lukasevangelium und zeigte dabei die Zusammengehörigkeit von Altar und Ambo auf.

Hannelore Kaiser lenkte die Blicke nun auf das, wie sie sagte, wichtigste Symbol der Christen: Das Kreuz. Wesentlicher Ort jeder christlichen Kirche. Symbol, Erinnerung und Hoffnung. Zu den Geheimnissen des Leidens, Sterbens und der Auferstehung las Kaiser einen Text von Jörg Zink vor. Die in Zinks Formulierung des Psalms 22 erkennbare Hoffnung und Erwartung auch in Zeiten und Momenten großer Not spiegelte sich in einem Musikstück wider.

Mit einer Kerze in der Hand ging es nun zur letzten Station der Führung. In der nördlichen kleinen Kapelle, dem Ort des Taufbeckens, fand die spannende Erfahrung der mystagogischen Besichtigung mit Texten zur Taufe und der Dreifaltigkeit ein Ende.

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