Ehrenamt

Begleiter klammern den Schmerz nicht aus

Engagieren sich in der Hauptstraße 57: Gisela Prägler-Hoth, Martina Dürdoth und Koordinatorin Beate Heß (v.l.).
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Engagieren sich in der Hauptstraße 57: Gisela Prägler-Hoth, Martina Dürdoth und Koordinatorin Beate Heß (v.l.).
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Martina Dürdoth und Gisela Prägler-Hoth arbeiten ehrenamtlich für das Ökumenischen Hospiz.

Von Nadja Lehmann

Tod und Trauer sind an Weihnachten besonders schmerzhaft. Sind doch für viele Menschen diese Feiertage das Familienfest schlechthin. Doch wenn ein nahes Familienmitglied oder ein enger Freund im vorausgegangenen Jahr gestorben ist, bleibt bei den meist jahrzehntelang eingeübten Weihnachtstraditionen der Platz der verstorbenen Person unbesetzt. Diese schmerzhafte Lücke an der festlich geschmückten Tafel kann dazu führen, dass sich die Trauer über den Verlust Bahn bricht – oft auch plötzlich und unerwartet.

Es sind Gefühle, die Koordinatorin Beate Heß und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter vom Ökumenischen Hospiz Hausbetreuungen Burscheid e. V. nicht ausklammern, im Gegenteil: Sie binden sie ins Leben ein, schaffen Angebote für Trauernde und Räume, in denen Platz für ihre Empfindungen ist. Das zeichnete die Stadt Burscheid erst kürzlich mit dem 2. Platz des Heimatpreises aus.

Martina Dürdoth und Gisela Prägler-Hoth gehören zu dem rund 40-köpfigen Team, das sich in der Sterbebegleitung engagiert. Prägler-Hoth, seit Vereinsgründung dabei, gehöre zu den „Urgesteinen“, wie Beate Heß liebevoll sagt. Martina Dürdoth ist seit eineinhalb Jahren dabei, hat mitten in der Pandemie den Befähigungkurs absolviert, der zum Sterbebegleiter qualifiziert. Im katholischen Sankt Laurentius engagiert sie sich gleichzeitig als ehrenamtliche Küsterin.

„Das Thema Tod und Sterben hat mich schon immer beschäftigt“, sagt sie. Obwohl sie persönlich noch keinerlei schlimme Erfahrung mit Tod und Leid habe. 2017, so erzählt sie, habe sie ein Praktikum bei einem Bestatter gemacht: „Ich fand das viel normaler als mein Umfeld.“ Das habe eher irritiert reagiert und den Ratschlag „Mach´doch lieber was Schönes“ parat gehabt.

„Aber für mich fühlte es sich passend an. Es hat sich gefügt“, sagt Martina Dürdoth, die rasch nach ihrem Befähigungskurs in die Begleitung einstieg. Sie traf auf ein Ehepaar, bei dem er im Sterben lag. „Ich habe mich mehr um die Frau gekümmert. Das war dem Mann wichtig und sein Wunsch“, erzählt sie. Noch heute gebe es Kontakt zur Ehefrau.

Wenn Martina Dürdoth kommt, ist der Kaffeetisch gedeckt

Inzwischen kümmert sie sich um eine ältere Dame. Und das sind heitere Besuche, zur Freude Dürdoths: „Sie hat sich wieder erholt. Und wenn ich komme, ist der Kaffeetisch gedeckt. Sie erzählt viel, und das tut ihr gut. Und das ist schön.“

Gisela Prägler-Hoth dagegen hat am eigenen Leib erfahren, wie schmerzhaft Trauer ist. „Als ich vier Jahre alt war, starb mein Vater.“ Für sie ein Schock, auf den nichts und niemand sie vorbereitet hatte. „Plötzlich standen wir vor seinem Grab.“ In der Familie: das große Schweigen. Und für Prägler-Hoth gab es keine Möglichkeit, zu sprechen, zu fragen.

Erst viel später, mit dem Ökumenischen Hospiz, holte sie diese Auseinandersetzung nach. „Ich hatte ein Aha-Erlebnis mit unserem Projekt in den Grundschulen“, erzählt sie. „Hospiz macht Schule“ nannte sich das, und während sich die Eltern skeptisch bis ablehnend verhielten, war das mit den Kindern ganz anders, sie reagierten offen und neugierig: „Das war ein tolles Erlebnis“, erinnert sich Prägler-Hoth.

„Die Leute wollen darüber sprechen“: So hat es auch Martina Dürdoth im Umgang mit Angehörigen beim Bestatter erlebt. Denn nicht nur für den Sterbenden, sondern auch für diejenigen, die zurückbleiben, will das Hospiz-Team da sein. „Dafür sind wir auch da“, betont Koordinatorin Beate Heß.

Aber natürlich gibt es auch die schweren Begleitungen – bei Demenz, bei Bettlägerigkeit oder wenn die Kommunikation endet: „Dann kann man nur noch die Hand halten. Kann da sein. Man probiert aus“, sagen alle drei. „Mit an Demenz Erkrankten kehre ich in Kindheit und Jugend zurück. Da fühlen sie sich sicher“, sagt Gisela Prägler-Hoth. Ihre Einstellung ist kompromisslos: „Wenn man nicht bereit ist, sich als Begleiter auf Menschen einzulassen, kommt man nicht weit. Geplänkel gehört da nicht hin.“ Was Lachen und Fröhlichkeit nicht ausschließe. Im Gegenteil.

Wer wen begleitet, das lotete Beate Heß aus. „Ich gucke, ob es passt“, sagt sie. Ein Schritt von entscheidender Bedeutung: „Die Chemie muss stimmen“, betont Martina Dürdoth. Sich selbst wissen die 40 Begleiterinnen und Begleiter (unter ihnen drei Männer) gestützt von Supervision und Mitarbeiterrunde. „Eine Goldgrube“, sagt Gisela Prägler-Hoth über den vertraulichen Austausch.

Mit Trauer geht auch Einsamkeit einher. Ein geliebter Mensch fehlt, und die Umwelt möchte oftmals schnell zur Normalität zurückkehren.

Mit dem Begegnungscafé hat das Team ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen, um die Menschen zu sich einzuladen und Einsamkeit zu lindern: Jeden ersten Dienstag im Monat treffen sich Interessierte in der Hauptstraße 57. „Man kommt den Menschen näher, ohne dass die Trauer beherrschendes Thema sein muss“, sagt Beate Heß.

Termine

Das Ökumenische Hospiz Burscheid hat sein Büro zentral in der Hauptstraße 57. Dort gibt es jeden 3. Samstag im Monat um 15 Uhr das Trauercafé sowie das Kochen für Trauernde jeden zweiten Freitag im Monat (das nächste Mal am 13. Januar) ab 17 Uhr.

oehhb.de

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