Musikalischer Rundgang

Beethoven gibt sich in Burscheid die Ehre

Gelungene Kooperation im Haus der Kunst: Das Kinderballett der Tanzwerkstatt Trixie Schüttler traf dort auf die Musicalische Academie.
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Gelungene Kooperation im Haus der Kunst: Das Kinderballett der Tanzwerkstatt Trixie Schüttler traf dort auf die Musicalische Academie.

Auf einem Rundgang präsentierten zahlreiche Mitwirkende zum 250. Geburtstag des Komponisten den musikalischen Reichtum der Stadt.

Von Michael Corts

Pünktlich um 11 Uhr startete der große Stadtrundgang, den Beethoven natürlich selbst mit begleitete. Los ging es an der evangelischen Kirche.

Der große Aktionstag „Bur-scheid trifft Beethoven“ als letzte Veranstaltung im Programm des Rheinisch-Bergischen Kreises war eine wahre Musik-Rallye durch Burscheid. Der Jubilar hatte es sich nicht nehmen lassen, zu Ehren seines 250. Geburtstags selbst in Erscheinung zu treten – er begleitete in Person den Sprecher Norbert Müller-Baggen, bekannt aus den bergischen Erzählkonzerten, zu den einzelnen Stationen.

Mit dem durch Kirchenmusikdirektorin Silke Hamburger in Windeseile mit den Gästen einstudierten Kanon „Ars longa, vita brevis“ begann im Innenhof der Evangelischen Kirche der musikalische Rundgang. Der Spontanchor hatte den lateinischen Text übersetzt und „Die Kunst ist lang, das Leben kurz“ samt Melodie blitzschnell drauf. Mehrstimmig ging es ein Stück durchs Örtchen. Die letzten Töne verklangen in der Stadtbücherei und zogen durch die weit geöffneten Fenster in die sonnige Kirchengasse.

In der Kinderleseecke, geschmückt mit Beethoven-Collagen aus dem Kunstunterricht der Johannes-Löh-Gesamtschule, hatten dann die Brüder Theodor und Maximillian Häuser mit „La Marmotte“, einem Lied zum Goetheschen Text des Theaterstückes und dem Rondo in B-Dur ihren Geigenauftritt. Timon Richter strich danach den Bogen zu den Noten der Sonatina in c-Moll. Mitten im samstäglichen Einkaufsgeschehen griffen dann Julia Seifert und Anna Silberzahn zu ihren Querflöten.

Der Zeitplan war dicht getaktet, Beethoven musste drängen

Beethoven drängte indes weiter, denn im Haus der Kunst warteten schon viele Gäste auf eine Uraufführung. Ballettschülerinnen der Leichlinger Tanzwerkstatt Schüttler zeigten ihr Können, begleitet durch die Musicalische Academie. Beethovens „Deutsche Tänze“ – eine Auftragsarbeit, die der Komponist für ein Tanzfest in Wien geschrieben hatte – waren die Grundlage.

„Die Tempi von Orchester und Ballett aufeinander abzustimmen und synchron aufzutreten, war schon eine Herausforderung“, bekannte Ballettlehrerin Trixi Schüttler, die für die vom Orchester vorgelegten Noten mit ihren Kolleginnen eine eigene Choreographie einstudiert hatte. Dass das Ergebnis, ein tänzerischer Mix in acht Bildern, ein sehr sympathischer Ohren- und Augenschmaus war, bewies der lange und tosende Applaus.

Die wirre Künstlermähne passte schon mal: Auch in der Lindenpassage sah Beethoven im Rahmen des Rundgangs vorbei.

Beethoven zum Zweiten, denn ab hier übernahm Dr. Karl Ulrich Voss die Begleitung auf dem weiteren musikalischen Rundgang. In der katholischen Kirche St. Laurentius erfreuten Silke Hamburger und ihr katholischer Kollege Reiner Vallo an der Orgel mit Soli und einem Allegro, ursprünglich geschrieben für eine Flötenuhr, einem mechanischen Musikwerk. Das Gebläse der Weimbs-Orgel in St. Laurentius musste kräftig arbeiten. Vierhändig und -füßig dazu aufgefordert, bliesen alle Pfeifen zum berühmten „Tatatata“ von Beethovens Fünfter.

Nach einer kleinen Verschnaufpause im Pfarrgemeindesaal begleitete von einem Imbiss und Ludwig van Voss’chen Histörchen zu Beethovens Lebensgewohnheiten lud das Klavierhaus Pyschny zu Kammermusik ein. Schüler von Joanna Stepalka-Spix beeindruckten auf Flöten, Harfe und Gitarre mit Motiven der Mondscheinsonate und Max Bruch op. 47, einem Werk basierend auf dem jüdischen Gebet Kol Nidrei. Weitere Stücke präsentierten Schülerinnen und Schüler von Hermann Schmalz.

Kammermusik interpretierten in der Stadtbücherei Maximilian Häuser (Violine) und Anastasia Schmalz (Klavier).

Mit dabei auch samt Eltern und Oma der achtjährige Samuel Frenzel, der erst seit einem Jahr Violine spielt und seinen ersten Auftritt hatte. Das Programm hier war sehr reichhaltig, so dass der weitere Weg zum Megafon zeitig und zügig in Angriff genommen werden musste, um dort den vierten Satz der Neunten Symphonie zu hören.

Beethoven hätte seine Freude an der kräftigen unüberhörbaren Version des Stückes durch das Schlagzeugensemble der Musikschule gehabt, denn als er die Neunte komponierte, war er wohl schon fast taub. Mit Stücken aus Beethovens Symphonie Nr. 7 präsentierte sich eine Musikschulformation aus Jugendstreich- und Bläser-Ensembles und beendete einen abwechslungsreichen, mit großem Aufwand gestalteten Musiktag.

Hintergrund

Beethoven war auch ein hervorragender Organist und spielte bereits als Zwölfjähriger in seiner Heimatstadt Bonn am Spieltisch der Minoritenkirche. Als Mieter war er wohl nicht so beliebt. Seine Gewohnheit, sich gegen „Gedankenhitze“ einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf zu gießen, führte zu über 60 Umzügen.

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