Der „Bandfresser“ wird vertrieben

Gemeinsam versuchen die Teilnehmer des Reparaturcafés Gegenstände wieder ans Laufen zu bringen. Foto: Michael Corts
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Gemeinsam versuchen die Teilnehmer des Reparaturcafés Gegenstände wieder ans Laufen zu bringen. Foto: Michael Corts

Das Reparaturcafé blickt zurück in eine normale Zeit

Von Michael Corts

Leider müssen die beliebten Reparaturtreffs mit „Kaffee & Klön“ im Reparaturcafé zurzeit ausfallen. Die Reparateure haben auf corona-konforme kontaktlose Abgabe in einem Depot umgestellt. Die Artikel werden unter den Reparateuren aufgeteilt. Ein Blick zurück auf „normale Zeiten“ bleibt haften an einer Reparaturgeschichte, die gut in die vorweihnachtliche Zeit passt.

Die Bandbreite der Beschreibungen der vorgestellten, defekten Artikel und Geräte beim monatlichen Treff im Reparaturcafé Burscheid reicht von „schon wieder ein Toaster“ bis „ selten & kurios“. Wenn dann elektronische Tonwiedergabemaschinchen zur Wiederbelebung angeschleppt werden, ist die Instandsetzung besonders spannend und alle hoffen, dass es am Ende nicht leise bleibt.

An einem Reparaturtag im Frühjahr war es mal wieder soweit. Jürgen Frey hatte ein Grundig TK 145 im Gepäck. Ein in den 60er Jahren produziertes Tonbandgerät mit der seinerzeit kleinen technischen Revolution eines sogenannten 4-Spursystems. Damit war ein doppelt so langes Aufnahmevolumen wie üblich je Band möglich. Das Gerät ist, auch wenn man es erst mal nicht vermutet, noch mit Röhren bestückt. Das im Tricafe auf dem Behandlungstisch bei Reparateur Peter Kirchertz gelandete Schätzchen war lange nicht mehr eingeschaltet worden. Bei einem Startversuch hatte Jürgen Frey schnell aufgegeben, da schon nach wenigen Umdrehungen die Bandteller festliefen. Kirchertz analysierte schnell einen „Bandfresser“ und konstatierte „das haben wir gleich“.

Kreatives Geschick machte die Reparatur möglich

Dass dann aber eine Spitzzange und eine besonders lange Pinzette und fast zwei Stunden Fummelsarbeit nötig waren, um letztlich einen imposanten Berg brauner Magnetbandstückchen zu Tage zu schaffen, hatte er sich nicht gedacht.

Kurz vor Abschluss des Zusammenbaues machte sich noch ein kleines Federchen selbstständig. Mit kreativem Geschick erfolgte der Ersatz durch ein ähnliches Teil aus einem zerlegten Kugelschreiber. Einstecken, anschalten und Drehknauf auf Start.

Mit etwas Anschubhilfe setzte sich das kleine Spulenpaar in Bewegung. Als die Geschwindigkeit sich regelte und der Ton nach und nach von eirig-lahm zu fast normal wechselte, ertönte ein weihnachtliches Trompetenstück mit der älteren Ohren vertrauten Tonlage einer häuslichen Mikrofonaufnahme.

„Das ist mein Schwiegervater“, sagte Jürgen Frey gerührt und war ganz beglückt, eine Erinnerung an die 50 Jahre zurückliegende musikalische Weihnachtsstimmung bei seiner Familie bekommen zu haben.

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