Burscheid

Autorin vermag liebevoll zu erzählen

Vor 14 Kindern der Kita „Rasselbande“ las Autorin Marie-Luise Mettlach gestern in der Stadtbücherei.Foto: Nadja Lehmann
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Vor 14 Kindern der Kita „Rasselbande“ las Autorin Marie-Luise Mettlach gestern in der Stadtbücherei.
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Marie-Luise Mettlach las in der Stadtbücherei vor 14 „Rasselbande“-Kindern aus ihrem Buch.

Von Nadja Lehmann

Die Beine wollen nicht mehr so recht. Aber der Kopf ist glasklar wie eh und je, und Geschichten kann Marie-Luise Mettlach noch immer erzählen wie keine Zweite: Die 85-Jährige kam gestern in die Stadtbücherei, um aus ihrem Buch „Der verirrte Sonnenstrahl“ zu lesen. Ihr gegenüber hatten 14 Vorschulkinder des Elterninitiativkindergartens „Rasselbande“ Platz genommen: Mit der stellvertretenden Leiterin Marion Vogelsang, Erzieherin Katja Handschuhmacher und Praktikantin Sabine Leverkus waren Jonas, Jan, Ella, Hanna, Senep, Maren, Emilia, Joshua, Matti, Noah, Enno, Keana, Max und Maria gekommen, um Mettlachs liebevollen Geschichten zu lauschen.

Da geht es um den König, der nie lächelt und der dann doch das Glück durch einen Schmetterling findet; es geht um die dicke Wolke, die nicht abregnen will und sich immer weiter aufplustert; es geht um Elefant Eduard und Giraffe Thusnelda, die sich um ihre großen bzw. kleinen Ohren beneiden, die diese tauschen und dann doch erkennen, dass alles gut so ist, wie es ist.

„Am schönsten ist es, wenn ich meine Urenkel links und rechts im Arm habe und erzähle.“

Marie-Luise Mettlach

Für Marie-Luise Mettlach war es die erste Lesung seit Corona. „Ich freue mich, es tut gut“, bekannte sie. Und Stadtbücherei-Leiterin Yulia Farbischewski ging es ähnlich: „Endlich haben wir eine Veranstaltung. Dann haben doch wenigstens die Kinder Spaß.“

„Der verirrte Sonnenstrahl“ erschien in diesem Jahr. Eigentlich sollte es zu Ostern soweit sein, aber da schob Covid-19 den ersten Riegel vor. 15 Geschichten sind in dem Bilderbuch versammelt, das der Bergisch Gladbacher Verlag Heider herausgebracht hat: Es ist nach „Das Mondschaf“ bereits Mettlachs zweites Kinderbuch. Zu verdanken sind die Geschichten Mettlachs fünf Enkeln und drei Ur-Enkeln. „Das vierte erwarten wir täglich“, verriet sie – und wie sehr sie sich schon freue. Für sie alle hat Marie-Luise Mettlach die Geschichten ersonnen, hat sie spontan auf Zuruf erzählt – zuhause oder auf Spaziergängen. Weil junge Zuhörer aber ein sehr gutes Gedächtnis haben und sofort merken, wenn eine zum zweiten Mal erzählte Geschichte etwas abweicht, griff Autorin Mettlach zu Papier und Stift, um alles hieb- und stichfest zu dokumentieren. Sie schreibt gern und viel – als studierte Kunsthistorikerin auch gern über Burscheids Historie – aber der schönste Moment in diesem Prozess sei doch der, „wenn ich meine Urenkel links und rechts im Arm habe und erzähle.“ Dieser liebevolle Hintergrund ist in jeder Geschichte spürbar. Denn: Es gibt immer ein gutes Ende.

Trotzdem: Lebhaften Vorschulkindern fällt das Sitzen manchmal schwer. Das ging auch der „Rasselbande“ nicht anders, die sich in einer kleinen Pause in der Bücherei austobte. Ganz im Sinn von Yulia Farbischewski: „Die Kinder sollen sich hier wohlfühlen. Nur Stillsitzen ist ein altes Modell.“ Der ein oder die andere schaute aber selbst in der Pause dann doch versunken in ein Buch. . .

Und Marie-Luise Mettlach schreibt bereits am nächsten. Dieses Mal für Erwachsene, und sie erzählt anhand von Briefen die Geschichte von Auswanderern: Von einer Familie des 19. Jahrhunderts, deren vier Kinder der Armut in Richtung Norwegen und USA entkommen wollen. Ihre Briefe aus der Emigration an die Zurückgebliebenen hat Mettlach entziffert und als Vorlage genutzt. Und durch Zufall stieß sie auf einen Urenkel der Auswanderer, einen Professor in Philadelphia: „Er hatte sogar noch die Antwortbriefe aus Burscheid.“ Ein Glücksfall, der selten ist und Mettlach zu ihrem Roman inspirierte, von dem sie hofft, dass er trotz Corona noch 2020 erscheint.

Hintergrund

Zur Autorin: Marie Luise Mettlach ist gebürtige Kölnerin und lebt seit 35 Jahren in Burscheid. Sie hat zur lokalen Geschichte publiziert und am Rheinisch-Bergischen Kalender mitgearbeitet.

Zum Buch: „Der verirrte Sonnenstrahl und andere Geschichten zum Vorlesen“. Die Illustrationen stammen von Judith Bornmann.

ISBN 978-3-947779-14-7

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