Aus dem Leben eines Burger Rentmeisters

-
+
-

Rütger Joseph Vinzenz Deycks versuchte im Jahr 1806, politische Umstände für sich zu nutzen

Von Klaus Hinger

Rütger Joseph Vinzenz Deycks, Rentmeister, Richter und Kellner auf Schloss Burg – und Kraft seines Amtes Stellvertreter des Landesherren. Geboren wurde Deycks am 22. März 1778 auf Schloss Burg an der Wupper. Seit 1799 war er Richter, seit 1803 Kellner auf Schloss Burg und als Rentmeister der landesherrliche Finanzverwalter. Er hatte dafür zu sorgen, dass alle Pachten in bar und sonstige Abgaben auch in Naturalleistung in einem sogenannten Lagerbuch registriert wurden, pünktlich einkamen und gegebenenfalls wieder gegen Bares veräußert wurden.

Als Richter oblag ihm die Niedere Gerichtsbarkeit, das heißt die Rechtsprechung über geringe Delikte des Alltags, die mit Geldbußen (Brüchten) in einem Schöffengericht geahndet wurden. Ebenso verhängte er Ehrenstrafen wie das Tragen von Schandmasken oder die öffentliche Schande am Pranger.

„Dieses Gebäude hat für eine Rendantur keine geeignete Brauchbarkeit.“

Rentmeister Deycks

Deycks lebt mit seiner Ehefrau Sophia Schram (* 14. September 1779 in Düsseldorf, † 27. Juli 1815 in Düsseldorf) und seinen Söhnen und Töchtern auf Schloss Burg im sogenannten herzoglichen Kellnereihaus. Zu diesem Kellnereihaus gehörten laut Aufzeichnungen aus dem Burger Lagerbuch die teilweise zerstörte und zumindest teilweise beschädigte Schlossanlage mit dem Schlossgebäude, dem Hofraum, einem Gärtchen an der Schlossmauer, einem Garten unter den Schlossfenstern an der Fontäne, einem Blumengarten vor der Tür, einem Bleichplätzchen, dem Batteriegarten, dem Tor zum Schlosshof, die Tür zum Baumhof, der Brunnen und die Fontäne.

Im Grunde kann er beruflich nicht glücklich gewesen sein, denn er schreibt im Jahre 1806 einen Brief an seinen Dienstherren. Wahrscheinlich wollte er die politischen Umstände für sich nutzen. Seinerzeit gehörte das Bergische Land noch zum Reich von König Maximilian I. Joseph von Bayern. Dieser trat sein Herzogtum Berg an Napoleon ab. Sofort übergab Napoleon die Souveränität über die Herzogtümer Berg und Kleve an seinen Schwager Joachim Murat. Murat hat sein Land im März 1806 in Köln förmlich in Besitz genommen und ließ sich eine Woche darauf in Düsseldorf von den Landständen huldigen.

Deycks beklagte in dem genannten Schreiben die schwierige örtliche Lage: „Dieses Gebäude hat für eine Rendantur keine geeignete Brauchbarkeit, seine Lage in fast unzugänglichen Gebirgen verhindert die Hinbringung der aufzunehmenden Naturalempfangs-Gegenstände und nach dem selbe mit der größten Beschwernis hingebracht sind, sind sie bei den Verkäufen weniger Wert, weil die Ankäufer durch den schwierigen Export wieder abgeschreckt werden.“

Zum Schluss bewarb er sich um eine offene Kellnerstelle

Er beschreibt den Zustand des Palas, den er als Speicher nutzen muss. Die östliche Dachseite sei sehr desolat und müsse dringend repariert werden. Er brauche wohl etwa 2000 Reichstaler, um die Reparatur ausführen zu lassen. Auch sei das Einzugsgebiet zu weitläufig und zergliedert. Letztlich schlägt er vor, ihm einen neuen Sitz einer Rendantur anzuweisen. Er kenne sich im Amt Miselohe und der anschließenden Nähe von Porz und Monheim bestens. Zum Schluss wagt er die Bewerbung um eine offene Kellnerstelle, da der frühere Stelleninhaber verstorben sei und stelle „die untertänigste Bitte, daß mir die nach dem Absterben des ehemaligen Voigten und Kellner Baumeister vacante und provisorisch verwaltet werdende Kellnerrei Miseloh in gnädigst gut gefunden werden mögender Weise möge verliehen werden.“ Die Antwort aus Düsseldorf ist leider nicht überliefert. Vom 1. Juli 1807 bis 1819 ist Deycks Domän-Rentmeister in Gerresheim. Laut Burger Lagerbuch ist im Jahre 1810 ein Rentmeister Daniels damit beauftragt, das Schloss komplett zu veräußern. Da seine Frau Sophia Schram am 27. Juli 1815 – quasi im Kindsbett – verstirbt, heiratet er am 5. September 1816 eine Maria Josepha Breuer. Er starb am 1. Februar 1829 in Düsseldorf.

-

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Heidi Neumann kandidiert sich für den Landtag
Heidi Neumann kandidiert sich für den Landtag
Heidi Neumann kandidiert sich für den Landtag
Gut Landscheid bietet Schnelltests an
Gut Landscheid bietet Schnelltests an
Gut Landscheid bietet Schnelltests an
Einzelhändler verteilen ab Samstag wieder Glücksbons
Einzelhändler verteilen ab Samstag wieder Glücksbons
Einzelhändler verteilen ab Samstag wieder Glücksbons
28-jähriger Autofahrer durchbricht Leitplanke und prallt gegen Baum
28-jähriger Autofahrer durchbricht Leitplanke und prallt gegen Baum
28-jähriger Autofahrer durchbricht Leitplanke und prallt gegen Baum

Kommentare