Freizeit

Auf alten Bahntrassen geht es in die Natur

Die Balkantrasse zieht die Radfahrer in großer Zahl an. Auch die Rast im Biergarten gehört dazu, weiß Sabine Krämer-Kox (kleines Foto). Fotos: ADFC/Krämer-Kox,
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Die Balkantrasse zieht die Radfahrer in großer Zahl an.

Fahrradfahren ist in Burscheid und der Region stark angesagt.

Von Stephan Eppinger

Burscheid. Nicht nur in den Zeiten von Corona ist Radfahren bei den Menschen im Bergischen Land ein großes Thema. Auch die Bundesregierung hat sich mit dem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer jüngst für diese umweltfreundliche Bewegungsform starkgemacht. In und um Burscheid finden Radler gute Bedingungen vor, um ihrem Hobby nachzugehen oder um das Rad als Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit zu nutzen. So bekam die Stadt beim letzten Fahrradklimatest die besten Noten im Rheinisch-Bergischen Kreis. Beurteilt werden Dinge wie Erreichbarkeit des Stadtzentrums, Abstellmöglichkeiten für Räder oder die Sicherheit beim Fahren direkt von den Radlern. Es gibt aber auch noch Dinge, die nicht optimal sind. Unsere Zeitung hat mit dem Radfahrerverband ADFC über das Thema gesprochen:

„Der Radverkehr in der Region um Burscheid hat stetig zugenommen. Beliebt ist vor allem die Balkantrasse. Hier waren im vergangenen Jahr in beiden Richtungen rund 200 000 Radfahrer unterwegs. Das hat die Auswertung der Zählstelle auf Höhe des Hilgener Bahnhofs ergeben. Viele nutzen die Strecke zwischen Wermelskirchen und Opladen und passieren dabei Burscheid. Außerhalb des Lockdowns ist dort bei schönem Wetter der Biergarten am Alten Bahnhof gut nachgefragt“, sagt Sabine Krämer-Kox, die Sprecherin der ADFC-Ortsgruppe Wermelskirchen/Burscheid, die inzwischen 150 Mitglieder hat.

Balkantrasse und Bergischer Panoramaradweg bieten Fahrspaß

Beliebt sei die Balkantrasse zusammen mit dem Bergischen Panoramaradweg. „Diese Strecken bieten hunderte Kilometer, ohne dass man mit dem motorisierten Verkehr in Kontakt kommt. So erreicht und entdeckt man Orte und Städte, die man sonst nie kennengelernt hätte. Die Strecke ist mit 2,4 Prozent auch noch sehr steigungsarm. Schön ist auch, dass man vom Zielpunkt in Opladen relativ leicht und schnell den Rhein erreichen kann“, berichtet die passionierte Radfahrerin.

Es gebe auf der Trasse auch wenige Unfälle, auch wenn so mancher Radfahrer durchaus schnell und manchmal auch rücksichtslos unterwegs sei. „Die Balkantrasse wird sowohl von Radfahrern als auch von Fußgängern und Skatern gerne genutzt. Jeder will so viel Platz wie möglich, da kommt die Rücksichtnahme manchmal leider etwas zu kurz. Am Wochenende ist es manchmal so voll, dass viele Radler die Strecke meiden“, erklärt Krämer-Kox, wo es auf der Trasse noch hakt.

Gute Tipps für Ausflüge gibt es online auf der Homepage der Stadt unter „Fünf kleine Radtouren rund um Burscheid“. Wer etwas größere und weitere Touren unternehmen möchte, für den ist die Karte „Bergisches Trassen-Treffen - mit dem Fahrrad durch elf Städte“ eine gute Planungsgrundlage. „Die kostenlose Karte liegt in den meisten Stadtverwaltungen aus und umfasst die Städte Burscheid, Hückeswagen, Leichlingen, Leverkusen, Marienheide, Odenthal, Radevormwald, Remscheid, Solingen, Wermelskirchen und Wipperfürth.“

Es gibt laut Krämer-Kox noch viele weitere spannende Strecken in der Region wie die Wupper-Runde, die Dhünn-Runde, die Aqualon-Runde und das Wasser-Quintett mit fünf Talsperren an der Strecke, die online zu finden sind:

www.dasbergische.de

Wer Touren ab 80 Kilometer Streckenlänge zu schätzen weiß, der kann sich zu Trassen wie der Nordbahntrasse in Wuppertal, der Sambatrasse sowie der Korkenziehertrasse in Solingen oder zur Kohlebahntrasse in Wuppertal und Hattingen aufmachen, die teilweise auch in der Elf-Städte-Karte verzeichnet sind.

„Es hapert vor allem am Angebot für die Alltagsfahrer und Pendler.“

Sabine Krämer-Kox, ADFC

Auch wenn das Interesse am Radfahren groß und die passenden Angebote umfangreich sind, gibt es vom Radfahrerverband auch einige Kritikpunkte zur Radinfrastruktur in und um Burscheid: „Es hapert vor allem am Angebot für die Alltagsfahrer und Pendler. So sind radgerechte, sichere und lückenlose Anbindungen an Außenlagen in Burscheid sowie an die Nachbarstädte und -gemeinden oft nicht gegeben“, sagt Krämer-Kox und nennt einige Beispiele: Das gilt für die B 51 von Burscheid über Eichenplätzchen nach Blecher. „Hier sind zwar teilweise Rad- und Gehwege in beide Richtungen vorhanden, diese befinden sich aber in einem schlechten Zustand.“ Kritik gibt es auch an der L 294 zwischen Hilgen und Witzhelden: „Hier ist teilweise nur ein Gehweg im schlechten Zustand vorhanden, sodass Radfahrer auf die oft hochfrequentierte Straße ausweichen müssen.“

Auch die Rast im Biergarten gehört dazu, weiß Sabine Krämer-Kox.

Ein weiteres Problem findet sich nach Angaben des ADFC zwischen Burscheid und Sieferhof im Abschnitt zwischen Dürscheid und dem Abzweig Lützenkirchen/Forellenhof: „Auf dieser gefährlichen, unübersichtlichen und außerorts unbeleuchteten Strecke, wo Autos teils mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, müssen die Radler die Straße nutzen. Das ist gefährlich und für Familien mit Kindern auf keinen Fall zu empfehlen.“

Der letzte Hinweis von Krämer-Kox betrifft den Ortsteil Dierath: „Hier haben wir einen schmalen, benutzungspflichtigen Radweg mit insgesamt 33 Grundstücksausfahrten und Zuwegungen innerhalb der Ortsdurchfahrt sowie zwei Stromkästen. Außerdem ist die Zuwegung zur Balkantrasse nicht ausgeschildert, was gerade auswärtige Freizeitradler vor Probleme stellt“, sagt Krämer-Kox, die auch bemängelt, dass Arbeitgeber und Einzelhändler in Burscheid oft keine sicheren Abstellanlagen für Räder anbieten.

Positiv für Burscheid sei aber auf jeden Fall, dass nach der oberen Hauptstraße in Burscheid, nun auch der mittlere Teil durch die Neugestaltung für Radfahrer geöffnet werde, was die Erreichbarkeit des Einzelhandels und der Gastronomie verbessere. Dort wird es künftig auch eine Rampe von der Balkantrasse zur Straße geben. „Die ist mit einer Steigung von acht Prozent allerdings eher anspruchsvoll für schwächere Radfahrer.“

Hintergrund

Stadtradeln: Burscheid nimmt in diesem Jahr zum vierten Mal an der bundesweiten Aktion Stadtradeln teil. In der Vergangenheit hatte hier Burscheid im Rheinisch-Bergischen Kreis die höchste Beteiligung im Vergleich zur Einwohnerzahl. In der Zeit vom 6. bis zum 26. Juni können Burscheider einem Team beitreten oder auch selbst ein Team gründen. Ziel ist es, möglichst viele Radkilometer zusammen und so CO2-Emissionen zu vermeiden. Weitere Informationen gibt es online unter:

www.stadtradeln.de www.burscheid.de

Fahrradbus:Der Bergische Fahrradbus ist laut ADFC ein gutes Angebot für die Radler in der Region. Wegen des Lockdown sei der Start aber vom 1. Mai auf den 1. Juli verlegt worden. Auch das Bergische Trassentreffen kann erst wieder nächstes Jahr stattfinden.

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