Bergischer Geschichtsverein

Antike Ingenieurskunst, die staunen lässt

Der „Grüne Pütz“ ist der höchste Punkt und damit die Quelle der antiken Wasserleitung im Urft-Tal bei Nettersheim.
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Der „Grüne Pütz“ ist der höchste Punkt und damit die Quelle der antiken Wasserleitung im Urft-Tal bei Nettersheim.
  • VonNadja Lehmann
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Buchprojekt über die Montanusstraße und Lichtbildervortrag über römische Wasserleitung.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Zu gerne hätte Rolf Engelhardt seine Passion vor Ort ausgelebt und Interessierte über Stock und Stein geführt, auf den Spuren der Römer, auf den Spuren ihrer Wasserleitung von der Eifel nach Köln. Auf den Spuren ihrer Ingenieurskunst. „Wir haben eine Probetour gemacht“, sagt er nun im Treffpunkt des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) an der Höhestraße und nickt dem 1. Vorsitzenden Axel Riemscheid zu. „Und da haben wir gemerkt: Es geht nicht.“ Viel zu abgelegen seien einzelne Exkursionspunkte, zu steil die Wegpassagen: „Das ist für viele unserer Mitglieder gar nicht machbar.“ Denn viele seien eben doch im schon vorgerückten Alter.

Für Rolf Engelhardt kein Problem. Der Burscheider, der berufsbedingt mit Ingenieurs- und Bautechnik auf Du und Du stand, und zu seinem Leib-und-Magen-Thema in jeder Lebenslage referieren kann, sattelte kurzerhand um: Aus der Exkursion wird ein Lichtbildvortrag in der Lambertsmühle. Geplant ist alles für den 22. September, Beginn soll gegen 16 Uhr sein, Kaffee und Kuchen den Auftakt bilden. Axel Riemscheid wird zuarbeiten.

Wasserleitung erstreckt sich über 95 Kilometer

Genau, um solche Themen abzustimmen und frühzeitig die Weichen zu stellen, trifft sich der harte Kern des Bergischen Geschichtsvereins regelmäßig in seinem Stammsitz nahe dem Rathaus. Sabine Rusch-Witthohn ist ebenso gekommen wie der 2. Vorsitzende Joachim Wirths, wie Rainer Adams und Sabine Wurmbach.

Rolf Engelhardt steckt sie mit seiner Begeisterung an. Viel weiß er zu erzählen von der römischen Wasserleitung, die sich über 95 Kilometer erstreckt und von der Eifel hinab nach Köln führt. In der Denkmalpflege gilt das Bauwerk als das bedeutendste technische Denkmal der Antike nördlich der Alpen – zugleich das längste. Eine der großen Ingenieurleistungen der Antike, deren Ursprung in Nettersheim liegt. „Es ist eine reine Gefälleleitung“, sagt Engelhardt. Niemals mit mehr als einem halben Prozent, dafür aber im steten Gefälle rinnt das Wasser von 420 auf 50 Meter hinab. Zur Überbrückung von Tälern gab es einige Aquäduktbrücken. Um die Leitung zum Schutz vor Frost weitgehend unterirdisch führen zu können, folgt die Trasse vorhandenen Höhenzügen, Umwege wurden in Kauf genommen. „200 Liter pro Sekunde sind da durchgeflossen“, sagt Engelhardt.

Rolf Engelhardt (r.) weiß alles über römische Baukunst. Das begeistert auch seine BGV-Mitstreiter.

20 Millionen Liter Wasser erreichten täglich die Provinzhauptstadt Köln. Und das alles, weil die Römer leben wollten wie daheim – und dazu gehörten ihre Bäderkultur und die Verfügbarkeit von frischem Trinkwasser. „Die Römer haben sich sehr gut umgesehen und sich die Topographie zunutze gemacht“, sagt Engelhardt. „Und sie haben ihren Vitruv gelesen.“ Der römische Architekt und Ingenieur lebte im 1. Jahrhundert v. Chr. und schrieb sein epochales Werk „De architectura“ – und er arbeitete als Ingenieur am Wassernetz Roms. Für Rolf Engelhardt, man darf es getrost vermuten, ein Bruder im Geiste.

Alle BGV-ler miteinander sitzen aber gerade auch an einem weiteren Projekt. Vor Sabine Wurmbach liegt ein üppig gefüllter Aktenordner. Eine Publikation zur Montanusstraße soll es werden, weil sich die innerstädtische Straße über kurz oder lang durch den Bau eines Einkaufszentrums so verändern wird. „Dabei sind wir aber auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen“, sagt Wurmbach. Denn über Daten und Fakten hinaus sollen die Menschen dieser Straße eine Rolle spielen, ihre Erinnerungen und Anekdoten.

Erste Kontakte gibt es, weitere Hinweise werden gesucht

„Wir haben schon diverse Kontakte geknüpft“, sagt Sabine Wurmbach. Aber manche Daten stimmen noch nicht überein. Wann wurde aus der einstigen Bahnhof- die Montanusstraße? Das löste Sabine Wurmbach in ehrgeiziger Recherchearbeit: Nicht 1936 wie kolportiert, sondern erst 1938 war es soweit. Aber wer lebte im Siefer-Haus? Wann wurde das Farsen-Haus unbewohnbar? Was wurde aus der Villa der alten Ziegelei, wo sich heute Federal Mogul mit einer Niederlassung befindet? „Es gibt noch alte Luftbilder, aber da ist die Villa nicht zu erkennen“, sagt Joachim Wirths. 1942 hatten die Goetze-Werke das Areal erworben, abgerissen wurde sie aber wohl erst in den Fünfzigern.

Es sind Puzzleteile, die der BGV zusammenträgt. Ein Geduldsspiel, das Zeit braucht. Deshalb verschob man den geplanten Erscheinungstermin auf 2023 und will im Januar in bewährter Manier wieder eine Ausstellung in der Stadtbücherei konzipieren. Spätestens dann fällt dem einen oder der anderen noch etwas zur Montanusstraße ein.

Buchprojekt

Wer zum geplanten Buchprojekte über die Montanusstraße Erinnerungen, Daten, Fotos, Geschichten beisteuern kann und möchte, sollte mit dem 1. Vorsitzenden Axel Riemscheid Kontakt aufnehmen: Tel. (0 21 74) 78 60 16. Auch Barbara Sarx-Jautelat hat ein offenes Ohr: (0 21 74) 4 05 25.

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