Ort der Begegnung

Anlaufstelle Tri-Café erfindet sich neu

Für den Ruhestand hatte er eine Aufgabe gesucht: Mit dem Tri-Café (oben) hat der 67-jährige Michael Corts sie gefunden.
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Für den Ruhestand hatte er eine Aufgabe gesucht: Mit dem Tri-Café hat der 67-jährige Michael Corts sie gefunden.
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Neue Angebote und geplanter Umzug ins Kramer-Haus: Vorstandsmitglied Michael Corts blickt nach vorn.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Der Ruhestand will gut durchdacht sein, das war Michael Corts frühzeitig klar. Auf Däumchendrehen hatte der frühere Leiter einer Senioreneinrichtung in Leverkusen keine Lust. „Ich bin noch mal ganz neuen Leuten begegnet, habe neue Erfahrungen gesammelt“, sagt er heute und führt den Besuch durch eine seiner Wirkungsstätten, nämlich das Tri-Café. Ein Ort der Begegnung, des Kontakts soll die Einrichtung an der Bürgermeister-Schmidt-Straße sein: offen für alle, mit einem Angebot, das auch die Besitzer nur kleiner Portemonnaies nicht ängstigt.

Im Gegenteil: Gerade ihnen sollte der Hauptraum, das schön altertümlich eingerichtete Café, zur Verfügung stehen. Das war der Grundgedanke. Corona und die doch etwas im Abseits gelegene Lage haben ihn zumindest erschwert.

Das Tri-Café.

Ein Männer-Trio steht am Anfang der Geschichte des Tri-Cafés. Dr. Bernhard Rappert, Internist und Kardiologe in Burscheid, suchte Räumlichkeiten für seinen Verein, die Indianerhilfe. „Dieses Haus war frei“, erinnert sich Michael Corts. „Dieses Haus“ ist ein von außen eher schlichtes, zweistöckiges Gebäude im Kreuzungsbereich Geilenbacher Straße/Bürgermeister-Schmidt-Straße und zählte zum familiären Immobilien-Portfolio der Firma Goetze. „Tante Johanna“, verwandt mit Gründerpatriarch Friedrich Goetze, lebte dort.

Nach ihrem Tod zog ein Antiquitätenhändler ein, der durch Gitter umschlossene Wintergarten zeugt noch von den Sicherheitsmaßnahmen. „Ungefähr 2014“, sagt Michael Corts, griffen Bernhard Rappert und er zu: Man kannte sich und hatte sich bei einer Veranstaltung im Kinder- und Jugendzentrum Megafon bereits darüber ausgetauscht, wie man den Ruhestand sinnvoll gestaltet. Mit dem inzwischen verstorbenen Det Junker stieß die Nummer drei dazu: Das Trio renovierte, gründete einen Verein und schrieb sich drei „I“ auf die Fahnen. Inter-Generativ, interkulturell und integrativ: So sollte es sein, das Tri-Café.

Und da waren wir die Richtigen.

Michael Corts über das Kramer-Haus, das mit Leben gefüllt werden soll

Sein Name war zunächst Programm, mit einem Café als Treffpunkt. „Eine nette Runde“, erinnert sich Michael Corts. „Die Ehrenamtlichen buken Kuchen, und es war für Leute mit wenig Geld gedacht.“ Dann trat die Stadt ans Tri-Café heran: Man möge doch bitte einen Willkommenstreff für Flüchtlinge organisieren. Den gab es ebenso wie den Handarbeitskreis mit Geflüchteten oder den Treff für junge, vorwiegend aus Nordafrika stammende Männer, den die Katholische Jugendagentur ausrichtete. Dann kam Corona, und es wurde still. Auch um die offene Mutter-Kind-Gruppe, die sich gerade gebildet hatte.

Doch dann kam das Kramer-Haus ins Spiel: Der verstorbene Bürgermeister Stefan Caplan hatte sich für den Erwerb der zentral am Markt gelegenen Immobilie eingesetzt; diese galt es aber nun, mit Leben zu füllen. „Und da waren wir die Richtigen“, sagt Michael Corts. Noch wird die heruntergekommene Immobilie umgebaut, auch die Stadtbücherei soll sich dorthin räumlich und inhaltlich erweitern und das Tri-Café zu gegebener Zeit dort einziehen. „Bis dahin wollen wir aber zeigen, dass es uns gibt“, betont Michael Corts. Gant leicht ist das nicht, denn das Vorstandstrio von einst gibt es so nicht mehr: Det Junker starb im Mai vergangenen Jahres, ein schmerzhafter Einschnitt, wie Corts nicht verhehlt; Bernhard Rappert blieb zwar im Vorstand, zog aber in seine Heimatstadt Würzburg zurück. Astrid Voerges rückte nach.

Michael Corts machte weiter. Und stellte zwei eigene Projekte auf die Beine: den Schallplatten-Treff „33 Umdrehungen“ für die Freunde des Vinyls und die Männer-Koch-Gruppe „Tri-Köche“. „Wir schnibbeln, rühren, kochen, essen, reden“, schmunzelt er. Beide Projekte liefen gut, und beim Schallplatten-Treff seien auch zwei Frauen dabei. „Ich hatte zu Beginn gedacht, dass wir dann alte Rockplatten hören“, sagt Corts. Das passiere auch, gleichzeitig gebe es alle Neuerscheinungen auch wieder als schwarze runde Scheibe. „Und manchmal ertappen wir uns dabei, dass wir so ins Quatschen geraten, das wir gar nicht merken, dass keine Musik mehr läuft und wir schon längst hätten umdrehen müssen.“

Einen neuen Akzent setzt seit kurzem auch der Integrationsrat, der immer montags eine Sprechstunde im Tri-Café anbietet. Auch die Selbsthilfegruppe „Leichtes Gepäck“ für psychisch Erkrankte hat an der Bürgermeister-Schmidt-Straße ein Zuhause gefunden.

Ein Lohn fürs Reparatur-Team: „Burscheider des Jahres 2021“

Ein unerschütterliches Standbein seit 2016 ist das Reparaturcafé, das sich auch durch die Pandemie nicht ins Bockshorn jagen ließ: Man setzte einfach auf Abstand, telefonische Anmeldung und kontaktlose Abgabe und Abholung: Als Poststation gewissermaßen diente das private Spielhäuschen von Corts' Enkelin. Der Lohn: Die Burscheider wählten das Reparatur-Team zum „Burscheider des Jahres 2021“.

Corts blickt in die Zukunft: Bereits jetzt sei man mit dem künftigen Nachbarn, dem Förderverein der Stadtbücherei, zusammengerückt. Ab August will die Frauenberatungsstelle Rhein-Berg eine Sprechstunde anbieten. Ebenfalls durch den Kreis initiiert soll es einen Sprachförderkurs für Kinder aus der Ukraine geben. „Das alles“, findet Corts, „gibt uns eine dauerhafte Lebendigkeit.“

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