Angebot und Nachfrage passen nicht immer zusammen

Einen Kita-Platz zu finden, sei nicht leicht: So beschreibt es Sarah Joksch, die gerade eine Betreuungsmöglichkeit sucht. Archivfoto: Monika Skolimowska/dpa
+
Einen Kita-Platz zu finden, sei nicht leicht: So beschreibt es Sarah Joksch, die gerade eine Betreuungsmöglichkeit sucht. Archivfoto: Monika Skolimowska/dpa

Die Suche nach einem Kita-Platz sei nicht leicht, findet eine Mutter – Jugendamt sieht das anders

Von Anja Wollschlaeger

Können im August voraussichtlich alle Kinder in Burscheid, die noch nicht zur Schule gehen und deren Eltern eine Betreuung wünschen, einen Platz in einer Kita oder in einer Tagespflege bekommen? Die Antworten auf diese Frage fallen unterschiedlich aus.

Für das Jugendamt antwortet die Pressestelle des Rheinisch-Bergischen Kreises auf Anfrage klar mit „ja“. In Kitas sind ab August 2022 763 Plätze vorgesehen und in der Tagespflege 81 Plätze.

Mutter Sarah Joksch erlebt die Situation gerade ganz anders. Sie sagt: „Diese Suche nach einem Platz braucht unglaublich viel Zeit. Ich habe gerade mit einer Tagesmutter gesprochen, die hat 27 Anfragen auf zwei offene Plätze.“ Familie Joksch musste im März erneut in die Suche nach einer Tagesmutter einsteigen, nachdem der bereits reservierte Platz von der Tagesmutter aus gesundheitlichen Gründen abgesagt wurde.

Wieder anders sieht die Situation aus Sicht von Tagesmutter Ortis Bödling aus. Sie ist geprüfte Tagespflegeperson und betreut nun im neunten Jahr Kinder unter drei Jahren. In der Tagespflege Mullewapp in Repinghofen ist sie mit ihrer Kollegin zwischen 7.30 Uhr und 13.30 Uhr für die Kinder da. Diese Zeiten hat sie aus Überzeugung gewählt: „Wir denken, dass die kleinen Kinder nicht länger betreut werden sollten.“ Sie sagt: „Die Nachfrage für die Ein- bis Zweijährigen ist in diesem Jahr nicht so stark wie sonst.“ Dagegen sei es wohl teilweise für die Familien nicht einfach, einen Platz für ihre Kinder zu bekommen, die mit drei Jahren schon einer Tagespflege eigentlich entwachsen sind.

Ein Grund, warum Angebot und Nachfrage nicht immer zusammen passen, ist die Betreuungszeit. Aus der Vorlage des Jugendamtes zur jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses geht hervor, dass die Vollzeit-Plätze etwas knapper sind und nur noch 57,4 Prozent der Plätze ausmachen.

Eine 45 Stunden-Betreuung wünscht sich auch Familie Joksch für ihr jüngstes Kind. Das würde beiden Elternteilen eine Berufstätigkeit ermöglichen, schildert Sarah Joksch. Die Suche sei für die Familie belastend, sagt sie: „Ich kann ja meinem Arbeitgeber keine verbindliche Zusage geben, solange mein Kind keinen Betreuungsplatz hat.“

Mit Erfahrung betrachtet die Leiterin der Caritas-Kita Sonnenblume, Brigitte Sartingen-Kranz, die Situation. Sie sagt: „Bei uns sind alle Plätze vergeben. Erfahrungsgemäß ist im Aufnahmeverfahren bis Mai noch Bewegung.“

Noch keine Entlastung bringt die geplante Kita Sträßchen

Keine Entlastung bringt in diesem Jahr die DRK-Kita Sträßchen. Sie wird laut der Pressestelle des Kreises voraussichtlich Ende 2023 fertig.

Tagesmutter Ortis Bödling empfindet die Platz-Vergabe ihrerseits ebenfalls als Herausforderung. Sie sagt: „Wir sind als Tageseltern selbstständig und werden pro Kind bezahlt. Wenn einer unserer Plätze frei bleibt, bekommen wir weniger Geld.“ Und das, wo die Bezahlung ohnehin knapp sei.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin formuliert sie daher den Wunsch an das Jugendamt, kurzfristig mindestens einen Inflationsausgleich zu zahlen.

Kommentar

Von Anja Wollschlaeger

Kindergartenplätze sind fast überall knapp; nur Burscheid wirkt fast wie eine Insel der glückseligen Eltern. In Leverkusen fehlen rund 1 000 Kita-Plätze. Dennoch stellt die Situation auch die Nerven von Burscheider Eltern hart auf die Probe. Eltern, die zur Arbeit auspendeln, hilft es oft nicht viel, wenn ihr Kind nur bis 12 Uhr betreut ist. Eltern kommen so in einen Zwiespalt. Arbeitszeiten von nur wenigen Stunden am Vormittag lohnen sich bei langen Anfahrtswegen kaum. Zudem wünschen sich Kitas und Tagesmütter Verlässlichkeit bei den Abholzeiten. So bleiben Fragen nach Pädagogik, Spielplatz oder Ernährungskonzept bei der Platzwahl am Ende auf der Strecke.

burscheid@ rga.de

-

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

„Hauptziel bleibt, Infektionen zu vermeiden“
„Hauptziel bleibt, Infektionen zu vermeiden“
„Hauptziel bleibt, Infektionen zu vermeiden“
Die Schüler stärken sich im Miteinander
Die Schüler stärken sich im Miteinander
Die Schüler stärken sich im Miteinander
Adventsgruß kommt übers Smartphone
Adventsgruß kommt übers Smartphone
Adventsgruß kommt übers Smartphone
Burscheider Tradition lebt endlich wieder auf
Burscheider Tradition lebt endlich wieder auf
Burscheider Tradition lebt endlich wieder auf

Kommentare