Bezirksbeamtin

Andrea Kampmann ist Burscheids Dorfsheriff

Im Souterrain des Rathauses hat Andrea Kampmann ihr Büro und teilt es sich mit dem Kollegen Ralf Heider. Foto: Nadja Lehmann
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Im Souterrain des Rathauses hat Andrea Kampmann ihr Büro und teilt es sich mit dem Kollegen Ralf Heider.

Ansprechbar sein, nahbar sein: Die 51-jährige erfahrene Polizistin setzt im Bezirksdienst auf Bürgernähe.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Etwas Handfestes sollte es sein. Zunächst wollte Andrea Kampmann Kfz-Mechanikerin werden. „Dann habe ich mich bei der Polizei beworben. Die suchte damals Personal“, erzählt sie. Und es klappte: Ihre Ausbildung absolvierte die heute 51-Jährige in Essen, zunächst für den mittleren Dienst. Handfest auch da: Schichtdienst, Einsätze. „Ich war dann unterwegs, wenn die Leute 110 gewählt haben.“ Heute ist sie Polizeioberkommissarin im gehobenen Dienst und sitzt in der kleinen Anlaufstelle der Polizei in Burscheid am Ewald-Sträßer-Weg. Ruhiger? „Ja, ein bisschen“, sagt sie und lacht.

Seit Jahresanfang versieht sie den Dienst als Bezirksdienstbeamtin. „Die Stelle war ausgeschrieben, ich habe mich beworben und habe sie im Oktober 2020 zunächst kommissarisch erhalten“, erzählt sie.

Ich gehe durch die Straßen und versuche, für die Leute da zu sein.

Andrea Kampmann

Andrea Kampmann genießt ihre neuen Aufgaben, das ist deutlich spürbar. Und sie ist keine, die sich im Büro verschanzt, im Gegenteil. Im frechen kleinen Smart, der das Polizeilogo trägt, ist sie jeden Tag in Burscheid und in seinen Außenortschaften unterwegs. „Und ich gehe durch die Straßen“, sagt sie. Eine tägliche Streife zu Fuß ist Pflicht. „Ich versuche, für die Leute da zu sein“, beschreibt sie ihr Arbeitsethos. Diese würden sie inzwischen auch „zuordnen“ können, sagt sie lächelnd. Uniform und Smart helfen natürlich. „Das Auto ist der Renner“, sagt Kampmann selbst über den kleinen Flitzer.

Schulen und Kindergärten kennt sie inzwischen, denn die Schulwegsicherung gehört mit zu Kampmanns Aufgaben. „Die Leute sind dankbar“, sagt sie. Und Kampmann selbst signalisiert ihnen: Die Polizei ist da, kümmert sich, ist nah- und ansprechbar. „Gelebte Bürgernähe“ nennt Andrea Kampmann das und setzt hinzu: „Als Streifenwagenbesatzung hat man nicht so viel Zeit.“

Denn diesen Teil der Polizeiarbeit kennt Andrea Kampmann natürlich selbst auch. Angefangen hat sie in Leichlingen. Im Streifenwagen. „Da fährt man einen Einsatz nach dem anderen. Und hat Schichtdienst.“ Im Gegensatz zu jetzt, wo feste Bürodienstzeiten den Tag strukturieren. Es ist ein Vorteil, den die vierfache Mutter zu schätzen weiß – auch wenn drei Kinder schon über 20 und mit Schichtdienst groß geworden sind, ist doch der Nachzügler erst 15.

Andrea Kampmann sucht den Kontakt. Will „Dorfsheriff“ im besten Sinne sein. Opfernachsorge gehört dazu, Präsenz bei Veranstaltungen. Angesprochen werde sie inzwischen von Jung und Alt, beschreibt sie. Sie schaut auch dort vorbei, wo die weniger schönen Ecken Burscheids sind: Da, wo sich Obdachlose treffen. Da, wo Asylbewerber nicht wissen, wohin mit sich und ihrer Zeit. „Viele wollen arbeiten und dürfen nicht“, sagt Kampmann. „Gerade Jüngere orientieren sich dann in die falsche Richtung.“ Probleme habe Burscheid wie jede große Stadt auch, „bloß eben im Kleinen“.

Und da kann und darf dann auch ein „Dorfsheriff“ nicht wegschauen. Aus einem Rundgang kann theoretisch jederzeit ein Einsatz werden. Wenn man als Polizist gerade neben einem Banküberfall steht, beispielsweise. „Dann wird nicht lange gefragt“, sagt Kampmann. „Da, wo Polizei draufsteht, ist auch Polizei drin.“ Ein Risiko also bleibe immer, auch im vermeintlich beschaulichen Bezirksdienst. Schießtraining, Angriffstechniken mit dem Schlagstock sind und bleiben Pflicht. Angst habe sie nicht, sagt Andrea Kampmann über die Risiken ihres Berufs. „Angst lähmt eher. Aber ich habe Respekt.“

Ihren Beruf jedenfalls würde sie wieder ergreifen, bekennt sie. Auch wenn die 51-Jährige durchaus die Momente kennt, in denen man eine Atempause braucht. „Man sieht ja auch schlimme Dinge“, sagt sie. Dann hilft ein Gespräch mit Kollegen. Abstand schaffen.

„Man muss sich immer wieder auf die Situationen einstellen“, sagt Andrea Kampmann. Ihr mag geholfen haben, dass sie das schon als Kind gelernt hat. „Mein Vater war Berufssoldat“, sagt sie nur. Geboren in Bayern, hat sie in Zweibrücken und Kleve gelebt – und ist in NRW hängengeblieben. „Meine Oma hat in Niedersachsen im Kreis Cloppenburg gelebt. Das war als Kind mein Dreh- und Angelpunkt.“ Und nun ist es (jedenfalls beruflich) Burscheid.

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