Amüsante Reise durch die Werbewelt

Markus Heip nahm im Werkzeugmuseum die Besucher von „Altes Eisen rostet nicht!“ mit auf eine Reise durch die Geschichte der Werbung der letzten 70 Jahre in Funk und Fernsehen. Foto: Roland Keusch
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Markus Heip nahm im Werkzeugmuseum die Besucher von „Altes Eisen rostet nicht!“ mit auf eine Reise durch die Geschichte der Werbung der letzten 70 Jahre in Funk und Fernsehen.

Markus Heip sprach im Remscheider Werkzeugmuseum in der Reihe „Altes Eisen rostet nicht!“

Von Sabine Naber

Zu einer unterhaltsamen Reise durch die Zeitgeschichte der Werbung hatte Markus Heip ins Werkzeugmuseum eingeladen. Unter der Überschrift „Altes Eisen rostet nicht!“ – eine Veranstaltungsreihe, die bereits seit vielen Jahren zum Programm gehört – ging es gestern um Werbung der letzten 70 Jahre aus Funk und Fernsehen. Angefangen bei historischem Spielzeug, das zurzeit in den Vitrinen des Werkzeugmuseums zu sehen ist, bis zu den noch bekannten Werbe-Ikonen von Haribo und Persil, ging die Reise.

„Ein wissenschaftliches Thema, das topaktuell ist und auch die Psychologie beschäftigt. Es geht ja darum, dass der Anbieter wissen muss, welches Produkt zum jeweiligen Kunden passt“, erklärte Heip und nannte als Beispiel die HB-Männchen-Zigaretten-Werbung. Er zitierte den Spruch: „Haribo macht Kinder froh. Und Erwachsene ebenso.“

Ob an der Litfaßsäule oder in den Zeitungen, überall gab und gibt es Werbung. „Nur die Geschwindigkeit hat sich verändert“, machte Heip deutlich. Und zeigte einen kurzen Film, in dem es um Spielzeuge aus den 50er Jahren ging. Ein Junge spielt da mit einem Feuerwehrauto und fährt die Leiter hoch, bei den Legosteinen, die es anfangs nur in weiß und rot, den Farben des dänischen Herstellers gab, hieß es: „Lass uns mal mit Liebe bauen“, und bei der Modelleisenbahn wurde natürlich an Jungs gedacht. „Beliebt bei Groß und Klein, die Marke Märklin muss es sein“, war man in der Werbung damals überzeugt. „Klar, dass sich das an den Papa richtete, der da gerne mitspielte.“

Weiter ging es auf der großen Leinwand mit einer Dokumentation der Nürnberger Spielzeugausstellung mit Produkten aus den 60er Jahren. Angepriesen wurde Holzspielzeug – „das darf auch mal runterfallen“ – oder auch die Geschirrspülmaschine mit 12 Volt für die Puppenküche. „Die gibt es heute noch für Camper. Vor ein paar Wochen hat sie ein Discounter angeboten“, wusste der Experte. Populär gemacht wurden auch Holzstelzen oder Lastwagen, die man auseinander und wieder zusammenbauen kann.

Werbung auf Jungen und Mädchen zugeschnitten

In Farbe ging es in der Wirtschaftswunderzeit in ein Museum in Süddeutschland. Züge mit Anhängern sausten los, pickende Hühner und Autos aus Blech gab es zu sehen. „Das sogenannte Vorkriegsspielzeug wurde von einer Generation zur nächsten gereicht. Meist am Dreikönigstag wieder eingepackt, nächsten Weihnachten lag es wieder unter dem Baum“, erzählte Heip. Gezeigt wurden auch bunte Kreisel, die allerdings in der Zeit, als Teppichböden en vogue waren, keine Chance mehr hatten. Immer noch würde in der Werbung, beispielsweise bei Lego, zwischen Angeboten für Mädchen und Jungen unterschieden. Das rosa Schloss sei für die Mädchen, die Jungen flögen ins All. „Ich habe früher aber auch den Puppenwagen meiner Schwester geschoben. Das hat niemand in der Familie seltsam gefunden“, erinnerte sich Markus Heip.

Ein Zuhörer war sich sicher, dass die Werbung damals Mädchen mit Puppen auf ihre Lebensaufgabe vorbereiten wollte. Ein kurzer Sprung in die amerikanische Spielzeugwerbung zeigte, dass 1933 der amerikanische Präsident Theodore (Teddy) Roosevelt für den Spielzeugteddy Pate stand und die Schauspielerin Shirley Temple als Patin für Puppen genannt wurde. Und mit den Autos, die sich aufziehen ließen, spielten selbstverständlich die Jungs. „Kein Unterschied zwischen der Werbung in den USA und in Europa“, sagte Heip.

Witzig die Pril-Werbung, in der eine sprechende Ente in ein mit Spülmittel getränktes Becken saß und schnatterte: „Ich bekomme einen nassen Bauch, ich gehe unter. Endlich kommt die rettende Hand.“ Und das alles nur, weil Pril (angeblich) das Wasser entspannt und alles wegschwemmt. Auch die schützende Fettschicht der Ente. „So eine Werbung würde heute verboten“, war man sich einig. Das gemeinsame Kaffeetrinken rundete den Nachmittag im Saal des Werkzeugmuseums ab.

Altes Eisen

Unter dem Motto „Altes Eisen rostet nicht!“ treffen sich Senioren an jedem ersten Mittwoch im Monat im Deutschen Werkzeugmuseum zu einem gemütlichen Nachmittag. Vorträge, Exkursionen oder auch Führungen bilden den kulturellen Rahmen. Es ist ein offener Kreis für Interessierte, die 60 Jahre oder älter sind. Eintritt 2,50 Euro, Anmeldung unter Tel. (0 21 91) 16 25 19.

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