Prozess

Vorwurf der sexuellen Belästigung: Amtsgericht beraumt Folgetermin an

Das Amtsgericht Wermelskirchen am Brückenweg: Das Verfahren wird noch fortgesetzt.
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Das Amtsgericht Wermelskirchen am Brückenweg: Das Verfahren wird noch fortgesetzt.

43-jähriger ehemaliger Fahrlehrer soll eine damals 17-jährige Fahrschülerin aus Hilgen bedrängt und belästigt haben.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Burscheid. Es gibt kaum kompliziertere Fälle als solche, bei denen Aussage gegen Aussage steht – so wie jetzt vor dem Amtsgericht Wermelskirchen. Dort musste sich ein 43-jähriger ehemaliger Fahrlehrer aus Remscheid wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung einer Fahrschülerin verantworten – dabei ging es um den Zeitraum zwischen November 2020 und März 2021. Er solle die damals 17-Jährige mit anzüglichen Chats belästigt haben und sie auch im Fahrschulwagen auf einem Waldparkplatz, auf dem eigentlich das Einparken geübt werden sollte, an den Brüsten und im Intimbereich berührt haben.

Der Angeklagte stritt diesen Vorwurf ab, gab an, dass es sich bei der Beziehung um eine „einvernehmliche Affäre“ gehandelt habe: „Wir haben Händchen gehalten, uns regelmäßig geküsst und auch einmal miteinander geschlafen.“ Es sei eine Intrige, ausgehend von seinem Fahrschulkollegen. „Wussten Sie, dass die Geschädigte minderjährig war?“, wollte der Richter wissen. „Nein“, gab der Angeklagte zurück. Er habe sich auf die Aussage der jungen Frau verlassen. „Und so gehen Sie bei Fahrschülerinnen vor?“, fragte der Richter weiter. „Das ist doch nicht Thema hier“, sagte der Verteidiger. Es sei „moralisch vielleicht nicht in Ordnung“, was er da gemacht habe, sagte der Angeklagte. Strafrechtlich relevant sei es aber nicht.

Auf der anderen Seite stand die Aussage der Geschädigten, mittlerweile 19 Jahre alt. Die junge Frau, in Begleitung ihrer Mutter gekommen, berichtete sichtlich mitgenommen und mit leiser Stimme. In ihrer Aussage berichtete die junge Frau aus Hilgen, dass sie zu Beginn ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Fahrlehrer gehabt hätte. „Er hat den Kontakt per Whatsapp gesucht, später wurde er auch physisch“, sagte sie. Dabei habe sie das aber nur für „Spaß“ gehalten, da sie mitbekommen habe, dass er verheiratet sei und drei Kinder habe. Als sie die Geschehnisse des besagten Abends auf dem Wanderparkplatz beschrieb, stockte sie kurz. Die Beschreibung kostete sie sichtlich Überwindung.

Weitere Zeugin soll gehört werden

Sie betonte aber ebenfalls, dass er sofort aufgehört habe, sie zu bedrängen, als sie das abgewehrt habe. Die junge Frau stritt vehement ab, dass es eine intime Beziehung zum Angeklagten gegeben hätte. „Es gibt aber eine Zeugin, die sie beide an der Sparkasse beobachtet haben will, wie sie sich geküsst haben“, sagte der Richter. „Die müssen wir hören, das ist wesentlich“, sagte der Verteidiger. Er hielt der Geschädigten zudem die Aussagen seines Mandanten vor. „Sie sollen sich geküsst haben – und sie haben miteinander über Snapchat korrespondiert“, sagte er. Beides stritt die Geschädigte ab. Als Beweismittel vorgelegt werden konnte besagter Chatverlauf indes nicht.

„Warum tust du mir das an? Warum lügst du?“, fragte der Angeklagte da in Richtung der Zeugin, die mit leiser, aber fester Stimme wiederholte: „Das stimmt so nicht.“

Über das eigentliche Geschehen konnten die beiden weiteren Zeugen, die ehemalige Chefin des Angeklagten sowie ein ehemaliger Kollege, nichts sagen. Sie zeichneten allerdings das Bild eines Menschen, der sich mit Vorliebe an junge Fahrschülerinnen wendete und der mit der Konkurrenzsituation in der Fahrschule nicht zurechtgekommen sei. Und dem vor allem wegen des ersteren Grundes, der ihr von vielerlei Seite zugetragen worden sei, von der Fahrschulleiterin fristgerecht gekündigt wurde.

Sämtliche Aussagen reichten nicht, um das Gericht zu einem Urteil bringen zu können. „Wir müssen die besagte Zeugin hören. Daher wird es einen Fortsetzungstermin geben“, sagte der Richter.

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