Alte Postkarte erzählt vom Alltag in Groß Ösinghausen

Auf der eine Seite sind Szenen aus der Ortschaft zu sehen, auf der anderen Seite schreibt Lina an Ida Haas. Fotos: Norbert Bangert
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Auf der eine Seite sind Szenen aus der Ortschaft zu sehen, auf der anderen Seite schreibt Lina an Ida Haas. Fotos: Norbert Bangert

Norbert Bangert interessiert sich für Geschichte und erwarb via Internet ein historisches Schätzchen

Von Nadja Lehmann

Zwar wohnt Norbert Bangert im Münsterland: Aber der Autor und Historiker stammt aus dem Bergischen und war auch im Bergischen Geschichtsverein aktiv. Kein Wunder also, dass er noch immer ein Augenmerk auf bergische Schätze von einst hat. Dieses Mal war es Burscheid, das ihm in den Blick geriet.

„Einen unverhofften Einblick in die Alltagsgeschichte der Ortschaft Groß Ösinghausen konnte ich Ende September nach dem Erwerb einer alten Ansichtskarte nehmen“, berichtet Bangert. So sei es ihm gelungen, in einem harten Bieter-Rennen auf der Online-Plattform Ebay ein Exemplar zu ersteigern, dessen Existenz bereits bekannt sei.

Bangert zahlte einen hohen zweistelligen Betrag für die Karte

„Ich musste jedoch eine hohen zweistelligen Euro-Betrag für dieses recht seltene Exemplar bieten, was für eine Ansichtskarte schon ein relativ hoher Preis ist“, stellt Bangert fest. Auch in der Festschrift 100 Jahre Turnerbund Gross-Oesinghausen 1884 sei diese Lithografie abgedruckt und dürfte auch den Sammlern von Heimatbelegen und den Ortshistorikern bekannt sein.

Viel spannender ist jedoch der Text, findet Norbert Bangert. Abgeschickt hat sie eine Lina aus Großösinghausen im Jahr 1909. Adressat war eine Ida Haas in Burscheid. Der Name Haas ist in Groß Ösinghausen und auch in Benninghausen nicht unbekannt gewesen, waren deren Familienmitglieder doch auch Betreiber einer Gastwirtschaft.

Sie schrieb: „Ich habe schon so lange nichts mehr von dir gehört, und auch nicht gesehen, wie ist das eigentlich mit Dir. Wir haben am Sonntag das 25-jährige Turnfest hier, dazu lade ich Dich herzlich ein.“

Dieses silberne Jubiläum ist auch in der Festschrift des Turnerbundes erwähnt. Daraus lässt sich schließen, dass die Zeilen ein paar Tage vor dem 20. Juni 1909 geschrieben wurden: An dem Tag fand das Fest statt.

„Der Text lässt auch erahnen, welchen hohen Stellenwert das jährliche Stiftungsfest für die Ortschaft hat, war es doch Anlass genug, alte Weggefährtinnen, in diesem Fall Ida Haas, wieder einmal einzuladen“, sagt Bangert. Ida solle auch einmal „ihren Geliebten“ mitbringen, so wünschte es Lina sich.

Spannend ist auch ein weiterer kleiner Nebensatz: „Ich bin jetzt bei Pulvermacher in Kaltenherberg am Arbeiten“, schrieb sie wörtlich, so wie ihr der Schnabel gewachsen war. Bei dieser Firma handelt es sich, so ist es bei Marie Luise Mettlachs Schildergeschichten nachzulesen, um die Schuhfabrik Forst und Pulvermacher in Kaltenherberg, die dort von 1898 bis 1924 betrieben wurde.

Viele Ansichtskartensammler sammeln die Karten aufgrund ihres Motivs, was in diesem Fall ebenso spannend ist, sagt Bangert. So ist die Frage, wie wirklichkeitsgetreu diese Lithografie von Groß Ösinghausen ist, ob es eventuell ein Motiv als Vorbild gab und ob man die Straßen und Wege auf dem Bild genau verorten kann.

„Als Historiker interessiert mich aber auch die Sozialgeschichte, die sich aus den oftmals kurzen Texten herauslesen lässt. Im konkreten Fall war ich natürlich besonders neugierig, bin ich doch in Ösinghausen aufgewachsen, habe über 30 Jahre dort gelebt und sogar als relativ junger Mensch ein paar Jahre die Bewohner im Rat der Stadt vertreten“, sagt Bangert. Diese alten Ansichtskarten seien es unter anderem, die das Interesse an der Ortshistorie und an der alten Heimat immer wieder am Leben erhielten: „Vielleicht, so ist meine Hoffnung, kommt durch eine weitere Ansichtskarte wieder etwas Interessantes oder gar Neues ans Tageslicht.“

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