Rückblick

Als ein Brot mehrere Tausend Mark kostete

Die Banknoten trugen aberwitzige Zahlen, ihr Wertverfall war rasant. Dieser Schein ist von 1922.
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Die Banknoten trugen aberwitzige Zahlen, ihr Wertverfall war rasant. Dieser Schein ist von 1922.

Unsere Autorin blickt auf die Inflation Anfang der 1920er Jahre zurück.

Von Ursula Hellmann

Alle reden vom Geld – und der Hauptfokus dabei? „Alles wird teurer!“ Vom Streichholz bis zum SUV – die neuen Preise sind keinesfalls mehr die alten. Ist die Situation in Deutschland so bedrohlich wie noch nie? Gibt es Menschen in Burscheid, die sich noch an die Ereignisse um das Jahr 1923 erinnern?

Johanna Bonde, Leiterin des Sozialdienstes im Luchtenberg-Richartz-Haus, versuchte, vom ältesten Bewohner im Haus (1921 geboren) einige Erinnerungen an seine Kindheit zu erfahren. Aber es scheint, als wäre den Kindern dieser Generation die verzweifelte Lage nicht als Last aufgebürdet worden. Vor genau hundert Jahren endete die radikalste Inflation – also die Geldentwertung – in den großen Industrienationen.

Grund war die Finanzierung des Ersten Weltkriegs

Für Deutschland hatte sie ihren Hauptgrund in der Finanzierung des Ersten Weltkriegs und dessen Folgen durch die sogenannten Reparationszahlungen an die Siegermächte. 1919 – am Ende des Krieges – hatte die Reichsmark mehr als die Hälfte ihrer Kaufkraft verloren. Aber genau da begann die Inflation erst zu einer Hyperinflation auszuarten. Die Goldreserven als Staatsvermögen galten nicht mehr. Gravierende Unterschiede im Kreditwesen Europas verschärften die Lage in Deutschland zusätzlich. Notwendige Nahrungsmittel wurden immer knapper, der Kampf um sie immer heftiger.

Um den Eindruck von ausreichenden finanziellen Mitteln zu erhalten, wurden Geldscheine mit extrem erhöhten Werten gedruckt. Der zum Himmel schreiende Nachteil: Arbeiter erhielten am Abend einen Wochenlohn von mehreren Tausend Mark und konnten dafür – falls sie großes Glück hatten – nur noch ein einziges Brot ergattern. Die gesamte Situation eskalierte in einem nie dagewesenen Ausmaß bis zum Jahr 1923.

In den Portemonnaies befanden sich Papierscheine mit fantasievollem Aufdruck und Zahlen bis zu einer Billion Mark. Politikernamen wie Hjalmar Schacht, Rudolf Hilferding und Reichsfinanzminister Hans Luther waren in aller Munde. 1923 gründete sich dann ein privatwirtschaftliches Institut und führte die sogenannte Rentenmark ein. Das Institut wurde von Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und Handel getragen.

Jeder verpfändete vier Prozent seines Besitzes als Grundschuld und haftete mit einem Teil des eigenen Vermögens für die neue Währung. Ab da wurde eine Rentenmark gegen eine Billion Papiermark umgetauscht. Damit war man wieder auf einem Nennwert ähnlich der alten, einst vertrauensvollen Goldmark.

Der Umtausch von Papiermark in Rentenmark ging langsam und nachvollziehbar vonstatten. Nicht so ad hoc wie der spätere Wechsel von Reichsmark zur D-Mark. Die wirtschaftlichen und sozialen Lasten dieser Hyperinflation lagen auf den Schultern der Bevölkerung und einem kleinen Teil der Besitzer großer Geldvermögen.

Als sich die Reallöhne endlich wieder auf den ungefähren Stand von vor dem Ersten Weltkrieg einpendelten, schrieb man dann bereits das Jahr 1928.

Inflation

Steigen die Preise von Waren und Dienstleistungen allgemein, und nicht nur die Preise einzelner Produkte, so bezeichnet man dies als Inflation. Dann kann man heute mit 1 Euro nicht so viel kaufen wie noch gestern. Anders gesagt: Durch Inflation sinkt mit der Zeit der Wert einer Währung.

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