Kulturbadehaus

Akkordeon verleiht dem Stummfilm Töne

Als Achtjähriger bekam Stephan Langenberg sein erstes Akkordeon. „Ich habe meine Geschwister genervt“, sagt er.
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Als Achtjähriger bekam Stephan Langenberg sein erstes Akkordeon. „Ich habe meine Geschwister genervt“, sagt er.
  • VonNadja Lehmann
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Am Samstag begleitet der Kölner Musiker Stephan Langenberg im Kulturbadehaus „Der General“ von Buster Keaton.

Burscheid. Das Akkordeon muss noch rasch in die Werkstatt. „Ein Ton ist nicht in Ordnung“, sagt Stephan Langenberg. Ansonsten aber sind Musiker und Instrument bereit. Bereit, den Stummfilm „Der General“ von Buster Keaton mit Klängen zu untermalen. Bereit für den Auftritt am morgigen Samstagabend im Kulturbadehaus in Burscheid.

Als „Ziehharmonika-Fachmann“ beschreibt sich der 60-Jährige mit lächelndem Understatement. Zu Hause ist er auf dem Akkordeon und dem Bandoneon, der Tango-Variante sozusagen, gleichermaßen. Und auch wenn er in seiner Heimatstadt Köln ganz klassisch Musik mit Hauptfach Klavier studiert hat: Dem Akkordeon gehörte die erste Liebe. Dank eines Hörerlebnisses als Kid. „In den sechziger Jahren war es gang und gäbe, dass draußen Straßenmusiker standen. Und einer hatte ein Akkordeon. Meiner Mutter bekam mich dort nicht mehr weg“, erinnert er sich. Acht Jahre war er, als ihm seine Eltern zu Weihnachten ein Akkordeon schenkten. „Ich habe es jeden Tag aus dem Koffer geholt, habe geübt, bin meinen Geschwistern auf die Nerven gegangen und habe ordentlich Radau gemacht.“

Die Zuneigung blieb. Auch als Stephan Langenberg dann in den Siebzigern lange Haare trug und zerrissene Jeans. „Das war ja damals das Zeichen des Widerstands. Und wer bei den Mädchen punkten wollte, spielte Gitarre und die Beatles.“ Die spielte Langenberg zwar auch. Aber eben auf dem Akkordeon. Und gerne auch Irish Folk. „Ich war ein bisschen exotisch. Der Hippe mit dem Akkordeon“, sagt er. Gar nicht selten sei es gewesen, dass bei seinen eigenen Auftritten als Straßenmusiker in Kölns Hohe Straße um die 30, 40 Menschen fasziniert zugehört hätten. „So habe ich mir mein Studium und die Miete finanziert.“

Heute musiziert er an Theatern, Opernhäusern, bei Rundfunk und Fernsehen, als Solist oder im Ensemble, er begleitet Chansonniers und Popstars gleichermaßen, und die Liste seiner Partner ist lang, reicht vom WDR-Rundfunkorchester über die Düsseldorfer Symphoniker bis zu den Höhnern, Schauspieler Herbert Knaup und Circus Roncalli.

Bis morgen Abend werde er noch „verstärkt spielen, damit die Finger laufen“, verrät er. „Ein Fußballer liegt ja auch nicht auf der Couch und wartet auf den Samstag.“ Vorbereitet hat er sich längst, hat Buster Keatons Film quasi auswendig gelernt und den Filmsequenzen musikalische Motive zugeordnet: „Es gibt Jagden mit Eisenbahnen. Es gibt romantische Szenen mit der Angebeteten, da darf es dann etwas kitschiger sein. Während des Vorspanns mischen sich Romantik und Soldatenfanfare.“

Zwei bis drei Notenblätter werden wohl neben Langenberg liegen. Mehr nicht. Sie sind das Back-up, über dem sich Langenberg entfaltet, improvisiert, untermalt, unterstreicht. „Man braucht viel Fantasie“, sagt er selbst. „Und ich habe ja nur eine Chance.“

Aber eigentlich will der Kölner Musiker sich vergessen machen. „Man soll der Musik gar nicht zuhören. Ich will Stimmungen aufnehmen, damit die Musik zu einem Teil des Films wird“, sagt er. Deshalb sitzt er ganz unspektakulär an der Seite. Ist eben nicht Solist, sondern Begleiter im besten Sinne des Wortes. Stephan Langenberg freut sich auf seinen Auftritt. Verhehlt nicht, dass die Zeit der Pandemie schwierig war. Weniger des Finanziellen wegen („es gab gute Förderprogramme“) als mental. „Corona hat klar gemacht, welchen Stellenwert Kultur hat und was als Erstes gestrichen wird“, sagt er. Aus diesem „Loch“ herauszukommen, sei immer noch schwierig. „Früher war ein Vertrag ein Vertrag. Heute kann alles abgesagt werden. Und niemand weiß, was der Herbst bringt.“

Chopin-Balladen am Klavier spielt er für sich

Gleichwohl hat ihn die Musik getragen. Denn der 60-Jährige spielt und unterrichtet immer noch Klavier. Und liebt da die klassische Musik. „Wenn ich Chopin-Balladen spiele, ist das für mich.“

Nach der Schule habe er eine Kochlehre angefangen, erzählt er. Und machte dann doch die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule. „Dort war mir dann klar, dass ich nichts anderes machen will. Und ich habe es bis heute noch keinen Tag bereut.“

„Der General“, Filmkomödie aus dem Jahr 1926 von und mit Buster Keaton, läuft am morgigen Samstag im Kulturbadehaus. Der Stummfilm wird musikalisch von Stephan Langenberg (Akkordeon) begleitet. Beginn: 19.30 Uhr. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und online.

termine.rga.de

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