Adient: Betriebsrat rüstet sich für die anstehenden Verhandlungen

Haupteingang an der Industriestraße: Adient hat seine Europa-Zentrale in Burscheid. Archivfoto: Doro Siewert
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Haupteingang an der Industriestraße: Adient hat seine Europa-Zentrale in Burscheid. Archivfoto: Doro Siewert

IG Metall Köln-Leverkusen warnt vor Schnellschüssen und kurzfristigen Sparmaßnahmen

Von Nadja Lehmann

Die schlechte Nachricht erreichte Dieter Neff in seinem Urlaub, der ihm zusätzlich noch eine Reifenpanne bescherte: Keine guten Zeiten für den Betriebsratsvorsitzenden und seinen Arbeitgeber Adient, der am Montag bekannt gab, 162 Stellen in seiner Europa-Zentrale Burscheid streichen zu wollen. „Nächste Woche steige ich da voll ein“, sagt Neff mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen. Diese wollte Adient eigenen Angaben zufolge so schnell wie möglich anberaumen. Noch sind sie aber nicht angelaufen, wie der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Thorsten Müller berichtet, der in Burscheid die Stellung hält.

„Definitiv ist das ein Schock gewesen“, sagt Müller über die Pläne des Automobilzulieferers. Die Geschäftsleitung habe Wirtschaftsausschuss und Betriebsrat informiert und das sogenannte Weißbuch übergeben. „Darin sind alle Informationen zur Restrukturierung aufgelistet“, erklärt Thorsten Müller: „Alle Details, was gemacht wird. Die Gründe, warum es geschieht. Wie viele Mitarbeiter es trifft – aber keine Namen. Die Geschäftszahlen.“ Alles dies müsse nun erst durch den Betriebsrat gesichtet und kritisch geprüft werden, kündigt Müller an. Auch die Gewerkschaft werde informiert.

Erst nach dieser Sichtung und Analyse können die Verhandlungen aufgenommen werden, unterstreicht Müller. Dazu wolle der Betriebsrat auch externe Berater, in jedem Fall aber einen Anwalt hinzuziehen.

„Wir werden mit Argusaugen prüfen, ob hier nicht die Gunst der Corona-Zeit ausgenutzt wird“, sagt Paul Hecker. Dem Gewerkschaftssekretär der IG Metall Köln-Leverkusen missfällt, dass Adient, obgleich das Unternehmen alle Hilfsmaßnahmen wie Kurzarbeit ausreize, jetzt schon „Tatsachen schaffen“ wolle. Zumal es in dieser Schnelligkeit, der getroffenen Corona-Vereinbarungen wegen, Kündigungen derzeit überhaupt nicht geben könne: „Das weiß auch Adient. Ich hoffe, dass hier nicht eine kurzfristige Sparmaßnahme durchgezogen werden soll“, sagt Hecker. „Denn auch in Zukunft werden Autos gebaut. Und da werden auch wieder Sitze von Adient drin sein. Dort wird schließlich gute Arbeit gemacht.“

Eine ähnliche Krise hat der erst 2018 gegründete Betriebsrat erst im vergangenen Jahr erlebt. Damals hatte Adient bekanntgegeben, dass in Burscheid 77 Mitarbeiter gehen müssen.

Schon 2019 sollten Mitarbeiter entlassen werden

„Betriebsbedingte Kündigungen hat es dann aber nicht gegeben“, blickt Thorsten Müller zurück. Stattdessen: freiwillige Aufhebungsverträge, Altersteilzeit-Modelle und Frühverrentung. „Betriebsbedingte Kündigungen würden wir auch jetzt gern wieder vermeiden“, sagt Thorsten Müller. „Bei dieser großen Anzahl ist es aber eher unwahrscheinlich, dass das gelingt.“

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