„450-Euro-Kräfte zählen zu den Verlierern“

So sieht es landauf, landab aus: Die Restaurants sind dicht. Das hat Folgen für die Eigentümer, aber auch für die dort Beschäftigten.Archivfoto: Boris Roessler/dpa
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So sieht es landauf, landab aus: Die Restaurants sind dicht. Das hat Folgen für die Eigentümer, aber auch für die dort Beschäftigten.Archivfoto: Boris Roessler/dpa

Gewerkschaft NGG warnt vor dem coronabedingten Rückgang der Minijobs im Kreis

Von Nadja Lehmann

Im Zuge der Corona-Krise ist die Zahl der Minijobs im Rheinisch-Bergischen Kreis um sieben Prozent gesunken. Mitte vergangenen Jahres gab es rund 24 100 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse – ein Jahr zuvor waren es noch 25 900. Besonders stark war der Rückgang im Gastgewerbe. In der Branche gingen binnen eines Jahres 468 Minijobs verloren – ein Minus von 17 Prozent. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit und beruft sich hierbei auf die Bundesagentur für Arbeit, die pünktlich zum Monatsende wieder neueste Zahlen vorlegte.

Stark betroffen sind vor allem Frauen

„450-Euro-Kräfte zählen zu den Hauptverlierern der Wirtschaftskrise. Sie haben bislang keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld, werden häufiger gekündigt und sind sozial kaum abgesichert“, sagt Manja Wiesner, Geschäftsführerin der NGG-Region Köln. Die Statistik spiegele eine „enorme Unwucht“ auf dem heimischen Arbeitsmarkt wider. Während dank staatlicher Hilfen wie der Kurzarbeit die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen in der Region nahezu konstant geblieben sei, treffe die Pandemie prekär Beschäftigte besonders hart. Nach dem Prinzip „Hire and Fire“ lebten sie in ständiger Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, betont Wiesner.

„Betroffen sind gerade Frauen, die eine 450-Euro-Stelle als Kellnerin oder Küchenhilfe oft als einzige Einnahmequelle haben. Auch für viele Studierende, die sich nebenher etwas hinzuverdienen, sind die Folgen des Jobverlustes dramatisch.“ Wiesner kritisiert die Entlassungen, hat aber angesichts der Pandemie Verständnis für Hotels und Restaurants.

„Das Problem ist, dass die Politik durch abgabenfreie Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize setzt. Es ist höchste Zeit, diese Stellen sozialversicherungspflichtig zu machen.“ Nur wenn Sozialabgaben, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge gezahlt würden, könnten Beschäftigte wirksam geschützt werden.

„Die Coronakrise hat den Blick auf viele gesellschaftliche Probleme gelenkt. Dazu gehören die Minijobs. Die Politik muss hier arbeitsmarktpolitisch umsteuern“, fordert Wiesner.

Zum Vergleich: Laut Arbeitsagentur nahm die Zahl sozialversicherungspflichtiger Stellen im Rheinisch-Bergischen Kreis zwischen Juni 2019 und Juni 2020 um lediglich 0,4 Prozent ab.

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