Hauptausschuss

113 Ukraine-Flüchtlinge haben Burscheid erreicht

Bei der Ukraine-Spendenaktion packten Bürgermeister Dirk Runge und Amtsleiter Marco Fuss (v.r.) mit an. Die Lkw sind inzwischen in der Ukraine angekommen. Archivfoto: Doro Siewert
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Bei der Ukraine-Spendenaktion packten Bürgermeister Dirk Runge und Amtsleiter Marco Fuss (v.r.) mit an. Die Lkw sind inzwischen in der Ukraine angekommen.
  • VonNadja Lehmann
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Im Hauptausschuss berichtete Amtsleiter Marco Fuss über die aktuelle Flüchtlingslage.

Burscheid. 175 Flüchtlinge sind derzeit in Burscheid, davon sind 113 aus der Ukraine, 43 von ihnen sind Kinder. Viele der Flüchtlinge sind privat untergebracht, 50 leben in der städtischen Unterkunft: Diese Zahlen nennt Amtsleiter Marco Fuss in seinem Sachstandsbericht am Dienstagabend im Hauptausschuss. Es sind Zahlen, die sich ständig ändern: „Da ist hohe Dynamik drin.“

90 Tage dürfen Ukraine-Flüchtlinge in Deutschland bleiben, ohne sich melden zu müssen. So lange gelten sie quasi als Touristen. „Die meisten melden sich aber“, weiß Fuss, der deshalb von keiner alarmierenden Dunkelziffer ausgeht. „Viele haben keinen Zugriff auf ihr Konto, oder sie müssen ärztlich versorgt werden. Dann kommen sie auf uns zu, meist per E-Mail“, berichtet Fuss. Diese Infos gingen dann automatisch ans Bürgerbüro und an die Ausländerbehörde – zur Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis. Das laufe relativ unkompliziert, zumal die Stadt eine telefonische Hotline und eine zentrale Mailadresse eingerichtet habe. „Und der Vorteil der Kleinstadt: Wir haben hier kurze Wege.“

Vor großen Herausforderungen steht das Bildungssystem

Vor großen Herausforderungen steht das Bildungssystem. Von den aktuell 43 Kindern sind 32 Schüler (15 Grundschüler, ein Förderschüler, 16 Schüler weiterführender Schulen). „Die Schulpflicht beginnt mit Erteilung der Aufenthaltserlaubnis“, erklärt Marco Fuss. Da diese zügig erteilt werde, sind die Vorbereitungen schon abgelaufen, soll Schulbeginn nach den Osterferien sein: „An der Montanusschule hat Schulleiterin Claudia Zimmermann schon ein Netzwerk aufgebaut. An der Johannes-Löh-Gesamtschule hat der Unterricht schon begonnen“, berichtet Marco Fuss. Mit der Schulpflicht geht auch eine Schuleingangsuntersuchung durch das Kreisgesundheitsamt einher: „Sie soll zentral in Burscheid stattfinden“, kündigt Fuss an.

Ob denn auch der Druck auf die Kitas zunehme?, fragt in diesem Zusammenhang der Fraktionsvorsitzende des Bündnisses für Burscheid, Michael Baggeler. Bisher nicht, verneint Fuss und verweist auf die geringe Anzahl Kita-Kinder unter den Flüchtlingen. „Aber natürlich sind wir da nicht am Ende angekommen.“

Ein erstes Signal habe deshalb die Kita Sonnenblume gesandt, die zweimal wöchentlich einen Treff für Eltern und ihre noch nicht schulpflichtigen Kinder organisiere. „Die Kita ist uns wichtig, aber der Schulbesuch derzeit wichtiger“, betont Bürgermeister Dirk Runge.

Wie es denn bei den Geflüchteten um die Corona-Impfung stünde, will SPD-Fraktionschef Klaus Becker wissen. „Wir bieten Impfungen an, wir klären auf, auch mit Flyern in ukrainischer Sprache. Aber es gibt bekanntlich keine Impfpflicht“, sagt Runge. „Gefühlt“ sei der Anteil Geimpfter aber hoch, ergänzt Marco Fuss.

Runge erzählt, wie unterschiedlich die Ausgangslagen sind: „Manche kommen mit zwei Autos und haben einiges dabei. Andere kommen mit einem Rucksack und haben nichts.“ Gleich sei nur: „Sie kommen irgendwie in Burscheid an. Das macht es schwieriger als 2015, obwohl wir von den damaligen Erfahrungen profitieren.“

Viele Hilfsangebote entstanden in kürzester Zeit: Der Kinderschutzbund hilft mit seiner Kleiderkammer; die Volkshochschule nimmt schon Anmeldungen zu Integrationskursen an. Es gibt kostenlose Sportangebote beim Turnerbund Groß Oesinghausen und demnächst wohl auch bei der TG Hilgen; es gab ein Begegnungscafé im Jugendzentrum Megafon, bei dem sich 50 Menschen einfanden.

Auch Kontakt zum Verein Frauenzimmer wurde geknüpft: Denn, wie Ausschussmitglied Sabine Rusch-Witthohn (Grüne) auf Nachfrage erfuhr, sind in der Mehrzahl Frauen mit und ohne Kinder in Burscheid eingetroffen – und gerade einmal 15 Männer.

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