Konjunkturbarometer

Zweiter Lockdown beendet die Phase der Erholung

Das Konjunkturbarometer.
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Das Konjunkturbarometer.

Wuppertaler Institut legt Regionales Konjunkturbarometer vor.

Von Andreas Boller und Manuel Böhnke

Bergisches Land. Es hätte ein guter Jahresabschluss 2020 für die Bergische Wirtschaft werden können. Doch nach dem gravierenden Einbruch in der ersten Jahreshälfte und einer Erholung im dritten Quartal, machte der zweite Lockdown den Hoffnungen vieler Unternehmen auf schnelle wirtschaftlich Erholung ein Ende.

Die Geschäftserwartungen für das erste Halbjahr 2021 fallen im Bergischen Städtedreieck daher überwiegend pessimistisch aus. Zu diesem Ergebnis kommt das Wuppertaler Institut für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie (WIFOP) in der jüngsten Ausgabe seines Regionalen Konjunkturbarometers. An der Sonderumfrage zu den Folgen der Covid-19-Pandemie haben 274 Unternehmen (mit rund 20 000 Beschäftigten) teilgenommen.

„Wir rechnen mit einem konstanten Beschäftigungsniveau.“

Prof. André Betzer, WIFOP-Vorsitzender

„Derzeit haben unsere Indikatoren auf Sektorebene nur eine beschränkte Aussagekraft, da die Lageeinschätzungen über die verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich ausfallen“, erläutert Prof. André Betzer, Vorsitzender des WIFOP. Während 65,9 Prozent der befragten Unternehmen angaben, von der Pandemie negativ betroffen zu sein, sehen sich 11,1 Prozent der Unternehmen als Profiteure der Krise.

„Neben Herstellern von Medizintechnik zählen hierzu auch Hersteller und Händler von hochwertigen Haushaltsgeräten, Möbelhäuser und Baumärkte“, sagt Junior-Professor Markus Doumet. Ein weiterer, interessanter Befund ist die Tatsache, dass Onlinehändler nicht pauschal als Gewinner der Krise gelten. Für einzelne Warengruppen, zum Beispiel Businessmode oder Lederwaren, waren die Handelsumsätze - unabhängig vom Vertriebskanal - rückläufig.

„Laut unserer Erhebung ist vorerst mit keinem Beschäftigungsaufbau, sondern mit einem konstanten Beschäftigungsniveau zu rechnen. Letztlich hängt auch hier die Entwicklung in besonderem Maße vom weiteren Verlauf der Covid-19-Pandemie ab“, sagt Prof. André Betzer.

In der Veröffentlichung des Regionalen Konjunkturbarometers beurteilen verschiedene Unternehmer das Corona-Jahr 2020 aus ihrer Sicht. „Als mittelständisches Unternehmen, der als systemrelevant eingestuften Bauindustrie, waren wir, dank eines weit überdurchschnittlichen Auftragseingangs in 2019, im nun endenden Geschäftsjahr 2020 nur unwesentlich von Corona-Maßnahmen betroffen“, erklärt etwa Wolf-Dietrich Spelsberg. Er ist kaufmännischer Geschäftsführer der Remscheider August Dohrmann GmbH.

Ein deutlicher Rückgang sei bei der Nachfrage aus der regionalen Industrie spürbar gewesen. Für die weitere Entwicklung der Nachfrage komme es darauf an, „ob und inwieweit die Politik zu einem verlässlichen Krisenmanagement mit Augenmaß und dem Schwerpunkt auf den Schutz der vulnerablen Bevölkerungsgruppen findet“. Außerdem spricht sich Spelsberg für öffentliche Investitionen in Bildung, Digitalisierung, Infrastruktur und die öffentliche Verwaltung aus.

Das Geschäftsjahr trotz Krise positiv abschließen konnte die Remscheider Arnz Flott GmbH. Dies führt Jan Peter Arnz, der Geschäftsführer des Werkzeugmaschinen-Spezialisten, vor allem auf erhebliche Kosteneinsparungen durch Kurzarbeit sowie fehlende Messen und Reisen zurück. Am Ende des Jahres stand ein Umsatzrückgang von lediglich zwölf Prozent. Nun blickt Flott nach vorne: „Für 2021 planen wir vor allem Investitionen in die weitere Digitalisierung und neue Produkte zur Vermarktung.“

Barometer

Das Regionale Konjunkturbarometer ist ein Kooperationsprojekt der Stadtsparkassen Remscheid und Wuppertal, der Stadt-Sparkasse Solingen, der Bergischen Universität Wuppertal sowie des Wuppertaler Instituts für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie (WIFOP). Das Barometer ist als qualitativer Indikator anzusehen, der die konjunkturelle Lage und Entwicklung des bergischen Städtedreiecks erfasst. Es beruht auf einer quartalsweisen Befragung von Unternehmen in der Region.

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