Bericht

Zahl der Insolvenz sinkt – auch wegen Corona

Christian Beier
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Bericht zur Unternehmensentwicklung der Creditreform.

Von Sven Schlickowey

Solingen. Zahlreiche Firmen-Neugründungen, weniger Insolvenzen: Im Bericht zur Unternehmenswicklung der Creditreform Solingen schlägt sich Corona (noch) nicht nieder. Seit über 20 Jahren schon untersucht das Inkasso-Unternehmen mit Auskunftei die Zahl der An- und Abmeldungen in Solingen, Remscheid, Leverkusen und acht weiteren Kommunen in der Region. Und im untersuchten Zeitraum, den ersten fünf Monaten 2020, sehen die Zahlen überaus positiv aus.

So wurden in dieser Zeit deutlich über 2500 neue Unternehmen angemeldet, bei rund 2100 Abmeldungen. Könnte man dies fürs restliche Jahr hochrechnen, gäbe es zum Jahreswechsel fast 1400 Gewerbebetriebe mehr als noch zwölf Monate zuvor. Zudem gab es von Januar bis Mai nur 94 Firmeninsolvenzen in der Region, nach 105 im gleichen Zeitraum 2019. Ein Minus von über zehn Prozent.

„Einen Anstieg wird es definitiv geben.“
Creditreform-Geschäftsführer Ole Kirschner zur Zahl der Insolvenzen

„Das Insolvenzgeschehen ist weiterhin rückläufig“, sagt Ole Kirschner, Geschäftsführer der Solinger Creditreform. „Trotz oder gerade wegen Corona.“ Denn während die Pandemie die Firmen in wirtschaftliche Schieflage bringt, verhindern die von der Bundesregierung beschlossenen Gegenmaßnahmen derzeit noch viele Insolvenzen. Bis Ende Juni konnten sich betroffene Firmen Zahlungen aus Dauerschuldverhältnissen wie Mieten oder Krediten stunden lassen, bis Ende September ist die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt worden.

Deswegen steht für Kirschner fest, dass die derzeit positiven Zahlen im weiteren Jahresverlauf kaum Bestand haben werden: „Einen Anstieg wird es definitiv geben. Und das auch über das Niveau des Vorjahres hinaus.“ Allein die Höhe des Anstiegs sei noch nicht absehbar, so der Creditreform-Geschäftsführer, weil es derzeit noch zu viele unbekannte Faktoren gebe.

Auch den zahlreichen Neugründungen kann die Creditreform nicht nur Positives abgewinnen. „Es tut sich was im Gründergeschehen“, stellt Ole Kirschner fest – betont aber auch, dass zusätzliche Gewerbeanmeldungen ihren Grund immer auch in drohender Arbeitslosigkeit haben können. Stieg in den vergangenen Jahren die Arbeitslosenquote, stieg regelmäßig auch die Zahl der Firmengründungen. „Das untermauert diese These zumindest.“

Traditionell rechnet die Creditreform die Zahlen der ersten fünf Monate aufs ganze Jahr hoch – und stellt dann An- und Abmeldungen gegenüber, um ein Saldo zu errechnen. Demnach könnte Leverkusen im dritten Jahr in Folge über 500 zusätzliche neue Firmen verzeichnen. Deutlich mehr Gründungen als Schließung hätten so auch Solingen und Leichlingen (je +240) sowie Wermelskirchen (+140), während Burscheid (-40) und Radevormwald (-10) ein negatives Saldo aufweisen würden.

Von den 94 Firmen-Insolvenzen in den elf untersuchten Gemeinden entfielen die im Verhältnis meisten auf Remscheid. Gemessen an der Zahl der vorhandenen Unternehmen gab es hier rund drei Viertel mehr Pleiten als im gesamten Gebiet. Solingen, Hückeswagen und Radevormwald liegen unter dem Schnitt. Wermelskirchen und Burscheid hatten von Januar bis Mai gar keine Insolvenz eines Unternehmens zu beklagen.

Betrachtet man die weiteren Faktoren bei Insolvenzen, zeigt sich, dass Firmen statistisch betrachtet vor allem in den Jahren drei und vier nach Gründung, bei einer Größe von bis zu zehn Mitarbeitern und in einer Gesellschaftsform mit beschränkter Haftung von der Pleite bedroht sind.

Laut bundesweiter Daten richtet jede Insolvenz im Schnitt einen Schaden von 1,3 Millionen Euro bei den Gläubigern an. Zudem sind durchschnittlich acht Arbeitsplätze betroffen. „Akut gefährdet durch Insolvenz sind aus unserer Sicht also aktuell rund 770 Arbeitsplätze“, sagt Ole Kirschner. Sollte es in der zweiten Jahreshälfte aber auch ein paar größere Firmen erwischen, dürften all diese Werte noch einmal deutlich nach oben gehen.

Hintergrund

Seit Mitte der 1990er Jahre betrachtet die Creditreform Solingen die Unternehmensentwicklung in ihrem Gebiet und fasst diese alljährlich zu einem entsprechenden Bericht zusammen. Zu dieser Region gehören die Großstädte Solingen, Remscheid und Leverkusen sowie Radevormwald, Hückeswagen, Wermelskirchen, Burscheid, Haan, Monheim, Langenfeld und Leichlingen. Als Datengrundlage für den Bericht dienen dabei Zahlen aus der eigenen Datenbank der Auskunftei sowie von den jeweiligen Gewerbeämtern.

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