Nachhaltigkeit

Wuppertaler Start-up macht Leder aus Hanf-Abfällen

Lucas Fuhrmann, Montgomery Wagner und Julian Mushövel sind Revoltech.
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Lucas Fuhrmann, Montgomery Wagner und Julian Mushövel sind Revoltech.

Für mehr Nachhaltigkeit in der Textilindustrie.

Von Nina Mützelburg

Wuppertal. In der Modeindustrie wird gerne mit Nachhaltigkeit geworben – der Wahrheit entspricht das aber kaum, hat Lucas Fuhrmann gemerkt, als er vor ein paar Jahren seine Bachelorarbeit schrieb. Dafür habe er ein besonders nachhaltiges Modelabel gesucht, erinnert er sich – fand aber nur „Greenwashing“, wie er sagt. Also wurde er selber aktiv, gründete mit zwei Geschäftspartnern ein Start-up, das inzwischen in Wuppertal ein Zuhause gefunden hat.

Lucas Fuhrmann, Montgomery Wagner und Julian Mushövel haben ein Textil entwickelt, das sich ein bisschen anfühlt wie Leder und auch entsprechend robust ist, aber keine tierischen Produkte oder Plastik enthält. Lovr haben die Gründer das Material genannt. Der Begriff steht für lederähnlich, ohne Plastik, vegan, reststoffbasiert. Im vergangenen Jahr haben die Freunde für den Vertrieb das Start-up Revoltech gegründet, das im Wuppertaler Circular Valley untergekommen ist.

Der Clou an Lovr besteht darin, dass das Material komplett kompostierbar und recycelbar ist. Es kann also nach Gebrauch entweder wieder der Natur zugeführt werden oder Revoltech bringt es bei der Produktion von neuem veganen Leder wieder in den Kreislauf ein. „Da das Material einlagig ist, also nicht verklebt oder mit anderen nicht recycelbaren Materialien oder Erdöl verbunden ist, ist das kein Problem“, erklärt Fuhrmann. Als Zielgruppen hat sich das Start-up die Automobil-, die Möbel- und die Schuhindustrie ausgeguckt.

Wie das Material genau hergestellt wird, soll vorläufig noch ein Betriebsgeheimnis bleiben, ein Patent ist bereits angemeldet. Die Gründer verraten nur so viel: Lovr besteht aus Hanfresten. „Unser Ziel war es, ein Material zu finden, dass irgendwo als Abfallprodukt anfällt. Es sollte nicht extra für uns angebaut werden, sondern wir wollten Resten eine neue Bestimmung geben“, sagt Fuhrmann. Stroh erwies sich als ungeeignet, Bananenpflanzen hätten importiert werden müssen. So landete man beim Hanf, dessen Produktion in Deutschland seit Jahren stetig steigt. Die Abnehmer sind in erster Linie die Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Die Stängel der geernteten Pflanzen verarbeitet Revoltech weiter zu veganem Leder.

Dass für ihre Entwicklungen ein Markt vorhanden ist, da ist sich Fuhrmann sicher: „Wir merken, dass auch in der Textilindustrie ein Umdenken stattfindet.“ Die Branche sei bisher auf Fast-Fashion ausgelegt. „Doch die Frage nach Nachhaltigkeit ist ebenfalls bei den Kunden da. Entsprechend braucht es alternative Materialien.“

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